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07.09.2016

17:19 Uhr

Bürgermeisterin will Straßen umbenennen

Madrid streitet über Franco

VonSandra Louven

Die neue Bürgermeisterin Madrids will Straßennamen aus Zeiten der Franco-Diktatur umbenennen. Die Debatte, die sie damit auslöst, zeigt das gespaltene Verhältnis der Spanier zu ihrer jüngeren Geschichte.

Madrids Bürgermeisterin Manuela Carmena hat mit ihrem Vorstoß alte Wunden aufgerissen. Denn auch 40 Jahre nach dem Tod des Diktators haben die Spanier ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer Vergangenheit. Reuters

Manuela Carmena

Madrids Bürgermeisterin Manuela Carmena hat mit ihrem Vorstoß alte Wunden aufgerissen. Denn auch 40 Jahre nach dem Tod des Diktators haben die Spanier ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer Vergangenheit.

MadridIn der spanischen Hauptstadt Madrid erregt in diesen Tagen nicht nur die wieder gescheiterte Regierungsbildung die Gemüter. Die Hauptstadt diskutiert auch die Folgen einer längst vergangenen politischen Epoche: Madrids linke Bürgermeisterin Manuela Carmena will Straßen, die Namen aus der Ära der Franco-Diktatur haben, umbenennen. Die Auswahl der Straßen und die Aktion per se führen zu hitzigen Debatten.

Die neue Bürgermeisterin, die ein Bündnis unter Beteiligung der linkspopulistischen Partei Podemos vertritt, hat mit ihrem Vorstoß Wunden aufgerissen, die in Spanien auch 40 Jahre nach dem Tod des Diktators noch nicht verheilt sind. Die Spanier haben ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer jüngeren Vergangenheit, das Land hat sie nie richtig aufgearbeitet. „Franco hat 40 Jahre lang regiert, viele ältere Spanier sehen ihn nicht nur als Diktator, sondern als Teil ihres Lebens“, erklärt José Faraldo, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Complutense in Madrid. „Und einige denken, dass es richtig war, was Franco getan hat.“

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Spaniens Politiker debattieren und zanken, klatschen und buhen – aber alle Worte nutzen nichts. Es will einfach keine Regierung zustande kommen. Jetzt müssten Opfer her, heißt es in Madrid.

Der Diktator hat Schätzungen zufolge über 100.000 tatsächliche oder vermeintliche Regime-Gegner töten lassen. Als Francisco Franco 1975 starb, wollte Spanien das Land nicht in Sieger und Besiegte teilen. In der so genannten „transición“, der Übergangszeit zur Demokratie, einigte man sich darauf, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Zu frisch waren die Erinnerungen an den Bürgerkrieg, den der Putsch Francos 1936 gegen die junge spanische Republik ausgelöst hatte – und bei dem Nachbar gegen Nachbar und Bruder gegen Bruder gekämpft hatten.

Zwar arbeiteten Historiker die Epoche auf, aber in Schulen fand die Zeit jahrelang kaum Eingang in den Lehrplan. Auch an öffentlichen Plätzen wie der Basilika, die sich Franco noch zu Lebzeiten im Tal der Gefallenen in den Bergen bei Madrid errichten ließ, fehlt jeder Hinweis darauf, dass das riesige Mausoleum von Zwangsarbeitern und politischen Gefangenen erbaut worden ist.

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