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14.02.2002

22:40 Uhr

Positive Arbeitsmarktdaten

Dow scheitert an der 10 000-Punkte-Marke

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Der Donnerstagshandel war symbolisch für die Wall Street: Der Dow Jones hatte den ganzen Tag über stabil über den einst "magischen 10 000" gehandelt, konnte sich aber nicht halten. Nach einem Absturz ins rote Terrain schloss der Standardindex schließlich mit einem Plus von 8 Zählern bei 9 998 Punkten. Die Nasdaq gab 16 Punkte ab und ging bei 1 843 Punkten aus dem Handel.

NEW YORK. Obwohl Händler und Anleger hofften, dass der Dow nach mehr als einem Monat wieder über 10 000 Punkten schließen würde, hat diese Marke ihre einst psychologische Bedeutung verloren. Die "10 000" sind keine Barriere mehr. Marktbeobachter wollen Tagesgewinne selbst im dreistelligen Bereich zurzeit nicht überbewerten. "Der Dow kann über 100 Punkte zulegen, aber es ist unglaublich ruhig - das Handelsvolumen ist seit einer Woche schwach", urteilt Jay Suskind, Direktor des kleinen Brokerhauses Ryan Beck. "Im Markt ist Optimismus auf einen konjunkturellen Aufschwung, aber die Frage ist, wann sich dieser in Unternehmensgewinnen niederschlägt."

Neue Zahlen aus dem Arbeitsmarkt brachten am Morgen moderaten Optimismus, sind aber mit Vorsicht zu genießen. Die sechste Woche in Folge ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung zurückgegangen und notiert auch unter dem erwarteten Niveau. Dennoch dürfen Anleger nicht übersehen, dass die Zahl derer, die erstmals Geld von Uncle Sam wollen immer noch sehr hoch ist, Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote von derzeit 5,6 Prozent noch auf mehr als 6 Prozent klettern könnte.

Wichtiger scheint vielen Experten, dass die Lagerbestände in den USA bereits den elften Monat in Folge gefallen sind. Das Brokerhaus Salomon Smith Barney wertet das als positives Signal: Die Nachfrage bleibt stabil, während die Lager geräumt werden. Das deute darauf hin, dass die Produktion bereits im ersten Quartal wieder anziehen dürfte.

Die größten Aktien im Dow Jones waren am Donnerstag einige Industriewerte: Papiere von Eastman Kodak kletterten um 3,6 Prozent, Honeywell verbesserte sich um 2,1 Prozent. Weiterhin stark: Die Aktie von American Express, die mit einem Plus von 1,7 Prozent schloss. Die Analysten von JP Morgan sprechen eine "Kauf"-Empfehlung aus und nennen ein Kursziel von 40 Dollar für die Aktie, die auf 34,40 Dollar schloss. Die Experten sehen für American Express einen Boden erreicht, und erwarten, dass vor allem die Reise- und Entertainment-Sparte des Finanzdienstleisters wieder Gewinnzuwächse verzeichnen kann.

Die übrigen Finanztitel schlossen uneinheitlich: JP Morgan muss weitere Verluste hinnehmen; Anleger sind verunsichert, nachdem (dementierte) Gerüchten die Runde machten, die Rating-Agentur Moody?s könnte die Kreditwürdigkeit für die zweitgrößte US-Bank senken. JP Morgan und zahlreiche andere Finanzhäuser, leiden unter den Unternehmenspleiten der letzten Wochen, manche stehen vor Kreditverlusten in Milliardenhöhe.

Auch die Technik-Werte im Dow zeigten sich gut gelaunt. Die Aktie von Intel gewann 2,6 Prozent. Der Chipriese wird noch in diesem Monat neue Chips vorstellen. Es handelt sich dabei um Prozessoren, die vor allem den Netzwerkbereich verbessern sollen. Anleger sind optimistisch, was einen Erfolg der Teilchen angeht, und lassen sich auch von Gerüchten nicht beirren, Intel würde aufgrund schwacher Preise für den Pentium 4 Chip die Gewinnschätzungen für das laufende Quartal nicht erreichen.

Schwach blieb hingegen der Handel um Hewlett-Packard. Der Drucker-Hersteller hat am Mittwochabend Quartalsergebnisse über den Erwartungen der Wall Street vorgelegt. Mit Blick auf den ungewissen Merger mit Compaq und unsicheren Aussichten im gesamten Tech-Bereich gibt sich CEO Carly Fiorina in ihrem Ausblick aber vorsichtig: Das Umfeld sei "nicht einzuschätzen", sagt sie, "die Firma muss mehr tun als ihre Politik der kleinen Schritte weiter zu verfolgen." Die Analysten der Credit Suisse First Boston empfehlen die Hewlett-Packard-Aktie nur zu "halten". Sie sehen die Nachfrage zu kurzfristig und zu konsumenten-lastig und vermissen das Engagement von Firmenkunden, deren Investitionen 2002 weiter schwach bleiben sollen. Hewlett-Packard verlor 0,5 Prozent.

In weit größeren Nöten findet sich die Telefongesellschaft Qwest. Das Unternehmen braucht dringend Geld. Über den Verkauf von Anleihen sollten die notwendigen Mittel eingespielt werden. Doch wollte niemand die Papiere haben. Nun sieht sich das Management gezwungen, rund 1 Milliarde Dollar aus einer Not-Kreditlinie zu entziehen. Angesichts der Finanzprobleme senkt die Ratingagentur Standard & Poor´s die Bewertung auf "BBB", nur zwei Stufen über dem Junk-Status. Die gesamte Branche leidet unter geringerer Nachfrage und fallenden Preisen. Die Bankrottverfahren von Global Crossing und McLeod USA haben Qwest zusätzlich belastet. Die Aktie verliert im Tagesverlauf rund 13 Prozent.

Ebenfalls abgestuft sieht sich die Modekette The Gap am Donnerstag. Hier sahen die Rating-Experten von Standard & Poor?s keine Möglichkeit mehr, die Kreditwürdigkeit über dem Junk-Status zu halten. Sie geben dem Unternehmen, das die Häuser The Gap, Banana Republic und Old Navy betreibt, die größtmögliche Abstufung, was Anleger an das Schicksal anderer Firmen erinnert: Nach der Abstufung auf "Junk" haben einige Unternehmen in den letzten sechs Monaten Konkursverfahren eingeleitet. The Gap verlor 4,4 Prozent.

Was Unternehmen in einer solchen Situation oft rettet ist eine Übernahme, wie sie heute der TV-Produktionsgesellschaft von Dick Clark ein Plus von mehr als 30 Prozent bescherte. Das Unternehmen, dessen Gründer einst die legendäre Musikshow "American Bandstand" moderierte, und die heute Award-Shows wie die Golden Globes und die American Music Awards produziert hat einer Übernahme durch Mosaic Media und Capital Communications zugestimmt. Der Deal hat ein Volumen von 140 Millionen Dollar, Aktionäre erhalten einen Aufschlag von 25 Prozent auf den Schlusskurs von Mittwoch.

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