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Special

03.04.2016

15:35 Uhr

Wenn Trump Präsident wäre

Schulden senken trotz „massiver Rezession“

Wenn es um eine Schlagzeile geht, ist sich Donald Trump für nichts zu schade. Die Kritik am republikanischen Präsidentschaftskandidaten wird jedoch lauter – ebenso die Zweifel an seiner wirtschaftlichen Kompetenz.

Hat er Ahnung von der Wirtschaft? Ein Interview mit der „Washington Post“ lässt Zweifel daran aufkommen. AFP; Files; Francois Guillot

Donald Trump

Hat er Ahnung von der Wirtschaft? Ein Interview mit der „Washington Post“ lässt Zweifel daran aufkommen.

Die Häme lässt sich zwischen den Zeilen herauslesen. In einem „aufschlussreichen“ Interview, so lässt die traditionsreiche „Washington Post“ wissen, sage Donald Trump eine „massive Rezession“ vorher. Trotzdem wolle der republikanische Präsidentschaftskandidaten die Staatsschulden in acht Jahren abtragen. „Die meisten Ökonomen halten das für unmöglich“, merkt die Zeitung süffisant an – dafür müsste Trump schließlich in den nächsten Jahren die Hälfte des Staatshaushaltes in Höhe von vier Billionen Dollar für den Schuldendienst aufwenden.

Es ist nicht die einzige Kritik, die sich der Bewerber in diesen Tagen anhören muss. So hat ihm US-Präsident Barack Obama politische Naivität vorgeworfen. Der Milliardär habe nicht viel Ahnung von Nuklearpolitik „oder der Welt im Allgemeinen“, sagte Obama zur Forderung Trumps, Japan und Südkorea sollten sich selbst mehr um ihre Verteidigung kümmern und sich atomar bewaffnen. „Unser Bündnis mit Japan und Südkorea ist einer der Grundpfeiler unserer Präsenz in der Region“, sagte Obama über die Strategie der USA nach dem Zweiten Weltkrieg. „Wir möchten niemanden im Oval Office, der nicht anerkennt, wie wichtig das ist.“ Die Welt schaue aufmerksam auf die US-Präsidentschaftswahl, warnte Obama.

Der „Washington Post“ gab Trump ein anderthalbstündiges Interview. Darin gab sich der Politiker düster: Die US-Wirtschaft stehe vor einer schwereren Rezession. Ein überbewerteter Aktienmarkt und ein viel schlechtere Situation am Arbeitsmarkt als offiziell ausgewiesen seien die Vorboten dafür, sagte der 69-jährige Milliardär. Es gebe eine wirtschaftliche Blase, die zu platzen drohe. Der Aktienmarkt ist in den vergangenen Jahren vor allem wegen des billigen Geldes der Notenbanken gestiegen. Die Erwerbslosenquote liegt in den USA bei rund fünf Prozent. In Wahrheit sei der Wert aber unrealistisch und eigentlich um ein Vielfaches höher, so Trump.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Diese pessimistische Sicht hält Trump aber nicht von markigen wirtschaftspolitischen Ankündigungen ab. Er sei in der Lage, die US-Schulden in Höhe von 19 Billionen Dollar binnen acht Jahren abzubauen. Um dieses Ziel zu erreichen, wolle er Handelsabkommen mit Staaten wie China neu verhandeln. Das ermögliche der Wirtschaft zusätzliches Wachstum, um die Schulden zurückzuzahlen. Viele Ökonomen, erklärt die Zeitung indes, sähen die Gefahr eines Handelskrieges, der dem Land schade. Die Kritik trifft Trump an einer empfindlichen Stelle: Der Favorit der Republikaner versucht vor allem mit seiner wirtschaftlichen Kompetenz als Unternehmer zu punkten.

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