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02.06.2017

19:16 Uhr

Italien im Dilemma

Wegen Überfüllung geschlossen

VonRegina Krieger

Italien steckt in einem Dilemma: Touristen sind erwünscht und bringen Devisen, zu viele aber ruinieren das historische Erbe des Landes. Viele Bürgermeister denken deshalb über einen Numerus Clausus für Besucher nach.

Der Tourismus ist ein entscheidender Faktor der italienischen Wirtschaft. Allein in Venedig sind es 30 Millionen Besucher pro Jahr. dpa

Gondoliere in Venedig

Der Tourismus ist ein entscheidender Faktor der italienischen Wirtschaft. Allein in Venedig sind es 30 Millionen Besucher pro Jahr.

RomDie „Via dell’Amore“ ist das Highlight der Cinqueterre in Ligurien. Malerisch zieht sich der „Weg der Liebe“ zwischen den Dörfern Riomaggiore und Manarola hoch über dem Meer entlang. Es heißt, dass sich früher dort die Verliebten der beiden Dörfer getroffen haben, denn eine Straße zwischen allen fünf Orten gibt es bis heute nicht, nur den Pfad. Selbst wer kein erfahrener Alpinist ist, kann die „Via dell’Amore“ bequem gut gehen, da sie nur einen Kilometer lang und mit Geländern gut ausgebaut ist. Zurück geht es dann mit dem Zug oder dem Schiff. Der Wanderweg, der alle fünf Dörfer der Cinqueterre verbindet, ist um einiges länger und mit seinem steilem Auf und Ab anstrengender.

Längst sind die Cinqueterre vom Geheimtipp zu einem der Hotspots in Italien geworden. In den Gassen von Riomaggiore hört man mehr Englisch als Italienisch und in den Sommermonaten drängeln sich die Torristen auf den engen Fußwegen wie auf den Bahnsteigen des Kölner Hauptbahnhofs im Berufsverkehr.

Deshalb wird jetzt zugemacht. Nur wer vorher eine „Cinqueterre Card“ gekauft hat, darf auf die Wanderwege und auch nur dann, wenn die nicht zu verstopft sind. Jeder Fußhänger wird gezählt und auf einer entsprechenden App des Fremdenverkehrsvereins erscheint eine rote Ampel, wenn es zu viele sind. Dann muss man warten.

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In ganz Italien klagen Bürgermeister und Tourismusexperten über das Phänomen der Überfüllung, die vor allem in Venedig und Florenz den Kunstgenuss stört. Die historischen Stätten sind klein und seinerzeit nicht für den Massenansturm gebaut worden, sondern um die Bürger vor Angriffen von außen zu schützen. Rom und Mailand, die am meisten Besucher verzeichnen, sind groß genug, dass sich der Touristenstrom verteilt. In Venedig kommt als Problem noch dazu, dass die turmhohen Kreuzfahrtschiffe, die in die Lagune fahren, Tausende von Tagestouristen auswerfen.

Der Tourismus ist ein entscheidender Faktor der italienischen Wirtschaft. Und Italien hat die meisten Unesco-Weltkulturstätten: 47 Kulturerbe- und vier Naturerbestätten von den historischen Zentren der alten Städte über die Palladio-Villen im Veneto bis zur Stauferburg Castel Del Monte in Apulien. Touristen sind erwünscht, das sagt jeder Bürgermeister und Politiker, aber eben nicht zu viele gleichzeitig. Allein in Venedig sind es 30 Millionen pro Jahr. Die Unesco hat schon eine Resolution verabschiedet, in der Italien aufgefordert wird, die Lagune und die Bauwerke ausreichend zu schützen. Sonst habe die Stadt keine Zukunft.

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