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10.01.2001

17:15 Uhr

Portrait

Wenn es sein muss, "lächelt" Ulla Schmidt auch ihre Gegner nieder

Die künftige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gilt als warmherzig, zugewandt und vor allem als stets freundlich. Doch nicht wenige haben die 51-jährige zielstrebige SPD-Politikerin auch schon völlig anders erlebt: Beinhart und durchsetzungsstark.

dpa BERLIN. "Wenn es sein muss, lächelt Ulla freundlich ihre Gegner nieder", urteilen anerkennend auch diejenigen in der SPD-Fraktion, die in den vergangenen Jahren nicht immer auf ihrer Seite standen.

Härte wie Wärme wird die im Sternkreiszeichen Zwilling geborene Ministerin in ihrem neuen Amt auch brauchen können, einmal in der Auseinandersetzung mit der einflussreichen Ärzte- und Pharma-Lobby, zum anderen mit den Patienten, die unter dem Kostendruck der Gesundheitsreform den Verlust vieler gewohnter und lieb gewordener Leistungen fürchten.

Dabei stand Schmidt in ihren zehn Jahren als Bundestagsabgeordnete oft genug zwischen allen Fronten: Als Frauenpolitikerin griff sie moderierend ein, als die Kontroverse um den Abtreibungsparagrafen 218 auch die SPD-Frauen zu spalten drohte, in jene, die damals den schnellen Kompromiss mit der Union suchten und die anderen, die bis zuletzt auf eine klarere Lösung pochten. Als Sozialpolitikerin stand Schmidt jahrelang im Schatten des "SPD-Sozialpatriarchen" und Gewerkschafters Rudolf Dreßler, der ihr meist zu dogmatisch vorging.

Als "Rentenfachfrau" ihrer Fraktion musste sie jetzt für Arbeitsminister Walter Riester (SPD) die Kastanien aus dem Feuer holen und das in ihrer Partei zunächst völlig ungeliebte Reformwerk den eigenen Genossen schmackhaft machen. Viele entscheidende Änderungen tragen dabei ihre Handschrift.

Dabei hat sie wohl aus Sicht von Kanzler Gerhard Schröder ihre "Feuertaufe" bestanden. Gleichwohl hatte Schröder wohl schon früher einen Blick auf die Abgeordnete geworfen - die vor zwei Jahren den als "tiefschwarz" geltenden Wahlkreis Aachen-Stadt nach jahrzehntelanger CDU-Dominanz für die SPD direkt gewinnen konnte. Wiederholt war Schmidt ernsthaft für verschiedene Ministerposten gehandelt worden, einmal bei der Neubesetzung des Bauressorts.

Die frühere Sonderschullehrerin, die erst mit 34 Jahren zur SPD stieß, hat in der Partei schnell Karriere gemacht: Ortsvereinsvorsitzende, Mitglied im Unterbezirksvorstand und 1990 dann der Sprung in den Bundestag. Fast von Anfang an gehörte sie dem geschäftsführenden Fraktionsvorstand an. Rudolf Scharping holte als damaliger Oppositionschef Schmidt in seine engste Wahlkampfmannschaft und stellte sie im Schattenkabinett als Familienministerin vor. Seit 1998 ist sie auf Vorschlag von Peter Struck Fraktions-Vize.

In der SPD hatte Schmidt schon früh politisch auf Schröder gesetzt, bereits lange vor dessen offizieller Nominierung als Kanzlerkandidat. Dabei konnte sich der Kanzler stets auch auf die Sozialpolitikerin verlassen, selbst in den ersten turbulenten Monaten seiner Regierungszeit, als das Hin und Her um die Neureglung der 630- Mark-Jobs vor allem den Sozialflügel in der SPD-Fraktion zur Verzweifelung trieb.

Privat gilt Schmidt, die in ihrer Heimatstadt Aachen nach dem Abitur zunächst Psychologie studierte und das Lehrerexamen ablegte, als "absolutes Großfamilientier", wie Freunde berichten. Viele Jahre lebte sie mit Mutter, Schwester und ihrer Tochter unter einem Dach zusammen, was ihr als allein erziehende Mutter auch erst das berufliche wie politische Engagement ermöglichte. Dass Ulla Schmidt nun bald selbst Großmutter wird, sieht sie mit großer Freunde.

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