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Special

12.04.2016

20:49 Uhr

Vermächtnis des scheidenden Präsidenten

Obamas zweiter Frühling

VonMoritz Koch

Das Weiße Haus muss in diesem Jahr ohne lahme Ente auskommen. Denn der ruinöse Vorwahlkampf in den USA kennt einen Gewinner: Präsident Barack Obama. Beliebt wie lange nicht mehr, formt er sein politisches Vermächtnis.

US-Präsident Barack Obama ist der große Profiteur des Wahlkampfes. Reuters

Nicht zurücklehnen

US-Präsident Barack Obama ist der große Profiteur des Wahlkampfes.

New YorkDer Vorwahlkampf in den USA ist noch lange nicht vorbei, ein Gewinner steht allerdings schon fest: Es ist Barack Obama. Je niveauloser die Präsidentschaftskandidaten aufeinander eindreschen, desto souveräner erscheint der scheidende Amtsinhaber. Obama ist inzwischen deutlich beliebter als seine potentiellen Nachfolger.

Wie eine aktuelle Umfrage zeigt, haben 53 Prozent der Befragten ein positives Bild von Obama. Sein demokratischer Parteifreund Bernie Sanders bringt es auf 48 Prozent, seine frühere Außenministerin Hillary Clinton nur auf 40 Prozent. Bei den oppositionellen Republikanern, die ihren Wahlkampf vor allem zur gegenseitigen Demontage nutzen, sind die Werte noch schlechter. Am besten schneidet noch der moderate – und weitgehend chancenlose - Gouverneur John Kasich ab. Er erreicht eine Zustimmungsrate von immerhin 34 Prozent. Den Favoriten Donald Trump und seinen ärgsten Rivalen Ted Cruz sieht nur jeder fünfte Befragte in positivem Licht.

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Obama ist die Wehmut, die viele seiner Landsleute beim Gedanken an seinem Abschied aus der Politik verspüren, nicht verborgen geblieben. Er treibt seine außenpolitische Agenda voran, schmiedet Pläne dafür, in den Hauptwahlkampf einzugreifen – und nimmt sich Zeit, in ausführlichen Interviews seine Amtszeit Revue passieren zu lassen.

Sogar etwas Selbstkritik gestattet er sich. Als seinen „schlimmsten Fehler“ bezeichnete Obama nun in einem Interview mit dem Fernsehsender „Fox News“ das Versäumnis, einen Plan für den „Tag nach der Intervention“ in Libyen gehabt zu haben. Im Jahr 2011 hatten die USA gemeinsam mit europäischen und arabischen Verbündeten den Despoten Muammar al-Gaddafi gestürzt, dann aber zugelassen, dass das Land im Chaos versank.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Das Libyen-Trauma erklärt auch, warum Obama seine Entscheidung, nicht in den syrischen Bürgerkrieg einzugreifen, als sein Meisterstück betrachtet. Sein eigener Sicherheitsapparat hatte ihn zu einer Intervention gedrängt, als der syrische Diktator Baschar al-Assad mit dem Einsatz von Chemiewaffen eine von Obama selbst gezogene rote Linie übertreten hatte.

Doch der Präsident blies den Angriff auf das Regime ab. Kritiker werfen ihm vor, dadurch die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten beschädigt zu haben. Obama kommt zu einem völlig anderen Ergebnis: „Ich bin sehr stolz auf diesen Moment“, sagte kürzlich dem Magazin Atlantic. Er ist der festen Überzeugung, dass seine Präsidentschaft anderenfalls im Nahe Osten versandet wäre – wie die seines Vorgängers George W. Bush.

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