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20.03.2017

21:20 Uhr

„Poetry in Motion“

USA – das Land der Dichter

VonFrank Wiebe

Poesie tut sich heutzutage schwer damit, von der breiten Masse angenommen zu werden. Doch in Amerika spielt sie mittlerweile eine besondere Rolle. Dank des Projekts „Poetry in Motion“. Eine Weltgeschichte.

Vielleicht ist nirgendwo der Kontrast der kleinen Kunstform zur riesigen Stadt größer als in New York. dpa

Kultur in den USA

Vielleicht ist nirgendwo der Kontrast der kleinen Kunstform zur riesigen Stadt größer als in New York.

New YorkIch lese während der Fahrt ins Büro vom Times Square zur Wall Street: „Eine fremde, schöne Frau/traf mich im Spiegel/neulich nachts/Hey,/sagte ich,/was tust du hier?/Sie fragte mich/dasselbe.“ Ein Gedicht von Marilyn Nelson, geboren 1946, präsentiert zusammen mit einem freundlich-bunten Bild in einem Waggon der New Yorker U-Bahn. Es ist nur eines von vielen Beispielen. Ein anderes Gedicht, geschrieben von Gaby Snyder, schließt mit den Zeilen: „Ein Planet/aufgehend im Osten – scheint/durch die Bäume/Vor Jahren dachte ich/Warum sind wir hier?“

Deutschland nannte sich einst das Land der „Dichter und Denker“. Heute tut Poesie sich schwer auf dem Büchermarkt. Das ist in den USA nicht anders. Aber in gewisser Weise spielt Poesie eine bemerkenswerte Rolle in Amerika. Das Projekt „Poetry in Motion“, das regelmäßig Gedichte in der U-Bahn präsentiert, ist ein gutes Beispiel dafür. Wer täglich zur Arbeit fährt und immer wieder dieselben Verse liest, nimmt sie dort möglicherweise sogar intensiver zur Kenntnis als in einem Buch.

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Gedichte zu schreiben ist in den USA kein Revier für eine winzige Schar professioneller Dichter. Vor allem an Hochschulen ist es verbreitet, Professoren haben keine Scheu, ihre Werke vorzutragen. Zeitungen drucken politische Gedichte ab, etwa die „New York Times“ eines von Julien Poirier, das mit den Zeilen beginnt: „Es ist so leicht eine Flagge zu zeigen, wenn du in einem netten Haus lebst/in einer schönen Stadt“.

Öffentliche Poesie findet nicht nur im Untergrund statt, sondern auch in sommerlicher Abendsonne. Ein Beispiel dafür ist der Bryant Park mitten in Manhattan. Vor 20 Jahren noch ein Drogenumschlagplatz, ist aus dem von Hochhäusern eingerahmten grünen Rechteck hinter der prächtigen New Yorker Bücherei eine Insel für Kunst und Literatur geworden. Im Sommer werden dort Filme gezeigt, Schauspiele aufgeführt, Konzerte gespielt. Am Rand der Wiese unter den Bäumen findet der „Book Club“ statt, mit Regalen voll Büchern, die zum Stöbern einladen. Und mit Veranstaltungen wie „Word für Word“, wo in den warmen Monaten dienstags abends Gedichte vorgetragen werden.

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