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Special

08.03.2016

19:12 Uhr

Vorwahlen in den USA

Wall Street hat Angst vor einem Präsidenten Trump

In vier US-Staaten wird am Dienstag über die republikanischen Präsidentschaftsbewerber abgestimmt. Die Wall Street hofft, dass die Erfolgssträhne von Donald Trump endet. Die Finanzbranche fürchtet den Populisten.

Seine Äußerungen zu grundlegenden wirtschaftlichen Fragen beunruhigen die Wall Street. AP

Donald Trump

Seine Äußerungen zu grundlegenden wirtschaftlichen Fragen beunruhigen die Wall Street.

New YorkAuf den ersten Blick verkörpert Donald Trump all das, was an der Wall Street zählt – er ist ein Milliardär, mit dessen Immobilienimperium die Banken glänzende Geschäfte machen und in dessen luxuriösen Hochhäusern die Reichen und Schönen zuhause sind.

Doch seit Trump in den Vorwahlen der Republikaner von Erfolg zu Erfolg eilt, blickt das Herz des US-Kapitalismus mit Schaudern auf die Präsidentschaftswahl im November. „Er verängstigt die Märkte. Er ist ein großer Unsicherheitsfaktor“, sagt Greg Valliere, Chef-Stratege von Horizon Investments. „Und die Märkte mögen keine Unsicherheit.“

Die Liste der Ängste, die ein möglicher Präsident Trump an der Wall Street auslöst, ist lang. Er könnte einen Handelskrieg mit China beginnen, die Steuern der Reichen erhöhen, sich mit der Zentralbank Federal Reserve über die Geldpolitik zerstreiten und die Zusammenarbeit von Weißem Haus und Kongress endgültig zum Erliegen bringen.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Die Wall Street hofft, dass die Erfolgssträhne von Trump endet. Sollte der Milliardär am Dienstag bei den Vorwahlen der Republikaner schlecht abschneiden, würde es die Finanzbranche mit Freude erfüllen. Abgestimmt wird in Michigan, Mississippi, Idaho und Hawaii. Gegen Trump treten noch drei Bewerber an: die Senatoren Marco Rubio und Ted Cruz sowie der Gouverneur von Ohio, John Kasich.

Derzeit hat Trump 384 Delegierte hinter sich, Cruz 300. Für die Nominierung sind bei den Republikanern 1237 Wahlmänner und Wahlfrauen nötig. Auch bei den Demokraten kommt es am Dienstag zu Vorwahlen, freilich nur in Michigan und Mississippi.

Trump kommt mit seiner polternden Art und provokanten Forderungen bei vielen Amerikanern an - gerade jenen, die Wut auf das Establishment haben. Die Wall Street ist hingegen darüber beunruhigt, was der Immobilien-Tycoons bisher zu grundlegenden wirtschaftlichen und unternehmerischen Fragen äußert. Einerseits zetert Trump über die hohen Gehälter von Firmenchefs, die Gier der Banken und Steuervorteile für die Vermögensverwalter der Wall Street.

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