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02.09.2016

17:38 Uhr

Tipps für Urlauber

New Yorker in fünf Schritten

VonThomas Jahn

New York ist laut, hektisch und teuer. Trotzdem machen viele Deutsche dort aus gutem Grund Urlaub. Unser Korrespondent gibt Ihnen fünf Tipps, mit denen Sie im Handumdrehen zum echten New Yorker werden.

Erholung ist in New York eher nicht möglich. Reuters

New Yorker Skyline

Erholung ist in New York eher nicht möglich.

New YorkEine der schwachsinnigsten Klischee ist das „Seele baumeln lassen“. Als ob das Leben schrecklich und einzig der Urlaub schön sei. Nicht alle Deutsche glauben daran. Das zeigt der Umstand, dass so viele nach New York kommen. In dieser Stadt ist keine Erholung möglich. Krach, Hektik, hohe Preise, Rumlaufen bis zum Umfallen – Ferien sind hier kein Zuckerschlecken.

Wer mehr aus seinem New Yorker Aufenthalt machen will, als die Freiheitsstatue oder Central Park zu sehen, dem gebe ich fünf Tipps. Damit wird der Urlauber im Handumdrehen ein New Yorker. Ich muss es wissen, schließlich lebe ich seit Ewigkeiten in dieser Stadt. Was mir selbst ein Rätsel ist, aber das ist eine andere Geschichte.

Also, auf zu Nummer Eins: Hetzen Sie mit durch die Stadt, was die Füße hergeben (noch besser: Taxi!). Auf keinen Fall und unter keinen Umständen bleiben Sie auf dem Bürgersteig stehen oder blockieren einen Eingang. Entwickeln Sie das dritte Auge eines New Yorkers, der beim Gehen auf magische Weise nach hinten schauen kann. Um die Sache anzukurbeln, setzten Sie sich Termine, viele Termine. Frühstück im Balthazar, Fahrradtour nach Coney Island, Cocktail im Pegu Club – hauen Sie ihren Kalender voll, was das Zeug hält. Damit sehen Sie nicht nur mehr von der Stadt, Sie kommen ihrem Urwesen näher: Eile.

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Ja, New York ist nicht Berlin. Kein Trödeln, Auszeit nehmen, stundenlang Kaffee trinken. Damit kommen wir zu nächsten Grundregel: Mit vollen Händen Geld ausgeben. Bitte, bitte geben Sie großzügiges Trinkgeld. Klagen Sie nicht über die hohen Preise. Sparen Sie mit kleinlichen Überlegungen wie: „Ein Bier kostet acht Dollar?“ Stattdessen legen Sie einen Dollar Trinkgeld auf den Tresen. That`s the spirit!

Dahinter steckt Hinweis Nummer Drei, der Sie in einen völligen anderen Menschen wandelt und der nicht nur für New York, sondern ganz Amerika gilt. Sehen Sie alles optimistisch! Eine Maus in der Airbnb-Wohnung? Wo es die gibt, da leben keinen Ratten. Taube Ohren von den Amerikanern am Nachbartisch? Endlich kann man auch mal im Restaurant brüllen. Der Obdachlose mit runtergelassen Hosen im Park? Nun gut, das geht wirklich nicht.

Daraus folgt im Umkehrschluss das Ende jeglicher Miesmacherei. Kein Jammern über die laute Baustelle – solche Kommentare versteht keiner, im wahrsten Sinne des Wortes. Müll auf den Straßen ist nichts Ungewöhnliches, und ja, ja, ja, die Klimaanlagen sind laut und kalt. Aber wen interessiert das außer einem Europäer, der seine luxuriöse Heimat als Maßstab für den Rest der Welt setzt.

Nummer Vier ist wirklich anspruchsvoll, für Deutsche fast unmöglich auf Anhieb umzusetzen. Reden Sie mit jedem. Keiner fühlt sich belästigt, New Yorker sind weniger unfreundlich als ihr Ruf hergibt. Voraussetzung: Nicht Regel Eins brechen. Also sprechen Sie die Menschen beim Warten auf die U-Bahn oder in der Kaffeeschlange an, wenn alle ein bisschen Zeit haben. Aber nicht zu viel, von daher bitte nicht so langatmig. Der beste Weg ist ein Kompliment, schöne Schuhe, I love your dress, ein Witz, ein Lächeln. Vermeiden sollten Sie Ironie, Politik, abfällige Bemerkungen oder jammern über den Krach (siehe Regel Nummer Drei). Seien Sie positiv – was für eine Erlösung von Deutschland mit all seinen Problemen, die sonst kein Mensch auf der Welt versteht.

Eng zusammen hängt damit eine Akzeptanz der Unverbindlichkeit. Ein Gespräch heißt nichts, verpflichtet zu nichts, erwarten Sie nichts. Sicherlich, Amerikaner sind oberflächlich, aber was ist so schlimm daran? Es ist halt anders, ermöglicht Möglichkeiten wie ein nettes Schwätzchen und befreit einen von seiner Dauerselbstkritik.

Der letzte Tipp ist vielleicht der Wichtigste: Seien Sie „streetsmart“, also nicht umständlich, einfältig und schon gar nicht besserwisserisch. New Yorker sind nicht nur mit den Füßen schnell, in dieser Stadt sind vom Bettler über den Taxifahrer bis zum Banker alle so beeindruckend smart. Wenn alle bei Rot über die Fußgängerampel gehen, dann bleiben Sie nur stehen, wenn wirklich ein Auto kommt. Lassen Sie sich eine Geschichte einfallen, um doch den Tisch im gefragten Restaurant zu bekommen. Machen Sie sich interessant, weg mit der Bescheidenheit, schließlich dreht sich die Welt um Sie.

Sicherlich, wenn Sie nach Hause kommen, sind Sie abgehetzt, abgebrannt und ausgepowert. Aber Sie haben so richtig wie ein New Yorker die Seele baumeln lassen.

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