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09.12.2016

12:59 Uhr

Keine Anerkennung in New York

Trumps einseitige Heimatliebe

VonThomas Jahn

Donald Trump ist stolzer New Yorker, sein Tower steht mitten im Herzen von Manhattan. Aber die Stadt konnte sich mit dem designierten Präsidenten der Vereinigten Staaten nie anfreunden – bis jetzt. Eine Weltgeschichte.

Viele New Yorker machen vor dem Trump Tower ihrem Ärger über den designierten Präsidenten Luft. AFP; Files; Francois Guillot

Proteste vor Trumps Wolkenkratzer

Viele New Yorker machen vor dem Trump Tower ihrem Ärger über den designierten Präsidenten Luft.

New YorkDie Wolkenkratzer von Manhattan sind eine in Stein gemeißelte Erfolgsgeschichte. Wer hier her kommt, der will es schaffen, sich durchsetzen. Einer von ihnen ist Donald Trump, der in Queens zur Welt kam.

Wer in dem New Yorker Stadtteil in einem der zahllosen Häuschen aufwächst, blickt sein Leben lang auf die Hochhäuser von Manhattan – und kommt sich erst einmal klein vor. Trump ließ sich nicht beeindrucken, mit der Millionen-Starthilfe von seinem wohlhabenden Vater schaffte er den Sprung über den East River.

Sein ganzer Stolz ist der Trump Tower auf der 5th Avenue. Verspiegelt, vergoldete Wände, Wasserfall in der Lobby – über die Ästhetik des Gebäudes kann man streiten. Aber ohne Frage ist der Wolkenkratzer ein Machtbeweis, Ausdruck der Minderwertigkeitsgefühle eines Queens-Aufsteigers, der es allen zeigen will: Seht her, ich habe es geschafft.

Was Trump sich leisten konnte, ohne zu stürzen

Sexistische Aussagen

Trump fällt seit Jahren mit frauenverachtenden Sprüchen auf wie „dicke Schweine“ oder „Schlampen“. Eine Miss Universe verunglimpfte er als „Miss Piggy“, die ordentlich Gewicht zugelegt habe. Nach kritischen Fragen der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly deutete Trump an, sie habe Menstruationsprobleme gehabt.

Der Video-Skandal

In einem Video aus dem Jahr 2005 ist zu hören, wie Trump vulgär über Frauen herzieht. Nur wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Ehefrau Melania brüstet er sich mit sexuellen Übergriffen.

Verbal-Angriff auf Familie eines toten Soldaten

Trumps Hetze gegen andere Ethnien scheint kaum Grenzen zu kennen. Ende Juli legte er sich mit den pakistanstämmigen Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten an.

Unklarheiten um Steuererklärung

Seit Monaten weigert sich Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, obwohl das bei Präsidentschaftskandidaten überparteilicher Usus ist. Auch Hillary Clinton legte ihre Daten offen. Die „New York Times“ berichtete, dass der Geschäftsmann Trump 1995 einen Verlust von 916 Millionen US-Dollar (824 Mio. Euro) ausgewiesen habe. Steuerexperten kamen daraufhin zu dem Schluss, dass Trump auf diese Weise über zwei Jahrzehnte keine Steuern abführen musste.

Drohungen mit Waffengewalt

Mit einer zweideutigen Aussage, die sich als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton verstehen lässt, löste Trump einen Sturm der Entrüstung aus. Bei einem Wahlkampfauftritt deutete er an, dass nur Waffenfreunde Clinton aufhalten könnten.

Was Trump sich noch leistete

Trump verwechselt 9/11 mit 7/11 - Trump macht Anspielung auf die Größe seines Penis - Trump behauptet seit längerem, US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen, sondern in Kenia.

Wie viele Neuankömmlinge galt Trump in der besseren Gesellschaft der Stadt nicht als erste Wahl. Mit seinem Protz, seinen jungen Frauen und seiner Eitelkeit brach der 70-Jährige mit vielen Tabus. Reiche New Yorker geben sich gern „sophisticated“ – ein schwierig zu übersetzendes Wort, das Anspruch mit Fähigkeiten und Wissen vereint. Die Kultur Europas gilt bei ihnen als höchstes Ideal. Aber nicht das Europa aus dem 18. Jahrhundert, das Trump mit seinen fin-de-siècle-Möbeln, wie roten Samtkissen und goldenen Stühlen, aufleben lässt.

Auch die Lautstärke von Trump gefällt nicht jedem in New York. Er arbeitete in der Immobilienbranche, einer traditionell verschwiegenen Branche. Kaum jemand kennt die Familien Durst oder Le Frak, die viel mehr Gebäude besitzen als Trump – sie geben selten Interviews und halten sich auch sonst zurück, weil es dem Geschäft nichts bringt.

Nicht zuletzt distanziert sich Trump mit seinen politischen Ansichten von New York. Die Stadt ist eine Hochburg der Demokraten, die mit überwältigender Mehrheit für Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton stimmte. Viele der reichen Stadtbewohner haben liberal-linke Ansichten und können wenig mit dem Rechtsaußenkurs von Trump anfangen.

Allerdings ist New York eine Stadt der Macht. Wer Erfolg hat, wird gefeiert. Mit seinem Wahlsieg könnte Trump schaffen, was ihm in vielen Jahrzehnten nicht gelungen ist: Die Anerkennung New Yorks zu erlangen. Der Mann sitzt bislang in keinem der Aufsichtsgremien der wichtigen Museen, Opern oder Philharmonien. Dieser Ritterschlag könnte kommen – der Junge aus Queens hätte es endlich geschafft.

Kommentare (1)

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09.12.2016, 14:28 Uhr

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