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30.08.2016

13:43 Uhr

Imbissbuden, Paketboten und Smartphones

Was China Deutschland voraus hat

VonStephan Scheuer

China ist ein Entwicklungsland? Von wegen! Internetfirmen haben das Smartphone zum Alleskönner aufgewertet. Mobiles Bezahlen ist Alltag. Die Volksrepublik ist Deutschland hier weit voraus.

Restaurants, Kioske, Kinos: Mobile Payment ist in China deutlich weiter verbreitet als in Deutschland. dpa

Apple Pay in China

Restaurants, Kioske, Kinos: Mobile Payment ist in China deutlich weiter verbreitet als in Deutschland.

PekingDie Imbissbude neben meiner Wohnung bietet jetzt bargeldloses Bezahlen an. Die beiden Kioske rechts und links daneben haben das Zahlen per Smartphone schon vorher aufgerüstet. Ein kleines Plastikschild reicht aus. Ich muss den OR-Code darauf nur einscannen und schon kann ich mobil meine Einkäufe bezahlen. Einige meiner chinesischen Freunde kommen schon seit Monaten fast ohne Bargeld aus. Was in Deutschland als Zukunftsvision beschrieben wird, ist in Chinas Großstädten Realität.

Smartphones sind in China zu den ultimativen Alleskönnern aufgestiegen. Als ich im Frühjahr 2013 als Korrespondent nach Peking kam, experimentierten Chinas Online-Konzerne mit den neuen Möglichkeiten. Die beiden größten Konzerne Alibaba und Tencent erklärten das Kinogeschäft zum Testfeld. Mit bis zu 90 Prozent Rabatt boten die Firmen Tickets an. Im Gegenzug mussten Nutzer ihre Bankdaten bei den Bezahlsystemen der Anbieter hinterlegen.

Doch Kinotickets waren nur die Einstiegsdroge in die neue Onlinewelt. Als nächsten folgten mobile Rufdienste für Taxis. Über Monate waren die Rabatte so hoch, dass kurze Fahrten in Peking quasi kostenlos waren. Alibaba und Tencent zahlen die Rechnung. Wer genug Nutzer für seine Plattform gewinnen kann, dem gehört die Zukunft. Das ist zumindest die Rechnung der Online-Riesen. Doch die scheint aufzugehen. Rabatte gibt es immer weniger. Trotzdem ist das mobile bezahlen beliebt wie nie in China.

Heute erstreckt sich die Onlinewelt über nahezu alle Bereiche. Ich kann meine Strom- und Wasserrechnung ebenso wie die Behandlung im Krankenhaus mit meinem Smartphone bezahlen. Empfiehlt mir eine Bekannte ein neues Buch, kann ich es mobil bestellen und bekomme es innerhalb von Stunden an die Haustür geliefert. Ist niemand zuhause, ruft der Zusteller auf meinem Handy an und bringt das Paket gegen Aufpreis dann auch im Büro vorbei.

Für meinen Wohnblock ist der Postbote Herr Li zuständig. Herr Li hat studiert, aber er wollte lieber als Bote arbeiten. Das bringt mehr Geld, hat er durchgerechnet. Denn in Peking wird viel online bestellt. Und die Wohnungen der Kunden liegen nah beieinander. Li bekommt zwar ein Grundgehalt. Das Wichtigste sind jedoch die Zulagen. Je mehr Pakete er ausliefert, desto mehr Zuschlag bekommt er obendrauf. Bei den vielen Hochhäusern in seinem Gebiet, kommt schnell einiges zusammen.

Die digitale Finanzwelt ruft jetzt auch die Finanzämter auf den Plan. Bei einer Konferenz in Peking machten Behördenvertreter keinen Hehl daraus, dass sie Großes vorhaben. Großes heißt für sie neue Steuereinnahmen. Denn von den Imbissbuden, Kiosken und vielen anderen Geschäften werden bislang kaum Steuern abgeführt. Pflichten zur Buchführung werden einfach ignoriert.

Kein Finanzamt kann erfassen, wie viele Snacks wirklich über die Ladentheken gehen. Bis jetzt. Denn beim digitalen Bezahlen lässt sich jeder Schritt nachverfolgen. Eine Finanzbeamtin sagte mir die Zahl von fünf Jahren. Dann könnten die Behörden zumindest in den Großstädten auch die kleinsten Geschäfte erfassen. Ein Traum für die Finanzämter, und ein Alptraum für die kleinen Geschäfteinhaber.

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