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13.04.2017

14:49 Uhr

Imperium in China

Eine Toilette namens „Trump“

VonStephan Scheuer

Der Name Trump ziert in China Toiletten, Schönheitssalons und Kondome. Über 15 Jahre versuchte Donald Trump dagegen vorzugehen. Jetzt hat er Erfolg. Der Grundstein für ein Trump-Imperium in China? Eine Weltgeschichte.

US-Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Florida. Der plötzliche Erfolg von Trump vor Gericht in China wirft neue Fragen auf. dpa

Xi Jinping und Donald Trump

US-Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Florida. Der plötzliche Erfolg von Trump vor Gericht in China wirft neue Fragen auf.

PekingTrump ist eine Marke in China. In der größten Online-Nation der Welt hat der neue US-Präsident eine große Fangemeinde im Internet aufgebaut. Während chinesische Politiker fast ausschließlich mit vorgefertigten politischen Phrasen in den Medien auftauchen, steht Trump für einen Mächtigen, der sagt, was er denkt. Unter einigen der mehr als 700 Millionen Internetnutzern in China kommt das sehr gut an – auch wenn Trump ihr Land immer wieder kritisiert. „Chuan Pu“ nennen sie ihn.

Doch „Chuan Pu“ steht nicht nur für den US-Präsidenten. Viele chinesische Firmen verkaufen Produkte unter dem Namen oder einer ähnlich klingen Marke. Da ist zum Beispiel die Firma Chuang Pu, die unter dem Namen „Trump“ Artikel für Luxushotels verkauft. Dazu gehören auch Toiletten der Marke Trump.

Doch Trump ist mehr als eine Toilettenmarke. Chinesische Firmen nutzen den Namen für mehr als 200 Produkte, von Krawatten über Schönheitssalons bis hin zu Kondomen. Der ungenierte Umgang mit seinem Namen war schon lange ein Ärgernis für Donald Trump. Schließlich misst der Immobilien-Mogul den Wert seiner Firmen an der Bedeutung seines Namens. 2011 schrieb Trump an den damaligen US-Handelsminister Gary Locke, er gebe hunderttausende Dollar aus, um seinen Namen zu schützen.

Immer wieder versuchte er, chinesischen Firmen vor Gerichten in China das Nutzen des Namens zu untersagen. Zunächst jedoch mit wenig Erfolg. Doch das ändert sich. Plötzlich erringen Trumps Anwälte Erfolge vor Gericht in China. Den wichtigsten Sieg haben Trumps Unterhändler im März verbucht. Da bekam Trump vorläufig die Markenrechte für 38 Produkte zugesprochen. Gibt es keinen Widerspruch, werden sie innerhalb von 90 Tagen Trump und seiner Familie fest zugesprochen.

Es könnten noch mehr folgen. Zhang Mao, Minister der Staatlichen Verwaltungsbehörde für Industrie und Handel (SAIC) sagte: „Trump hat Anträge für 120 Markenrechte eingereicht.“ 44 seien derzeit noch in Bearbeitung, kündigte er an, kurz nachdem seine Behörde bekanntgegeben hatte, Trump bereits die 38 Markenrechte zuzuschreiben. Bald könnte sich das Trump-Imperium in China also auf noch mehr Produkte ausweiten.

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Sie sind bunt und sie sind überall: Chinas Großstädte werden von Leihfahrrädern überflutet. Dahinter stehen Start-ups, die von Investoren mit Geld überschüttet werden. Doch die Zweifel am Geschäftsmodell wachsen.

Das könnte den Grundstein für eine Fülle neuer Trump-Produkte in China legen. Denn zu den registrierten Produkten gehört alles von Hotels, Versicherungen, Bodyguard-Diensten bis hin zu einem Escort-Service.

Doch der plötzliche Erfolg von Trump vor Gericht wirft neue Fragen auf. „Das ist sehr merkwürdig“, sagte Dan Plane von dem auf Urheberrecht spezialisierten Beratungsunternehmen Simone IP Services dem Guardian. Es sei außergewöhnlich, dass die neuen Anträge so reibungslos gewährt wurden. Es würde ihn sehr wundern, wenn die Führung der Kommunistischen Partei Chinas in diesem Fall nicht die Finger im Spiel hatte.

Aber die Sorgen um die neuen Geschäftschancen für Donald Trump in China gehen weiter. „Jeder Amerikaner sollte tief besorgt sein, dass Präsident Trump seine Verbindungen mit China derart erweitert“, warnte Anwalt Norman Eisen, der US-Präsident Barack Obama in ethischen Fragen beraten hatte.

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