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06.06.2017

19:20 Uhr

Weltgeschichte

Tiere quälen lohnt sich nicht

VonMathias Peer

Selfies mit Elefanten, Spazieren mit Tigern, Mutproben mit Krokodilen: Mit exotischen Tieren verdienten Reiseanbieter in Thailand viel Geld. Doch die umstrittenen Geschäftemacher bekommen zunehmend Probleme.

Eine Touristenanlage in der Provinz Kanchanaburi warb jahrelang damit, dass Besucher dort angeblich zahme Tiger streicheln können. Aber mit den Tieren wurde illegaler Handel getrieben. Bei einer Razzia entdeckten 40 Beamte für den Verkauf bestimmte Tigerjungen in einer Gefriertruhe. dpa - picture-alliance

Weltgeschichten-Thailand

Eine Touristenanlage in der Provinz Kanchanaburi warb jahrelang damit, dass Besucher dort angeblich zahme Tiger streicheln können. Aber mit den Tieren wurde illegaler Handel getrieben. Bei einer Razzia entdeckten 40 Beamte für den Verkauf bestimmte Tigerjungen in einer Gefriertruhe.

BangkokDer Elefant drückt die junge Touristin mit seinem Rüssel an sich. Auf dem Rücken des Tieres liegt eine rot-goldene Decke, bunte Stoffschleifen verzieren seine Stoßzähne. Die Urlauberin lächelt in eine Fotokamera. Unauffällig stößt ein Angestellter dem Tier mit einem Metallhaken in den Bauch. Der Elefant verbeugt sich daraufhin und trötet. Das Publikum in dem thailändischen Ort Ayutthaya, rund 80 Kilometer nördlich von Bangkok, klatscht begeistert.

Mehrere Tausend Elefanten sind Tierschützern zufolge in dem südostasiatischen Land im Einsatz, um Urlauber zu unterhalten. Die Aktivisten sehen darin eine Misshandlung der Tiere: Mit brutalen Methoden würden sie gefügig gemacht. Zu Vorführungen für Urlauber gezwungen zu werden, sei für die Wildtiere das Gegenteil von artgerechter Haltung. Dennoch haben exotische Tiere einen festen Platz in Thailands Tourismusindustrie: Spazieren mit Tigern, Mutproben mit Krokodilen, Selfies mit Seesternen – die umstrittenen Attraktionen galten lange Zeit als verlässlicher Umsatzbringer. Doch der Trend zu nachhaltigem Tourismus sorgt für einen Umbruch: Tiere quälen lohnt sich immer weniger.

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Es ist nicht lange her, als ich die fragwürdigen Geschäfte bei einer Recherche selbst miterleben konnte. Eine Touristenanlage in der Provinz Kanchanaburi warb jahrelang damit, dass Besucher dort angeblich zahme Tiger streicheln können. Betrieben wurde der Ort, der als Tiger-Tempel bekannt wurde, von buddhistischen Mönchen. Einer von ihnen gab mir bei meinem Besuch eine angeleinte Wildkatze an die Hand – und wollte damit demonstrieren, dass man Tiger wie Haustiere behandeln könne.

Dieser Umgang mit den Tieren stieß schon damals auf heftige Kritik – die Geschäfte im Tempel liefen jedoch weiter bis die Behörden aufdeckten, dass es dort offenbar auch massenhaft zu Gesetzesverstößen kam: Mit den Tigern wurde illegaler Handel getrieben. Bei einer Razzia entdeckten die Beamten 40 wohl für den Verkauf bestimmte Tigerjungen in einer Gefriertruhe.

Der Aufschrei durch den grausamen Fund im vergangenen Jahr brachte Thailands problematisches Geschäft mit bedrohten Tierarten erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Proteste von Tierschützern gegen den Wildtiertourismus zeigte deutliche Wirkung: Das Online-Reiseportal Tripadvisor erklärte, keine Tickets mehr für Attraktionen zu verkaufen, die Besuchern direkten Kontakt mit Tieren ermöglichen. Zuvor hatte auch der Reiseanbieter STA Travel „unethische“ Tierprogramme aus seinen Katalogen entfernt. Der Reisekonzern Thomas Cook verordnete sich vergangenen Dezember eine Richtlinie zum verantwortungsvollen Umgang mit Tieren im Tourismus. Das Bekenntnis auf der Webseite des Unternehmens ist eindeutig: „Thomas Cook verkauft in keinem seiner Märkte Elefantentouren oder Elefantenshows.“ Entsprechende Angebote von früher seien nicht mehr buchbar.

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Während die ethisch fragwürdigen Anbieter in Ländern wie Thailand nun auf Kundschaft verzichten müssen, entwickelt sich in der Tourismusindustrie eine Gegenbewegung. Auf der Ferieninsel Phuket eröffnete Ende vergangenen Jahres das Elephant Sanctuary, eine Anlage, die sich selbst als Altenheim für geschundene Elefanten darstellt. Die Tiere, die in der Vergangenheit entweder in der Holzwirtschaft arbeiten mussten oder als Touristentransportmittel dienten, können auf dem 8,5 Hektar großen Grundstück nun annähernd so leben wie in der Wildnis: Sie laufen frei durch den Dschungel, baden in Flüssen und werden von niemandem zu Kunststücken gezwungen. Ähnliche Rückzugsorte für Elefanten gibt es auch in der nordthailändischen Stadt Chiang Mai. Touristen sind zwar willkommen, beobachten dürfen sie die Tiere aber nur in kleinen Gruppen aus der Distanz.

Prominente Unterstützung erhielt das Elefantenheim auf Phuket in den vergangenen Wochen – unter anderem durch Besuche von „Breaking Bad“-Darsteller Aaron Paul und der britischen Popband Coldplay, die die Arbeit des Elephant Sanctuarys öffentlich lobte. Direktorin Louise Rogerson, die auch zu den Gründern der thailändischen Nichtregierungsorganisation Save Elephant Foundation gehört, wünscht sich dass die Aufmerksamkeit für ihre Anlage Nachahmer mit sich bringt: „Wir wollen ein ethisches Geschäftsmodell etablieren“, erklärt sie. „Wir hoffen, dass uns andere folgen.“

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