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22.02.2017

10:44 Uhr

Weltgeschichten

Und der erste Brexit-Sieger heißt? Antwerpen!

VonKatharina Slodczyk

Viele britischen Unternehmen spielen noch verschiedene Szenarien durch, wie sie auf den Brexit reagieren und wohin sie Teile ihrer Mannschaft verlegen sollten. Einige Briten schaffen dagegen bereits Fakten: ein Orchester zieht nach Antwerpen.

Soll es nach Frankfurt oder Dublin gehen? Oder vielleicht doch eher nach Madrid oder Paris?

Weltgeschichte London

Soll es nach Frankfurt oder Dublin gehen? Oder vielleicht doch eher nach Madrid oder Paris?

LondonSoll es nach Frankfurt oder Dublin gehen? Oder vielleicht doch eher nach Madrid oder Paris? Oder gar nach Warschau? Schließlich ist das Leben dort billiger als in anderen Städten. In vielen britischen Unternehmen sind ganze Arbeitsgruppen noch damit beschäftigt, alle denkbaren Brexit-Folgen durchzuspielen und Pläne zu entwickeln, wie man darauf reagieren sollte. Vor allem Banken und Vermögensverwalter werden Teile ihrer Mitarbeiter auf den Kontinent verlegen müssen, wenn sie Kunden dort nicht verlieren wollen.

Auch um europäische Behörden wie die Finanzaufsicht Eba und die Arzneimittel-Agentur Ema wird gepokert, die noch ihren Sitz in London haben. Und eine ganze Reihe europäischer Metropolen hofft auf die Jahrhundertchance: den Zuzug von Hunderten, gar Tausenden von Fachleuten aus der britischen Hauptstadt.

Gut 100 Kilometer nordwestlich von London werden dagegen bereits Fakten geschaffen: das Barockorchester der Europäischen Union zieht von Wootton, einem kleinen Örtchen in der Nähe von Oxford, nach Antwerpen. Angesichts der Pläne der britischen Regierung, Einwanderungskontrollen einzuführen, habe man keine andere Wahl als umzuziehen, heißt es dort. Bürokratischer Aufwand und komplizierte Visabestimmungen würden es sonst schwierig bis unmöglich machen, die Arbeit in Großbritannien fortzusetzen.

Das Barockorchester ist vor 32 Jahren gegründet worden. Es war eine Initiative der Europäischen Union. Die Idee dahinter: Junge Musiker aus ganz Europa sollen die Möglichkeit haben, unter professioneller Anleitung in einem Barockorchester mitzuspielen. So soll ihnen der Einstieg ins Berufsleben geebnet werden. Das Orchester gilt als hervorragendes Sprungbrett, um es von dort aus zu den weltweit renommiertesten Barockorchestern zu schaffen.

Man habe eine wunderbare Zeit auf der Insel gehabt, sagt die Geschäftsführerin Emma Wilkonson, aber die Entscheidung nach Belgien umzuziehen gebe dem Orchester die besten Chancen, auch in Zukunft zu überleben. In Antwerpen werden die Musiker ins Augustinus Musikzentrum ziehen, das sich auf Musik aus Mittelalter, Renaissance und Barock spezialisiert hat.

Es ist schon erstaunlich, dass jetzt ausgerechnet die Experten für alte Musik zum Trendsetter werden und zu den ersten gehören, die der Insel nach dem Brexit-Referendum den Rücken kehren. Im Mai werden sie ihr letztes Konzert in London geben. 

Kommentare (1)

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22.02.2017, 14:53 Uhr

England entrümpelt mit dem Brexit. Und dabei gehen natürlich die EU Institutionen von der Insel. Also viel Bürokratismus und sonstiges unwirtschaftliches Behördentum.
Für England ist das gut, weil es England die Luft verschafft um dann wirtschaftlich durchzustarten.

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