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05.06.2017

15:13 Uhr

Fitnesstrainer in Südafrika

Am Puls der Manager

VonWolfgang Drechsler

Fitnesstrainer Lloyd Naicker kennt alle Wehklagen: Seine Kunden beschweren sich aber kaum über die Belastung. Er hört von Problemen im Büro, schwachen Produktionen und Einmischungen von Staat. Eine Weltgeschichte.

dpa

Sicht auf Kapstadt vom Tafelberg

KapstadtViel Zeit hat Lloyd Naicker nicht, um sich über das Weltgeschehen oder die immer trübere Lage in seiner südafrikanischen Heimat zu informieren. Bis zu zwölf Kunden am Tag halten den Personal Trainer in einem Fitnessklub in Kapstadt von morgens um 5 bis abends gegen 21 Uhr auf Trab. Die oft einzige Informationsquelle sind für ihn die nahe der Laufbänder installierten Flachbildschirme, auf denen neben Musikvideos auch die aktuellen Nachrichten von CNN laufen. „Donald Trump macht mir schon Sorgen. Aber auch die Lage in Europa ist wenig beruhigend“, sagt Naicker. Dennoch seit längerem versucht, aus Südafrika zu emigrieren.

Als Seismograf für die bedenkliche Entwicklung in seiner Heimat dienen dem 36-Jährigen dabei vor allem die vielen Geschäftsleute, die er im Stundentakt trainiert. Viele klagten über Probleme am Arbeitsplatz, wie die geringe Produktivität oder die starke Einmischung des Staates in jeden Aspekt der Wirtschaft. Wie überhaupt viele Südafrikaner mit ihrer wirtschaftlichen Lage ausgesprochen unzufrieden sind.

Naicker selbst ist vor allem über das stark rückläufige Wirtschaftswachstum besorgt, das statt der zum Armutsabbau notwendigen sieben Prozent im vergangenen Jahr nur um kümmerliche 0,3 Prozent gestiegen ist. Schließlich seien private Trainerstunden ein Luxus, den sich nicht viele leisten können.

Doch Bewegung haben viele nötig. Denn die Afrikaner werden im Schnitt immer dicker: Allein die Zahl fettleibiger Kinder hat sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 1990 fast verdoppelt. Zudem betrachten viele Afrikaner eine gewisse Korpulenz als ein ausgewiesenes Erfolgsindiz – und finden dick sein eigentlich ganz sexy.

Allzu viel Geld wollen deshalb auch nur die wenigsten in ihre körperliche Fitness stecken. Erschwerend kommt für Naicker die schwindsüchtige heimische Währung Rand hinzu. Nach einem eher enttäuschenden Aufenthalt in London vor zehn Jahren, versuchte er vor drei 2014 erfolglos, eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland zu ergattern. „Heute wäre das vermutlich entschieden einfacher“ witzelt er mit Blick auf die Flüchtlingsströme und die deutlich gewordene Überforderung der Meldebehörden.

Erst vor neun Monaten hatte der Sohn eines Pastors einen Versuch unternommen, zum Geldverdienen in den Mittleren Osten nach Dubai zu ziehen – für ihn eine friedliche, moderne Enklave inmitten des Aufruhrs in der Region. Attraktiv fand er dabei neben der guten Infrastruktur vor allem, in nur vier oder fünf Stunden fast alle größeren Destinationen in Asien und Europa erreichen zu können. Das einzige Problem war am Ende, dass das Sportzentrum, in dem er in Dubai arbeiten sollte, bei seiner Ankunft noch mitten im Bau war und sich all seine finanziellen Hoffnungen deshalb schnell in Luft auflösten.

Inzwischen ist Naicker zurück in Südafrika und versucht nun den Neustart, zumal er hier zur gehobenen Mittelklasse zählt. Noch stellen Weiße die deutlich größte Gruppe seiner Kunden. Nur zwei von zehn seien Schwarze. Allerdings haben Fitnessstudios bei schwarzen Südafrikanern zuletzt stark an Beliebtheit gewonnen. Eine Mitgliedschaft ist ein ebenso großes Zeichen des persönlichen Erfolgs wie ein Auto oder Smartphone.

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