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Special

08.11.2016

06:36 Uhr

Wahlkampf-Finale in den USA

Die Unermüdlichen

VonMoritz Koch, Torsten Riecke

Bis zuletzt versuchen Clinton und Trump, ihre Wähler zu mobilisieren. Zehntausende Anhänger verfolgen ihre Abschlusskundgebungen im Wahlkampf. Clinton setzt auf Stars, Trump auf Sprechgesänge: „Sperrt sie ein.“

Präsident Barack Obama (v.l.), seine mögliche Nachfolgerin Hillary Clinton, ihr Mann Bill Clinton und Sänger Jon Bon Jovi. Reuters

Auf der Bühne in Philadelphia

Präsident Barack Obama (v.l.), seine mögliche Nachfolgerin Hillary Clinton, ihr Mann Bill Clinton und Sänger Jon Bon Jovi.

Philadelphia/ManchesterMarc Schleifer hat sich frei genommen, fünf Urlaubstage geopfert. Im heruntergekommenen Norden von Philadelphia ist er von Tür zu Tür gegangen, um Wahlkampf für Hillary Clinton zu machen. Schleifer erzählt von dem ganzkörpertätowierten Puerto-Ricaner, der koreanischen Einwandererfamilie, den Drogendealern und dem Mann, der zwischen verbarrikadierten Häusern sein rostiges Auto zusammenflickte.

Sie und noch viele andere haben ihm versprochen: „Wir wählen Hillary.“ Schleifer ist daher jetzt ein wenig beruhigt. „Hoffen wir, dass wir morgen Geschichte schreiben“, sagt er, das blaue Clinton-Logo hat er sich an seinen Pullover geklebt. Vor ihm schieben sich Massen von Menschen Richtung Independence Hall. Zehntausende sind schon dort.

Zum großen Finale haben sich die Demokraten in Philadelphia versammelt, in der gleichen Stadt also, wo sie schon im Sommer Hillary Clinton zur Kandidatin ausgerufen haben.  Mit einem Großaufgebot von Popstars und Parteiprominenz versuchen sie, die demokratische Basis auf den Tag der Entscheidung einzustimmen. Vor der Independence Hall findet eine der größten Kundgebungen des Wahlkampfs statt. 33.000 Fans zählen die Behörden.

Bon Jovi und Bruce Springsteen spielen, Bill und Chelsea Clinton treten auf, nach ihnen Michelle Obama, die First Lady, und Präsident Barack Obama. Die Demokraten demonstrieren Einheit und Geschlossenheit. Clinton im Wahlkampf zu helfen, „ist das letzte und wichtigste, das ich als First Lady tun kann“, ruft Michelle Obama.

Clinton braucht die Hilfe der Obamas, der Wahlkampf hat sie schwer beschädigt, die Mehrheit der Amerikaner hat ein schlechtes Bild von ihr. Zwar liegt sie in Umfragen vor, aber längst nicht so eindeutig, wie es ihre Strategen am Vorabend der Präsidentschaftswahl gern hätten. Selbst in demokratisch geprägten Bundesstaaten wie Pennsylvania kann sich Clinton nicht allzu sicher sein. Auch deshalb lässt sie sich jetzt noch einmal in Philadelphia feiern.

Clinton gibt sich präsidial

Michelle Obama übergibt an ihren Mann, den Präsidenten. Er preist Clintons Erfahrung, ihre Entscheidungsstärke, ihre Ruhe. Besonders große Freude bereitet es Barack Obama, Clintons Gegner Donald Trump auseinanderzunehmen – mit Charme und Selbstironie. „Es ist nicht gut, wenn man arrogant ist und weiß, wovon man redet“, ruft Obama, der den Vorwurf der Überheblichkeit sehr gut kennt. „Wirklich schlimm ist es, wenn man arrogant ist und nicht weiß, wovon man redet.“

Wahlnacht in Washington: Wie die deutschen TV-Sender berichten

ARD

Nach den „Tagesthemen“ führen Susan Link und Matthias Opdenhövel ab 22.45 Uhr durch „Die US-Wahlnacht im Ersten“. Die ganze Nacht über soll WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn Analysen und die neuesten Zahlen aus den USA liefern - zusammen mit Infratest Dimap und amerikanischen Partnern. Im Studio kommentieren Amerika-Kenner wie Cathryn Clüver von der Harvard University, Erik Kirschbaum, Deutschland-Korrespondent der Agentur Reuters in Berlin, und Klaus Scharioth, ehemaliger Staatssekretär für Sicherheits- und Verteidigungspolitik, das Wahlergebnis.

Mit eigenen Gesprächsrunden ist Sandra Maischberger Teil der Sendung (ab 22.45 Uhr: unter anderem mit Schauspieler Hannes Jaenicke und „Spiegel“-Journalist Markus Feldenkirchen). In Berlin spricht Tina Hassel, Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, mit deutschen Politikern wie Wolfgang Schäuble und Sigmar Gabriel über die Auswirkungen der Wahl. In den USA sind Ina Ruck, Sandra Ratzow, Stefan Niemann und Markus Schmidt unterwegs, etwa in Washington, New York sowie in den entscheidenden Swing States - etwa in Florida oder Ohio. Auch am Mittwochabend behält das Erste das Thema US-Wahlkampf im Blick, mit dem sich unter anderem ein „Brennpunkt“ um 20.15 Uhr befasst.

ZDF

Für das ZDF führen Bettina Schausten, Matthias Fornoff, Christian Sievers und Eva-Maria Lemke ab 0.15 Uhr durch „Die Nacht der Entscheidung“ live aus Berlin und Washington. Dutzende Gäste aus Politik, Wirtschaft, Sport, Wissenschaft und Kultur hat das ZDF angekündigt.

Das Moderationsteam begrüßt unter anderen den US-Botschafter John Emerson, den ehemaligen deutschen Botschafter in Washington und Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Norbert Röttgen, den Chef von Ford Deutschland, Bernhard Mattes, den Schauspieler Walter Sittler, der auch einen US-Pass besitzt, sowie den in den USA geborenen ZDF-Moderator Steven Gätjen.

In Washington sollen Studioleiter Ulf Röller und Matthias Fornoff, Leiter der ZDF-Politikredaktion, die Entwicklungen des Abends einordnen. Auch aus New York und Kalifornien berichten laut ZDF die ZDF-Reporter und damit über die vielen Zeitzonen der USA hinweg. Das ZDF rechnet mit der Veröffentlichung der ersten Prognosen und Ergebnisse ab 1.00 Uhr deutscher Zeit.

Am Mittwoch bringt das ZDF um 19.25 Uhr ein „ZDF spezial“ zur Wahl mit Matthias Fornoff, um 21.45 Uhr meldet sich Claus Kleber mit dem „heute-journal“ live aus Washington.

RTL

Der private Marktführer klinkt sich um Mitternacht mit dem „Nachtjournal“ in die Berichterstattung aus den USA ein. Maik Meuser und Peter Klöppel moderieren durch die „Nacht der Entscheidung“, schalten dabei ins RTL-Wahlstudio, in dem Kloeppel über die ersten einlaufenden Ergebnisse aus den Ostküsten-Staaten informiert.

Das RTL-Frühmagazin beginnt bereits um 4.00 Uhr mit einem Schwerpunkt zur US-Wahl. Auch hier soll Kloeppel aus dem RTL-Wahlstudio zugeschaltet werden, in dem er - basierend auf den Zahlen der großen amerikanischen Networks - alle Ergebnisse und Reaktionen präsentieren will.

Im Laufe des Mittwochs berichten auch die Nachrichtensendungen „Punkt 12“, „RTL Aktuell“ und wiederum das „Nachtjournal“ schwerpunktmäßig über das Ergebnis und die Folgen für Amerika und die Welt.

SAT.1

Der Privatsender steigt mit einer „Akte Spezial“-Ausgabe mit Ulrich Meyer in die Wahlberichterstattung ein und berichtet ab 22.15 Uhr unter anderem über den kontrovers diskutierten Kandidaten Trump. Um 23.10 Uhr folgt die „Focus-TV-Reportage“ mit einem Bericht über Trumps Anhänger. Um 3.05 Uhr melden sich die Nachrichten mit den bis dahin vorliegenden Ergebnissen. Das „Sat.1-Frühstücksfernsehen“ geht bereits um 4.55 Uhr live auf Sendung. Im weiteren Tagesverlauf gibt es Nachrichten-Sondersendungen um 11.55 Uhr, 13.55 Uhr und 16.55 Uhr bis zur Hauptausgabe der „Sat.1 Nachrichten“ um 19.55 Uhr.

N-TV

Der Nachrichtensender stimmt schon frühzeitig auf die Wahlnacht ein und bringt um 19.05 Uhr die Reportage „Skurriles Amerika: Essen der Extreme“, danach folgen weitere Reportagen, bis ab Mitternacht ein langes „News Spezial“ zum Kampf ums Weiße Haus beginnt.

N24

Auch Konkurrent N24 startet das Programm zur Wahl frühzeitig mit einem Live-Bericht ab 18 Uhr, es folgen Reportagen, zum Beispiel um 21.05 Uhr rund um den Secret Service, die Personenschützer des Präsidenten und die Air-Force-One-Maschine, bis es um 0.10 Uhr live weitergeht.

3SAT

Der Gemeinschaftssender von ARD, ZDF, ORF und SRG übernimmt ab 23.45 Uhr das Signal des österreichischen ORF mit den Moderatoren Nadja Bernhard und Tarek Leitner. Aus Washington liefert Armin Wolf live Ergebnisse und Analysen.

Phoenix

Der Nachrichten- und Ereigniskanal läutet sein Wahlprogramm um 18.30 Uhr mit dem Bericht „Die Macht hinter dem Präsidenten“ ein, es folgen Reportagen wie „Die Ostküste der USA“ (20.15 Uhr) oder „Verrücktes Portland“ (21 Uhr), dann die Diskussion „Der Tag“ (23 Uhr), bevor um Mitternacht die Live-Berichterstattung aus den USA losgeht.

Dann erscheint die Frau im roten Kostüm, die hier alle nur „Madam President“ nennen: Hillary Clinton. Sie hält sich mit Angriffen auf Trump zurück. „Ich bedauere zutiefst, wie wütend der Wahlkampf geworden ist“, sagt sie. Clinton will präsidial wirken. „Ich werde eine Präsidentin aller Amerikaner, nicht nur derer, die mich gewählt haben.“

Aber auch Clinton kommt noch einmal auf ihren Gegner zurück: „Ihr habt die Wahl zwischen einer verlässlichen und starken Staatsführung und einem unsicheren Kantonisten, der alles aufs Spiel setzt“, warnt sie. „Wir stehen vor der größten Prüfung unserer Zeit.“

Nora, eine junge Mutter, schaukelt ihr dick eingepacktes Baby auf dem Arm. „Unsere Vielfalt ist unsere Stärke", sagt sie. „Und ich möchte dieses Amerika für meinen Sohn bewahren.“

US-Präsidentschaftswahl

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Kommentare (13)

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Herr Jürgen Mücke

08.11.2016, 08:38 Uhr

Es ist völlig wurscht wer heute gewinnt!!

Beide gehören dem Establishment an.

Beide vertreten nur Ihre Privilegien!

Es wird keine Veränderung geben!!

Herr Jürgen Mücke

08.11.2016, 08:56 Uhr

Es wird auf jeden Fall Aufstände geben.

DIe Elite entscheidet ob er blutig wird oder nicht.

Und das nicht nur in den USA...

Es ist Finanzmathematik. Wenn die Masse verelendet durch: Zinsgeldschuldensystem und die Exponenzialfunktion.

Herr Jürgen Mücke

08.11.2016, 09:00 Uhr

Da kann sich Teufel Hillary sich auch einen Praktikanten gönnen...

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