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22.10.2016

08:29 Uhr

Britischer TV-Hit GBBO endet

Der schmerzhafte Back-Brexit

VonKerstin Leitel

Den Briten steht nicht nur ein schmerzhafter Abschied aus der EU bevor. Am kommenden Mittwoch endet mit dem Finale des Quotenrenners „The Great British Bake Off“ auch eine Ära. Schuld ist die Gier der Produzenten.

Frauenschwarm Paul Hollywood und die stets elegant gekleidete Mary Berry. Picture Alliance

Moderatoren-Team

Frauenschwarm Paul Hollywood und die stets elegant gekleidete Mary Berry.

LondonJeden Mittwochabend, pünktlich um 20 Uhr, richten sich die Augen von Millionen Briten auf ein weißes Zelt, irgendwo auf einer saftig grünen Wiese, in der mit Hilfe von Backblech und Küchenmaschine um den in Großbritannien hochangesehenen Titel „Baker of the Year“ gekämpft wird.

In der Sendung „The Great British Bake Off“ (GBBO) backen jede Woche zwölf Amateur-Konditore Kuchen, Törtchen und Brote um die Wette und rätseln über die an sie gestellten Aufgaben („what the heck is a dampfnoodle?“). Nach der Sendung ist jeweils für einen der Teilnehmer Schluss. Wer rausfliegt, entscheidet ein Juroren-Duo, dessen Sprüche nicht selten im Anschluss in den allgemeinen Wortschatz der Briten übergehen.

Der oder die Siegerin kann auf eine eigene TV-Show, einen Buchvertrag oder andere lukrative Deals hoffen – und die anderen, die waren zumindest ein paar Stunden lang eine nationale Berühmtheit.

Großbritanniens Optionen nach dem Brexit

Zollunion

Großbritannien könnte es machen wie die Türkei und der Zollunion beitreten. Dadurch würden die Zölle wegfallen und die Handelsabkommen mit der EU behielten bestand. Andererseits wäre London aber dabei eingeschränkt, eine eigene Handelspolitik zu betreiben, da man sich an den gemeinsamen Zolltarif halten müsste. Ob dies den Briten gefallen würde, bleibt fraglich. Immerhin folgt die Brexit-Entscheidung dem Ruf nach völliger nationaler Souveränität.

Europäischer Wirtschaftsraum (EWR)

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) umfasst derzeit 31 Länder. Die teilnehmenden Staaten haben gemeinsame Aufsichtsbehörden, Gerichte und Regeln. Zudem gelten die vier Binnenmarktfreiheiten beim Waren-, Personen-, Dienstleistungen- und Kapitalverkehr. Allerdings will die britische Regierung weder der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes unterliegen noch die Kontrolle über die Immigration abgeben.

Der „Schweizer Weg“

Am liebsten wäre der englischen Regierung wohl ein Modell wie der „Schweizer Weg“. So könnten für die einzelnen Wirtschaftsbereiche maßgeschneiderte Abkommen ausgehandelt werden. Die EU hat allerdings schon durchblicken lassen, eine derartige Lösung abzulehnen.

Freihandelsabkommen

Die wahrscheinlichste Option ist für die Briten wohl ein gesondert ausgehandeltes Freihandelsabkommen, wie es zwischen der Europäischen Union und Kanada (Ceta) vereinbart wurde. Damit würden die Briten ihre durch den Brexit forcierte Unabhängigkeit behalten und könnten spezielle, aber umfassende Handelsbedingungen im Gespräch mit der EU festlegen.

GBBO ist eine wahrhaft britische Institution: Die Einschaltquoten sind mit mehr als zehn Millionen Zuschauern höher als bei wichtigen Fußballspielen, das letzte Finale verfolgte die Zeitung „The Guardian“ online mit einem Liveticker und Supermarktketten stellen extra Mitarbeiter ab, damit die Regale rechtzeitig mit den aktuellen Trendzutaten aufgestockt werden.

Schon Tage vor der nächsten Sendung wird diskutiert, welche Herausforderungen die Bäcker zu bewältigen haben und wer der aktuelle Favorit für den Backthron ist. Selbst Premierministerin Theresa May und der Notenbankchef Mark Carney zählen zu den bekennenden Fans.

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