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16.10.2016

13:34 Uhr

Starbucks in Südafrika

Der heiße Konsum am Kap

VonWolfgang Drechsler

Die afrikanische Mittelschicht ist süchtig nach Croissants und Kaffee. Zur Freude von US-Konzern Starbucks – der vor sechs Monaten einen Store in Johannesburg aufgemacht hat. Doch hält sich der Hype? Eine Weltgeschichte.

Viele Südafrikaner können sich die Starbucks-Getränke kaum leisten – vielleicht sind sie auch deswegen so begehrt. dpa

Hype in Johannesburg

Viele Südafrikaner können sich die Starbucks-Getränke kaum leisten – vielleicht sind sie auch deswegen so begehrt.

JohannesburgFast sechs Monate sind seit der Eröffnung der ersten Starbucks-Filiale im südafrikanischen Johannesburg vergangen. Doch vor allem am Wochenende sind die Schlagen vor dem Verkaufstresen der amerikanischen Kaffeekette in der Shopping Mall von Rosebank noch immer beeindruckend lang, wenn auch natürlich nicht mehr so lang wie in den ersten Wochen, als sie sich aus dem Eingang heraus um den ganzen Block schlängelten.

„Ich bin weltweit ja schon zu vielen Starbucks-Eröffnungen geflogen, aber einen solchen Andrang wie hier in Südafrika habe ich noch nie erlebt“, staunte selbst Starbucks-Chef Howard Schultz nicht schlecht.

Für die meisten Südafrikaner sind Starbucks „Caramelized Honey Frappucino“ oder sein „Milk Chocolate Melted Truffle Mocha“ dennoch kaum erschwinglich. Die meisten kaufen bislang lieber günstigen löslichen Kaffee oder Kaffeeersatz aus der Zichorie-Pflanze – und genießen das Heißgetränk dann mit mindestens drei bis vier gehäuften Löffeln Zucker so süß wie nur eben möglich.    

Fakten und Kurioses zum Kaffee

Weltmeister im Kaffeekonsum

Spitzenreiter im Kaffeeverbrauch pro Kopf sind die Finnen mit 12,2 Kilogramm im Jahr 2015. Viele Arbeitnehmer genießen dort zweimal am Tag die 15-minütige „kahvipaussi“. Deutschland liegt nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes auf Platz 6 (7,2 Kilo).

Kaffee im All

Italien gilt als Heimatland des Espresso. Die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti durfte vor einem Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS den ersten Espresso aus einer Maschine ausschenken. Ihr Urteil: Das kosmische Gebräu könnte in puncto Stärke und Aroma mit jeder Bar in ihrem Heimatland mithalten.

Kaffee aus dem Elefanten

Aus Thailand stammt die Idee, Kaffee zu kredenzen, dessen Bohnen durch einen Dickhäuter gewandert sind. Das Aroma wird als fruchtig-schokoladig beschrieben.

Kaffee aus der Katze

Kaffee aus dem Kot indonesischer Schleichkatzen ist schon etwas länger auf dem Markt. Die Tiere fressen Kaffeekirschen, also die Früchte der Pflanzen samt Samen (Kaffeebohnen). Im Magen erhalten die Bohnen – wie bei den Elefanten – durch Enzyme ihr Aroma.

50 Tassen Kaffee pro Tag

Der französische Autor Honoré de Balzac (1799-1850) soll pro Tag bis zu 50 Tassen getrunken haben. Sein früher Tod wird auch auf diesen extremen Kaffeekonsum zurückgeführt.

60 Bohnen für Beethoven

Auch Ludwig van Beethoven schwor auf Kaffee. Exakt 60 Bohnen mussten für den Komponisten mit heißem Wasser überbrüht werden, so heißt es. Eine Art Liebeserklärung an das Getränk lieferte Johann Sebastian Bach mit seiner „Kaffeekantate“.

Wie zuvor bereits die Textilhändler H&M oder Zara haben es die Kaffeeröster aus Seattle auch (noch) nicht auf die breite Masse der Südafrikaner, sondern vor allem die schnell wachsende neue Mittelschicht abgesehen, die als spendierfreudig und ganz versessen auf Statussymbole – wie französisches Gebäck oder italienisches Mineralwasser – gilt. Als Burger King vor drei Jahren seine erste Filiale in Kapstadt aufmachte, harrten die Kunden, wie jetzt auch bei Starbucks, stundenlang aus, um endlich in einen der Burger zu beißen.

Es hat Starbucks jedenfalls nicht geschadet, das Debüt des Unternehmens am Kap ausgerechnet zu einer Zeit zu starten, in der Südafrikas Wirtschaft quasi nicht mehr wächst. Die Lebensmittelpreise wegen der Währungsschwäche explodieren förmlich und mehr als die Hälfte aller jungen Schwarzen hat keinen Job. Ähnlich lange Schlangen wie jetzt vor Starbucks sieht man am Kap sonst allenfalls noch bei Einzelhändlern wie Shoprite, wo fast 17 Millionen Südafrikaner jeden Monat ihre vom Staat finanzierte Sozialhilfe ausgezahlt bekommen.

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