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21.09.2016

20:45 Uhr

Anschlag in New York

Leben mit dem Terror

VonThomas Jahn

New Yorker sind hart im Nehmen. Auch der jüngste Anschlag im schicken Szene-Stadtteil Chelsea ändert wenig an ihrer Unerschrockenheit. Unser Korrespondent wurde allerdings auf eine echte Belastungsprobe gestellt.

Das FBI untersucht den Tatort. Im New Yorker Stadtviertel war am Samstag eine Bombe explodiert.

Anschlagsort in New York

Das FBI untersucht den Tatort. Im New Yorker Stadtviertel war am Samstag eine Bombe explodiert.

New YorkDie 23. Straße war leer. Die Polizei sperrte am vergangenen Wochenende zehn Blocks ab, um die Bombenexplosion in Chelsea zu untersuchen. Erinnerungen an den 11. September kamen auf. Auch damals konnte ich mitten auf der Straße laufen, keine Autos weit und breit.

Mit einem Pförtner vom naheliegenden Hotel Chelsea tauschte ich Erinnerungen an den Anschlag vor 15 Jahren aus. An den ersten Unglauben, als wir den Rauch aus den World Trade Center gesehen haben, noch wochenlang den ätzenden Geruch in der Luft riechen mussten. Er stand an dem Tag damals auf dem Dach eines Hochhauses in der 35. Straße, ich auf dem in der John Street, keine zehn Blocks vom World Trade Center entfernt.

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Jetzt hat es wieder einen Anschlag in New York gegeben. In den vergangenen Jahren hatte die Polizei einige Versuche vereitelt. Doch Ahmad Khan Rahami ist es gelungen, einen Müllcontainer in eine riesige Bombe zu verwandeln. Zum Glück gab es nur 29 Verletzte.

Die Reaktion der New Yorker war die gleiche wie damals. Es brach keine Panik aus, die Leute sind nicht so schnell aus der Fassung zu bringen. Die Gespräche drehten sich bald wieder um andere Dinge, zu tun gibt es genug.

Das dachte sich auch mein Einbrecher. Als ich in der Nähe der Explosion recherchierte und im Büro die Geschichte aufschrieb, brach er in meine Wohnung ein. Ein Stemmeisen und heftige Fußtritte – die machte die Polizei bei der Spurensicherung mit einen weißem Pulver sichtbar – brachen die Tür auf. Mein recht neues Bolzenschloss hing nur noch an seinen Schrauben, das Türgriffschloss war verbogen. Zwei Laptops und ein iPad sind weg.

Der Vorfall bringt eine Seite von New York zum Vorschein, die ich nur zu gut kenne. Es ist eine aufregende, interessante, spannende Stadt. Aber sie hat eine Art, einem so heftig vor das Knie zu treten, dass es weh tut. Oder in den Allerwertesten, je nachdem, wie man gerade steht.

New Yorker sind Widrigkeiten gewöhnt, sie müssen sich ewig durchbeißen, mit Rückschlägen kämpfen. Das prägt, fördert einen Individualismus, der oft an Egoismus grenzt. Doch bei Problemen von außen halten sie zusammen, entdecken die Gemeinschaft. Für die Stadt ist das ein völlig neues und ungewohntes Gefühl.

Nicht nur bei Anschlägen. Der Stromausfall 2003, Hurrikan Sandy 2012, die Reaktion der New Yorker zeigte sich immer wieder: Sie helfen sich, reißen Witze und machen das Beste aus der Notlage. Ein paar Tage fühlte sich die Stadt daher ganz anders an, wie ein kleines Paradies – trotz fehlender Heizung, mangelnder iBeleuchtung oder Terrorangst.

Aber eins ist sicher: Der Alltag kehrt zurück, und der ist kein Zuckerschlecken.

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