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28.12.2016

17:29 Uhr

Sommerbeginn auf der Südhalbkugel

Wenn sich Südafrika in Bernstein taucht

VonWolfgang Drechsler

Zum Jahreswechsel herrscht Stillstand am Kap: Viele Südafrikaner besuchen zu Beginn des Südsommers ihre Heimatdörfer auf dem Land oder fahren hinab zur Küste. Idyllische Eindrücke aus einer kargen Steppe.

In der Namib-Wüste finden sich die höchsten Sanddünen der Welt. Imago

Straße nahe Lüderitz

In der Namib-Wüste finden sich die höchsten Sanddünen der Welt.

JohannesburgMit Beginn des Südsommers und der langen Ferien kommt das Leben auch in Südafrika zwischen Dezember und Januar vielerorts zum Stillstand. Während die meisten Schwarzen in ihre Heimatdörfer auf dem Land zurückkehren, beginnt für viele Weiße der alljährliche Treck aus dem Wirtschaftsmoloch Johannesburg hinab zur Küste. Eine riesige Blechlawine wälzt sich nun vom sonnenverbrannten Highveld hinab nach Kapstadt – und sorgt dort dort nicht nur für noch vollere Straßen, sondern oft auch für kräftig überhöhte Preise in Restaurants und Strandbars.

Wer dem Ansturm entrinnen will, muss in die entgegengesetzte Richtung ziehen, etwa nach Namibia. Schon bei der Fahrt durch die Weite des Swartlands, der Kornkammer des Westkaps, das Kapstadt umgibt, verspürt man ein anderswo längst verlorengegangenes Freiheitsgefühl – auch wenn die Temperaturen schnell über die 40 Grad-Marke klettern. Hier fliegt die Straße unter den Rädern dahin, ohne dass der Horizont sich groß verändern würde. Eine Landschaft aus bizarren Wolkentürmen, aus Sternen, Stille, Weite und Einsamkeit, die Südafrikas Menschen wie wenig anderes geprägt hat.

Südafrika – Land der Gegensätze

Die Regenbogennation...

... wird Südafrika genannt, weil das Land mit seinen gut 50 Millionen Einwohnern ethnisch sehr gemischt ist. Das führt und führte immer wieder zu Konflikten zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, etwa zwischen der nichteuropäischen Mehrheitsbevölkerung und den europäischstämmigen, meist weißen Einwanderern.

Der Wirtschaftsmotor...

... des gesamten afrikanischen Kontinents ist Südafrika. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 400 Milliarden US-Dollar ist das Land die größte Volkswirtschaft Afrikas und gehört der G8+5 an. Die Staatsverschuldung lag 2012 bei 43,3 Prozent des BIP – also vergleichsweise niedrig, die Inflationsrate betrug fünf bis sechs Prozent.

Die Kehrseite der Medaille...

... sind noch immer massive Unterschiede beim Wohlstand. Der Gini-Koeffizient als Maß für das Ungleichgewicht bei Einkommen und Konsum gehören jeweils zu den höchsten weltweit. Die Arbeitslosigkeit liegt weit über 20 Prozent. Noch immer sind Schwarze, wenn auch nicht mehr rechtlich, benachteiligt. Die Armutsquote steigt. Viele Fachkräfte, insbesondere Ärzte und Ingenieure, wandern aus.

Die Apartheid...

... hat die Nation an der Südspitze Afrikas massiv geprägt. Eingeführt wurde sie nach ihrem Wahlsieg 1948 von der National Party, der Partei der meist niederländischstämmigen Buren. Die massive Diskriminierung, Benachteiligung und Herabwürdigung der schwarzen Bevökerung existierte bis 1990. Nach mehr als 40 Jahren meist friedlichem Kampf der benachteiligten Bevölkerungsmehrheit unter politischen Führern wie Nelson Mandela brach das System schließlich zusammen.

Das Ende des autoritär geführten Systems...

... mündete 1994 in die ersten Parlamentswahlen mit einem gleichen Wahlrecht für alle Bürger und veränderten das politische Leben im Land grundlegend. Nelson Mandela wurde am 27. April 1994 zum zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Er starb 2013.

Die Weißen...

... machen nur knapp neun Prozent der Bevölkerung aus, die hauptsächlich sind es Nachfahren niederländischer, deutscher, französischer und britischer Einwanderer sind, die ab Mitte des 17. Jahrhunderts nach Südafrika immigrierten. Die Zahl der europäischstämmigen Bevölkerung nimmt sinkt kontinuierlich. Fast eine Million Weiße haben seit den 90er-Jahren haben das Land verlassen.

Die Schwarzen...

... stellen knapp 80 Prozent der gesamten Bevölkerung und teilen sich in verschiedene Volksgruppen auf, etwa die Zulu, Xhosa, Basotho, Venda, Tswana, Tsonga, Swazi und Ndebele.

Knapp neun Prozent...

... machen die sogenannten Coloureds (Farbige) aus. Sie sind meist die Nachkommen der ersten europäischen Siedler, deren Sklaven und der ursprünglich in Südafrika lebenden Völker, zu einem kleineren Teil auch von eingewanderten Asiaten.

Asiaten...

... machen 2,5 Prozent der Bevölkerung aus. Der Großteil kommt ursprünglich aus Indien und ist Mitte des 19. Jahrhunderts ins Land geholt worden, um auf den Zuckerrohrfeldern zu arbeiten.

Wer morgens am Fuße des Tafelbergs aufbricht, erreicht den träge dahinfließenden Oranje, Südafrikas Grenzfluss zu Namibia, noch vor Einbruch der Dunkelheit. Oft staut sich an seinen Ufern die Hitze zwischen den malerischen Hügelketten. Etwas weiter stromauf liegt in einer Flusswindung die zu Beginn des 19. Jahrhunderts gegründete Missionsstation Pella mit ihrer kleinen, weißgetünchten Kirche und einem Hain von Dattelpalmen. Die Missionare aus Europa, die bis hierhin oft wochenlang unterwegs waren, hatten ein untrügliches Gespür für ein idyllisches Plätzchen in der kargen Steppe .

Kommentare (1)

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29.12.2016, 15:09 Uhr

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