Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.12.2017

20:44 Uhr

Weltgeschichte

Digitalhauptstadt Moskau

VonAndré Ballin

Anders als in vielen deutschen Städten ist in Moskau fast überall an öffentlichen Plätzen WLAN verfügbar – in Bussen, Bahnen oder auch in Museen. Beschwerden bei Behörden reicht man am besten nur noch online ein.

Moskauer sind in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Russlands Hauptstadt überall erreichbar. picture alliance / Grigoriy Siso

Moskauer U-Bahn

Moskauer sind in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Russlands Hauptstadt überall erreichbar.

MoskauAn der Metrostation Kurskaja rollt der U-Bahn-Zug ein. Die alten blauen Metrowaggons sind seit den 70er-Jahren ein gewohntes Bild für jeden Moskauer. Erst beim Betreten wird der Zeitenwandel deutlich. Wo früher die Moskauer Bücher gelesen haben, schaut nun jeder Zweite angestrengt auf das Display seines Mobiltelefons. WI-FI steht an der Fensterscheibe. Worum in vielen deutschen Städten noch gekämpft wird, ist in Moskau längst Realität: Kostenloses WLAN im öffentlichen Nahverkehr, wenn auch zugegeben nicht überall unter der Erde der Empfang gleich gut ist. Busse und Bahnen bieten den Service gleichfalls an.

Beim Thema Russland wird schnell das Klischee der Rückständigkeit wach. Gesellschaftlich bedient der Kreml selbst gern mit seiner Betonung „traditioneller Werte“ erzkonservative Ansichten. Doch auf technologischer Ebene muss zumindest Moskau den Vergleich mit dem Westen nicht scheuen: Internet im öffentlichen Raum ist beispielsweise wesentlich einfacher – auch ohne Mobilfunkvertrag mit Internetflatrate – zu bekommen als in Deutschland. Restaurants und Cafes haben schon vor rund zehn Jahren privates WLAN angeboten. Inzwischen hat die Stadtverwaltung auch in vielen Parks und praktisch im gesamten Stadtzentrum kostenloses WLAN angeschlossen. Ab nächstem Jahr sollen auch städtische Bibliotheken ihr Netz bekommen.

Und die Moskauer nutzen das Internet ausführlich: Spielen, shoppen, oder in sozialen Netzwerken surfen. Überall und jederzeit – zumeist am Handy. Die Stadtverwaltung hat sich darauf umgestellt, die meisten Dienstleistungen können online abgefragt werden. Sei es in der Schule, wo die Eltern elektronisch benachrichtigt werden, wann ihr Kind die Schule betreten und verlassen hat und was es zu essen gab. Oder im Krankenhaus, wo sich Patienten ihre Termine nur noch mit elektronischer Voranmeldung holen können. In Museen gibt es längst elektronische Guides, die Museumsführer ersetzen. Auch die Archive der Museen sowie von Bibliotheken, Theatern und sogar der Steuerbehörde werden gerade digitalisiert und Online-Beschwerden sind in der Regel inzwischen wirkungsvoller als schriftliche Eingaben.

Auch Autofahren in Moskau erfordert den Zugang zu neuen Technologien. Einen Parkplatz bar zu bezahlen, ist nämlich unmöglich. Altmodisch funktioniert es immerhin noch per SMS, aber die meisten Autofahrer nutzen die entsprechende App auf dem Handy. Ein Knopfdruck und die Parkgebühr wird minutengenau abgezogen.

Weltgeschichte: Viele Russen sehen die Oktoberrevolution ambivalent

Weltgeschichte

Viele Russen sehen die Oktoberrevolution ambivalent

Vor 100 Jahren begann in Russland die Oktoberrevolution. Der Bevölkerung sind die vielen Neuerungen durch die kommunistischen Bolschewiki in Erinnerung geblieben – aber auch der hohe Blutzoll.

Der Suchmaschinenanbieter Yandex bietet auf seiner App nicht nur einen Routenplaner, sondern gleich bequem auch noch eine Anzeige der vielen Überwachungskameras in der Stadt mit der entsprechenden Warnung, wenn man zu schnell unterwegs ist. Daneben hat Yandex auch einen Service für Zeitgenossen ohne Auto: Yandex Taxi ist der größte Online-Buchungsservice, zumal sich das Unternehmen mit Uber verbündet hat. Daneben bieten aber auch Gett und andere Taxiunternehmen ihre Dienste in Moskau längst online an.

Wer lieber selbst am Steuer ist, findet im Moskauer Stadtzentrum leicht eine Carsharing-Möglichkeit. Natürlich wird bargeldlos bezahlt. Beim Bezahlen scheint ohnehin die nächste Neuerung vor der Moskauer Tür zu stehen. Derzeit proben viele Supermärkte gerade aus, die Kassierer durch Automaten zu ersetzen. Dann müssen die Kunden selbst den Strichcode der Waren über den Ableser ziehen und dann die Karte oder die entsprechende Summe in den Automaten stecken. Das ist zwar weder bequem noch schnell, doch offenbar auf Dauer billiger. Auffällig: Der Wachmann neben dem Automaten wurde allerdings bislang noch nicht durch einen Roboter ersetzt. Sollte dieser Job in Moskau krisenfest bleiben?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×