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10.12.2016

10:28 Uhr

MI6-Chef über James Bond

Warum 007 im wahren Leben als Spion nicht taugen würde

VonKatharina Slodczyk

MI6-Chef Alex Younger hat sich aus der Deckung gewagt und in der Zentrale des Geheimdienstes vor Journalisten gesprochen. Dabei ging es auch um den Kino-Spion James Bond. 007 sei „Fluch und Segen“ zugleich für das MI6.

James Bond sei in der Realität des MI6 nie denkbar, sagt Alex Younger, Chef des Geheimdienst. AP

Im wahren Leben untauglich

James Bond sei in der Realität des MI6 nie denkbar, sagt Alex Younger, Chef des Geheimdienst.

LondonVerschwiegenheit gehört eigentlich zu den wichtigsten Regeln, an denen sich Mitarbeiter der Geheimdienste zu halten haben. Alex Younger, Chef des legendären britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, sieht das nicht so eng.

Der Mann, der diese Behörde seit inzwischen zwei Jahren leitet, ist jetzt zum ersten Mal in einem deutlich größeren Stile als zuvor aus der Deckung gekommen. Er hat dabei nicht nur über aktuelle Themen und Gefahren gesprochen, die seine Mitarbeiter beschäftigt halten, sondern auch über den Kino-Spion James Bond.

Er sei „Fluch und Segen gleichzeitig“, sagte Younger. Bond habe den britischen Auslandsgeheimdienst weltweit so bekannt gemacht, dass im Prinzip jeder, den er zum Mittagessen einlade, auch wirklich komme, gestand der MI6-Chef. Gleichzeitig habe 007 aber auch dafür gesorgt, dass die Vorstellung, die Menschen vom MI6 und der Arbeit dort hätten, mit der Wirklichkeit nichts zu tun habe.

Youngers Auftritt unterstreicht eine bemerkenswerte Entwicklung, die die Behörde seit einigen Jahren macht. Sie gibt sich deutlich transparenter als in den ersten Jahrzehnten ihrer Gründung. Der MI6 ist bereits seit mehr als einhundert Jahren im Einsatz. Doch erst 1992 wurde die Existenz zum ersten Mal offiziell bestätigt. Youngers Vorgänger, John Sauers, hat zum ersten Mal gegen die Verschwiegenheitsregel verstoßen und sich 2010 ausführlich zur Sicherheitsfragen geäußert.

Younger ging ein ganzes Stück weiter. Er hat nicht einfach irgendwo eine Rede gehalten. Er hat in der MI6-Zentrale vor Journalisten gesprochen. Einige waren allerdings enttäuscht von ihrem ersten Besuch in der Geheimdienstzentrale an der Themse. Man habe innen drinnen nur weg zu sehen bekommen – von einem Bild der Queen und ihrem Mann im Eingangsbereich abgesehen, schrieb der Guardian-Reporter.

Detail- und umfangreicher war da offenbar schon Youngers Klagelied über James Bond. Im wirklichen Leben könne einer wie 007 nie beim Geheimdienst arbeiten. Man müsste ihn dafür ganz schön ändern. Einer wie Bond, der waghalsig, rücksichtslos und unmoralisch daherkomme und so viele Gesetze breche, der sei beim MI6 nicht willkommen.

Doch er lobte immerhin auch einige positive Aspekte der Kinofilme und ihrer Hauptfigur – etwa Bonds Patriotismus, seine Energie und Hartnäckigkeit.

Und eine weitere Gemeinsamkeit gibt es offenbar auch noch zwischen der Wirklichkeit und den Kinofilmen: eine gewisse Vorliebe für technische Spielereien, wie sie Q auf der Leinwand entwickelt. „Der echte Q würde wollen, dass ich sage, dass auch wir Gefallen daran finden und technische Geräte auch brauchen“, so Younger, „aber da hören auch schon die Parallelen auf.“

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