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12.06.2013

15:11 Uhr

Wahlkampf wird gemein

„Kampagne heißt auch Schlammschlacht"

VonSara Zinnecker

In der Liebe und vor Wahlen ist alles erlaubt: Die SPD will die Gegner schmähen, die FDP zeigt die Grünen als Räuber - nur Merkel döst gelangweilt. Ein Einblick in die dunkle Seite des Bundestagswahlkampfs.

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück am Rednerpult. Die SPD will sich mit Attacken gegen die Regierung nicht zurückhalten. dapd

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück am Rednerpult. Die SPD will sich mit Attacken gegen die Regierung nicht zurückhalten.

BerlinEines muss man der FDP lassen: Ihr neues Wahlplakat ist ein Hingucker. Groß prangen da „die Räuber“ dem Betrachter entgegen, personifiziert durch Claudia „Beitragsbemessungsgrenze rauf“ Roth, Karin „Altersvorsorge besteuern“ Göring-Eckardt und Jürgen „Gib mir die Hälfte“ Trittin.

In diesem Jahr – das machen die Werbeagenturen der großen Parteien an diesem Mittwoch auf dem Podium der Heinrich-Böll-Stiftung klar – wird mit harten Bandagen gekämpft. Stärker als bisher werden die Parteien ihre politischen Gegner angehen, der Ton wird rauer. Von negative campaigning ist die Rede, also davon, den politischen Gegner auf alle möglichen Arten anzugreifen - in der Hoffnung, ihm zu schaden.

Für die SPD zieht Frank Wilhelmy die Gegner in den Matsch. Der Geschäftsführer der Politikberatung Wiese ist bei der SPD Referent für Grundsatzfragen und zuständig für die Gegnerbeobachtung. „Die Sozialdemokraten sollten ihr attacking kampagnenartig, argumentativ, und ein bisschen schmähend machen“, sagt er und bleibt damit absichtlich im für Wahlkämpfer typischen hippen, englischen Sprachduktus. Die Botschaft: Die SPD hat begriffen, wie es geht.

Anders dagegen die FDP: Die ziele oft nur auf den „Empörungsquickie“, ein punktueller, auch mal persönlicher Angriff auf den politischen Gegner. „Das bringt dann mal Schlagzeilen für drei Tage, nützt aber nur in den letzten Tagen vor der Wahl“, sagt Wilhelmy und macht damit klar: Im Wahlkampf liegt überall Schlamm. Auch hier, auf dem Podium der Heinrich-Böll-Stiftung. Statt Botschaften oder Personen werden heute halt die Kampagnen der Gegner diskreditiert - oder wie gebasht, wie die Kampagnenköpfe sagen würden.

Die SPD zumindest wolle das Wort campaigning in einem deftigeren Sinne interpretieren, nämlich weniger als Kampagne und mehr als Schlacht, sagt Wilhelmy. Insgesamt seien „15 Kampagnenthemen drin“, verrät SPD-Werber Karsten Göbel schon mal vorab. Man wolle polarisieren, die Unterschiede zur Union herausarbeiten. Die Zeit der netten Slogans à la „Flächendeckender Mindestlohn statt Lohnuntergrenze“, „faire Löhne statt Dumpinglöhne“ oder „Gesundheitsvorsorge statt Zwei-Klassen-Medizin“ könnten also bald vorbei sein.

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