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28.10.2016

14:57 Uhr

Cannabis-Legalisierung

Die etwas andere Cloud im Silicon Valley

VonAxel Postinett

In neun US-Bundesstaaten wird am 8. November über die Legalisierung von Cannabis abgestimmt. Einer davon ist Kalifornien, wo ehemalige Apple-Designer an der wirtschaftlichen Zukunft des Staates arbeiten – mit Cannabis.

Cannabis ist der wissenschaftliche Name der Hanf-Pflanze. Die Fasern werden meist industriell weiterverarbeitet, aus den Blüten der Pflanze können Rauschmittel hergestellt werden. dpa

Cannabis

Cannabis ist der wissenschaftliche Name der Hanf-Pflanze. Die Fasern werden meist industriell weiterverarbeitet, aus den Blüten der Pflanze können Rauschmittel hergestellt werden.

San FranciscoMeine Nachbarn sind alle krank. Denn anders ist der unverkennbare süßlich-schwere Geruch nicht zu erklären, der an den Wochenenden durch mein Apartmenthaus im Zentrum von San Francisco wabert. Der Geruch von Hasch-Wolken, der etwas anderen Cloud im High-Tech-Valley. Cannabis darf man in Kalifornien heute nur aus medizinischen Gründen legal rauchen. Dazu braucht man eine Ausnahmegenehmigung vom Arzt.

Wie man die bekommt, weiß mein Kumpel, der am Abend tiefenentspannt vor unserer Stammkneipe einen langen Anti-Schmerz-Zug aus seinem Joint genießt. Er verrät mir auch, welche Schmerzen man beim Arzttermin besser haben sollte, damit man für die vielen Dollar der Visite auch ein Ergebnis bekommt. Solche Tipps werde ich aber vielleicht bald nicht mehr brauchen.

Der Stargast des „New West Summit“ in Kalifornien war guter Laune. Eigentlich könne er jetzt einen Zug oder zwei vertragen, scherzte der braungebrannter Milliardär und Serienunternehmer Richard Branson. „Die Zukunft von Cannabis ist jetzt“, beschwor der Gründer und Chef der Virgin-Unternehmensgruppe.

Gesetzentwurf: Cannabis auf Kassenkosten

Gesetzentwurf

Cannabis auf Kassenkosten

Schwerkranke sollen sich Cannabis künftig in der Apotheke besorgen können. Das sieht ein Gesetzesentwurf vor, den das Bundeskabinett heute verabschiedet hat. Geplant ist auch Cannabis-Anbau unter staatlicher Kontrolle.

Die rund 1000 Cannabis-Aktivisten und Unternehmer im großen Saal im Hyatt Regency Mitte Oktober hören die Botschaft gerne, live übertragen von Bransons Karibikinsel Necker Island. Solche Gallionsfiguren wie Branson, der seit Jahren unermüdlich für die Legalisierung der Droge kämpft, braucht die Branche. Die Stimmung ist euphorisch an diesen zwei Tagen des „New West Summit“. Am 8. November wird nicht nur ein Präsident in den USA gewählt, sondern neun Bundesstaaten, darunter das reiche Kalifornien, stimmen auch über die vollständige Legalisierung von Cannabis ab. Vier Bundesstaaten, Alaska, Colorado, Oregon und Washington, erlauben die Droge bereits als Genussmittel. Die Legalisierung in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten Staat der USA, wäre der Durchbruch.

An den über 30 Infoständen im Hotel herrscht an beiden Tagen reges Gedränge. Da gibt es die Cannabis-Heimplantage aus der Box, Mini-Labore für den Schnelltest der Aussaat, die Kunstlicht-Innen-Plantage für den Kellereinsatz oder Luxus-Mundstücke aus Edelholz für die „Tüte“, so wie früher Zigarettenspitzen. „Da hat dann jeder seine eigene, wenn man den Joint kreisen lässt, erklärt der freundliche Mitarbeiter am Stand, „das kann sonst schon mal etwas unangenehm werden, wenn jeder da an der Papiertüte gesabbelt hat“, schmunzelt er mit einem Augenzwinkern.

Die „Oaksterdam University“, das nach eigenen Angaben „erste Cannabis College“ der USA, bietet im benachbarten Oakland Kurse für Studenten an, von der Aufzucht der Pflanzen bis zu Vertrieb und Marketing und was man machen muss, wenn doch mal die Polizei klingeln sollte. „Wir kennen die Gesetze nicht nur, wir schreiben sie“, so die kecke Eigenwerbung. Jeder will hier vorbereitet sein, wenn man 2017 hoffentlich aus der Schmuddelecke herausdarf.

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