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05.09.2016

12:37 Uhr

Erinnerung an das große Feuer

London brennt

VonKatharina Slodczyk

Vergängliche Kunst und eine Kettenreaktion: Die britische Hauptstadt veranstaltet ein Feuerspektakel auf der Themse und lässt tausende Dominosteine umfallen. Vor 350 Jahren suchte eine riesige Katastrophe die Stadt heim.

Mit einem brennenden, 120 Meter großen Modell von London wurde an die Katastrophe von 1666 erinnert. AP

Das große Feuer

Mit einem brennenden, 120 Meter großen Modell von London wurde an die Katastrophe von 1666 erinnert.

LondonEs ist kurz nach Mitternacht, als das Unheil seinen Lauf nimmt. In der Hofbäckerei von König Charles II. in London fällt Glut aus dem Ofen. Sie setzt einen Holzstapel in Brand. Wind facht das Feuer offenbar immer weiter an, es breitet sich aus – auf die benachbarten Holzhäuser, die mit Stroh gedeckt sind. Es erfasst immer mehr Straßenzüge und zerstört die hölzernen Wasserleitungen. In weiten Teilen der Stadt müssen die Menschen mit Wasser, das sie mit Eimern aus Brunnen schöpfen, gegen das Feuer ankämpfen. Gegen die Wucht der Flammen können sie so aber kaum etwas ausrichten.

Vier Tage später ist London eine qualmende Ruine. Und Bürgermeister Thomas Bloodworth, der zuvor noch sagte, ein solches Feuer könne sogar eine „Frau mit ihrer Pisse löschen“, musste seine komplette Fehleinschätzung der Lage eingestehen. Genau 350 Jahre ist es her, dass das große Feuer in der britischen Hauptstadt wütete und große Teile davon zerstörte.

Jetzt hat London erneut gebrannt – eine 120 Meter langes Holzmodell der Stadt, angefertigt von dem US-Künstler David Best, wurde auf der Themse in Brand gesetzt. Das ungewöhnliche Feuerspektakel war Teil einer groß angelegten Veranstaltungsreihe, um an die Katastrophe von September 1666 zu erinnern.

Das Modell wurde auf der Themse gezeigt. AFP; Files; Francois Guillot

Konstruktion auf einem Schiff

Das Modell wurde auf der Themse gezeigt.

Dazu gehörten auch Konzerte, Ausstellungen, Vorträge sowie andere Aktionen – etwa 23.000 Dominosteine aus Leichtbeton, die in kilometerlangen Reihen in der Londoner City aufgestellt wurden und in einer Kettenreaktion umfielen. Dies sollte an die rasende Ausbreitung des Feuers vor 350 Jahren erinnern.

Die Veranstalter fürchteten, Regenwetter könnte ihnen am Wochenende einen Strich durch die Rechnung machen und möglicherweise einen Teil der Aktionen vermasseln – vor allem das große Feuer auf der Themse. Doch das Holzmodell von London brannte lichterloh. „Ich bin so erleichtert, dass es tatsächlich geklappt hat, weil man so etwas bei einem Live-Event ja nie weiß”, sagte Helen Marriage von der Veranstaltungsagentur Artichoke, im Interview mit der BBC.

Nach dem Brand, der mehr als 13.000 Häuser und 87 Kirchen zerstörte, fast 80.000 Menschen obdachlos machte und sechs Londoner tötete, begann der Wiederaufbau der Stadt. Historische Gebäude wie die St. Pauls Kathedrale entstanden.

Ein Festival in Gedenken an das große Feuer ist wahrscheinlich nur folgerichtig in einem Land mit Feiertagen wie dem Guy-Fawkes-Day. Die Briten erinnern dann mit Feuerwerken an den 5. November 1605, als Guy Fawkes, ein katholischer Revoluzzer, gemeinsam mit einer Gruppe von Verschwörern versuchte, das Parlament in die Luft zu sprengen und dabei den König und Parlamentarier zu töten.

36 Fässer Schießpulver hatten die Verschwörer in einem Kellerraum unter dem Parlamentsgebäude versteckt. Doch der Plan ging nicht auf. Fawkes wurde gefoltert und hingerichtet.

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