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10.02.2017

18:33 Uhr

Kultur in Russland

Die Butterwoche – Moskaus Antwort auf den Karneval in Rio

VonAndré Ballin

Bald beginnt in Moskau die schönste Jahreszeit: Mit Pfannkuchen und Honigwein wird der Winter verabschiedet. Die Butterwoche ist Russlands Karneval – und manche träumen von einer Konkurrenz für Rio. Eine Weltgeschichte.

Bliny, die russischen Pfannkuchen, sind ein fester Bestandteil des russischen Karnevals. picture alliance/dpa

Butterwoche oder Pfannkuchenfest

Bliny, die russischen Pfannkuchen, sind ein fester Bestandteil des russischen Karnevals.

MoskauManche sagen: Es ist Russlands schönste Jahreszeit; Masleniza – die „Butterwoche – steht vor der Tür. In diesem Jahr beginnt sie offiziell am 20. Februar, das Festival „Moskauer Masleniza“ startet aber schon drei Tage vorher, damit die Hauptstädter mehr Zeit zum Feiern haben.

Rauschend und berauschend zugleich stellt die Masleniza das russische Äquivalent zum Karneval dar und soll das Ende des harten Winters einläuten – auch wenn sich dieser nicht immer an den Zeitplan halten will.

Für die orthodoxen Christen ist es die letzte Möglichkeit, zu schlemmen. Nach der Masleniza beginnt die siebenwöchige Osterfastenzeit. Dementsprechend wird noch einmal ordentlich reingehauen. Da der Genuss von Fleisch schon verboten ist, gibt es hauptsächlich Pfannkuchen oder Eierkuchen (auf russisch „Bliny“). Diese dafür in allen möglichen Variationen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Mit Käse oder Quark, mit Schmand oder Kondensmilch, mit Honig oder Marmelade, mit Obst oder Gemüse, Ei, Pilzen oder Kohl, mit Fisch oder – in Russland besonders beliebt – edel mit rotem Lachskaviar.

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Der runde sonnengleiche Pfannkuchen ist das Symbol der Masleniza. Doch das Fest beschränkt sich nicht auf’s Futtern. In früheren Jahrhunderten diente das Fest der Familienfestigung. Man besuchte die Eltern und Schwiegereltern, neue Ehen wurden verabredet. Vor allem aber wurde ausgelassen getanzt und gefeiert, sich verkleidet und Schabernack getrieben. Und diese Tradition hat sich – im Gegensatz zur ebenfalls gebräuchlichen Massenprügelei, der Russlands Starregisseur Nikita Michalkow vor 20 Jahren in seinem „Barbier von Sibirien“ ein filmisches Denkmal setzte – bis heute gehalten.

Die negativen Energien, die sich im Winter aufgestaut haben, lassen sich nämlich genauso leicht beim fröhlichen sonntäglichen Karnevalsumzug austreiben wie beim derben Fäusteschwingen. Zudem ist es viel touristenfreundlicher. Die Masleniza ist nämlich inzwischen für Moskau auch zu einer wichtigen saisonalen Touristenattraktion geworden.

Die Stände mit Pfannkuchen, Souvenirs und dem Honigwein Medowucha locken jährlich zehntausende in der kurzen Masleniza-Zeit zum Roten Platz oder auf die Bummelmeile zum Arbat. Auch auf ausländische Gäste zielt die Stadtverwaltung. Vor einigen Jahren erklärte der damalige Chef des Tourismuskomitees gar, Moskau habe das Potenzial den Karneval in Rio abzulösen. Bis Rio ist es freilich ein weiter Weg – nicht nur geographisch und klimatisch, sondern auch was Flair und Andrang angeht.

Wunderschön ist es während der Masleniza trotzdem in Russland. Besonders eine Tradition ist durchaus der Nachahmung wert: Am Sonntag, dem letzten Tag der Butterwoche, bitten sich die Russen gegenseitig um Vergebung für all die kleinen und großen Kränkungen, die sie sich im vergangenen Jahr bewusst oder unbewusst zugefügt haben. Der so um Verzeihung Gebetene nutzt die Gunst der Stunde nicht zu einer Moralpredigt, sondern antwortet schlicht: „Gott vergibt“ – und damit ist aller Streit vergessen.

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