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26.08.2016

14:57 Uhr

Tanzen wie die Indianer

Im Takt der Trommel

VonFrank Wiebe

Der Besuch eines Pow-Wows gibt Einblick in ein ganz eigenes Universum – die Welt der amerikanisches Ureinwohner. Viele der Indianer sind bitterarm und einige der Clans sind verfeindet. Doch ihre Kultur ist magisch.

Pow-Wows in den USA zeigen die Traditionen der amerikanischen Ureinwohner. AP

Indianer in den USA

Pow-Wows in den USA zeigen die Traditionen der amerikanischen Ureinwohner.

New YorkNeulich war ich das erste Mal auf einem Pow-Wow, weit draußen, jenseits des U-Bahnnetzes im New Yorker Stadtteil Queens, auf dem Gelände einer mehr als 300 Jahre alten Farm, die heute zugleich als Museum dient. Bei diesem Pow-Wow treffen sich einmal im Jahr Leute aus den ganzen USA und tanzen und singen, beten, essen, verkaufen Schmuck und allerlei Klimbim, sitzen abends am großen Lagerfeuer.

Man unterhält sich hauptsächlich auf Englisch, aber manche der Teilnehmer sprechen auch noch andere Sprachen. Zum Beispiel die Sprache der Hopi, die in der Wüste von Arizona wohnen und durch den Sprachwissenschaftler Benjamin Lee Whorf schon vor mehr als einem halben Jahrhundert bekannt wurden. Er führte sie als Beispiel für seine These an, dass das Denken und die Auffassung der Wirklichkeit von der Struktur der Sprache bestimmt werden.

Immer wieder erklingt die große Trommel, häufig von mehreren Männern und Frauen zugleich geschlagen, und gibt mit ihrem Dum-dum-dum-dum-dum den Takt vor. Zuerst kommt der große Aufmarsch, wo alle Tänzer zugleich in die Arena einziehen. Manche gehen mit würdevoller Haltung, Schritt für Schritt, zum eintönigen Rhythmus der Musik. Andere tänzeln, wieder andere drehen sich mit fliegenden Armen im Kreis.

USA: Wichtige Daten

Bevölkerung

Die 324,33 Millionen starke Bevölkerung der Vereinigten Staaten besteht aus einem bunten Mix verschiedenster Kulturen. So sind rund 72,4 Prozent der Gesamtbevölkerung weiß mit einer größtenteils europäischen Abstammung. Rund 13,3 Prozent sind Afroamerikaner und etwa 5,6 Prozent Asiaten.

Unabhängig davon sind 17,61 Prozent der Bevölkerung Lateinamerikaner, 82,39 Prozent Nicht-Hispanics.

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote beträgt in den USA 4,85 Prozent (Juni 2016). Bei 324,33 Millionen Einwohnern sind das immerhin 15,73 Millionen Menschen ohne Job.

BIP

Das Bruttoinlandsprodukt der USA ist seit 2006 stetig gewachsen. So ist es in der Zeit von 13.855 Milliarden auf 17.947 Milliarden US-Dollar (2015) gestiegen. Für 2016 liegen die Prognosen bei 18.558 Milliarden US-Dollar.

Fläche

Die Vereinigten Staaten belegen mit ihrer Fläche von 9.984.670 Quadratkilometern Platz drei der größten Länder weltweit. Einzig Russland und Kanada liegen flächenmäßig noch vor dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, China liegt auf Platz 4. Zum Vergleich: Das kleine Deutschland liegt mit seinen 357.168 Quadratkilometern weit hinter den Spitzenreitern.

Sprache

Der Großteil der amerikanischen Bevölkerung spricht zwar Englisch, allerdings ist das nicht die Amtssprache. Das liegt daran, dass die Vereinigten Staaten keine festgelegte Amtssprache haben. So wird zum Beispiel in den an Mexiko angrenzenden Staaten oftmals Spanisch ebenso häufig verwendet wie Englisch. Auch Chinesisch, Deutsch oder Französisch und viele weitere Sprachen sind im Land vertreten.

Männer, Frauen und Kinder sind dabei, mit Federschmuck und Pelzen verkleidet, oder halb nackt, oder auch mit einem Schirm gegen die heiße Sonne. Tradition trifft sich mit Phantasie, Konvention mit der Lust, sich darzustellen. Die Zuschauer, viele davon ebenfalls Indianer, sitzen auf Strohballen um die Arena herum filmen mit ihren Handys. Am Nachmittag finden Tanzwettwerbe statt, auch unter den Kindern. Eine Gruppe von Sängern, die die Tänzer begleiten, war zuvor beim Konvent der Demokraten aufgetreten, wo Hillary Clinton zur Präsidentschaftskandidatin gekürt wurde.

Indianer? Die Probleme der Ureinwohner Amerikas werden schon beim Namen deutlich. In Kanada heißen sie „First Nations“. In den USA ist die Bezeichnung „American Indians“ politisch korrekt, aber gerade die jüngere Generation bevorzugt „Native Americans“. Eine andere Frage ist, wer sich überhaupt als „Native“, oder was auch immer, bezeichnen darf. Manche Stämme, etwa die Shinnecocks, haben Jahrzehnte für Anerkennung als Stamm gekämpft.

Die Shinnecocks sind bitter arm, sie sprechen nur noch Englisch, haben ihre eigene Sprache vergessen, und leben in Southampton, in Long Island, beinahe in Sichtweite von den riesigen Strandvillen der Reichen. Die Anerkennung als Stamm bringt oft die Chance mit sich, ein Kasino zu eröffnen. Weil das mitunter sehr lukrativ ist, gibt es zusätzlich genaue Regeln, wie viel „Blut“ des jeweiligen Stammes man in sich haben muss, um dazu zu gehören.

Indianer leben über ganz Nordamerika verstreut. Manchmal sogar noch zeitweise in Tipis, wie gerade eine Gruppe der Sioux (sprich „Suh“), die in North Dakota gegen den Bau einer Pipeline protestiert. Die Navajos, die nie in Tipis gewohnt haben, bauen hin und wieder noch ihre Hogans, ihre achteckigen Blockhütten. Aber das „Zelt“ der heutigen Indianer ist meist ein ganz normales Haus, vielleicht auch ein Trailer, ein Haus auf Rädern. Das Pferd ist meist dem Pickup gewichen. Aus Jägern, wie den Apachen, wurden oft Rinderzüchter.

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