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03.01.2003

18:45 Uhr

Positive Überraschung

Inselbewohner überleben Todessturm in Höhlen

Mehr als 1 000 Bewohner der von einem verheerenden Wirbelsturm heimgesuchten Salomoneninsel Tikopia in der Südpazifik haben die Verwüstung ihrer Heimat in Erdhöhlen überlebt. Laut einem Bericht der Zeitung "The Australian" (Samstagsausgabe) sind die Insulaner in Höhlen geflüchtet, als der Zyklon "Zoe" am Samstag voriger Woche mit mehr als 300 Stundenkilometern über die kleinen Inseln Tikopia und Anuta hinwegfegte.

HB/dpa SYDNEY. Bis Freitag waren beide Inseln, auf denen insgesamt etwa 4 000 Menschen leben sollen, komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die Region wurde von der Regierung der Salomoneninseln zum Katastrophengebiet erklärt.

"Ich hatte mich innerlich auf Leichenberge eingestellt, aber es liefen uns Hunderte von Menschen freudig entgegen", sagte Fotograf Geoff Mackley. Er war an Bord eines von der Zeitung gecharterten Hubschraubers, der am Freitag auf Tikopia landete. Das Schicksal der Menschen auf der Insel Anuta ist hingegen weiterhin ungewiss.

Während der Sturm tobte, hatten sich die Bewohner dem Bericht zufolge in Höhlen versteckt. Diese hatten bereits ihre Vorfahren zu Sturmzeiten aufgesucht. Die gesamte Ernte und fast sämtliche Hütten seien zerstört worden, berichtete Mackley nach seinen Gesprächen.

Inzwischen wird das Patrouillenboot "Auki" mit Medizinern und Hilfsgütern im Katastrophengebiet erwartet. Nach australischen Medienberichten hatte sich das Boot in der Nacht zum Freitag von der Salomonen-Hauptstadt Honiara auf die rund 1 000 Kilometer lange Reise begeben. Forderungen der "Auki"-Crew, zumeist Polizisten von den Salomoneninseln, nach mehr Geld hatten die Abfahrt des von Australien finanzierten Schiffes verzögert, wie Diplomaten berichteten.

Seit dem Sturm ist auch der Kontakt zur Insel Mota Lava abgebrochen, die rund 200 Kilometer südwestlich von Tikopia liegt und zum Inselstaat Vanuatu gehört. Daher wurde am Freitag befürchtet, dass der Zyklon auch auf Mota Lava schwere Schäden angerichtet hat.

Die Regierung der Salomoneninseln stellte 200 000 $ (rund 193 000 ?) Soforthilfe bereit, wie die Solomon Islands Broadcasting Corporation meldete. Allerdings ist der von bürgerkriegsähnlichen Konflikten gebeutelte Inselstaat nach Medienberichten fast bankrott und seit Jahren auf ausländische Hilfe angewiesen. Ein diplomatischer Vertreter der Inseln in Australien räumte ein, sein Land sei mit den logistischen und finanziellen Anforderungen, die eine solche Katastrophe stelle, überfordert.

Eine Sprecherin der Hilfsorganisation World Vision betonte, es sei noch nicht einzuschätzen, ob Menschen verletzt oder gar getötet worden seien. Der Pilot einer australischen Militärmaschine berichtete, er habe beim Überflug Menschen auf den Inseln gesehen, die mit dem Wiederaufbau ihrer Dörfer beschäftigt waren. Da es auf den Inseln keine Landebahnen für Flugzeuge gibt, haben Hilfsorganisationen den Abwurf von Hilfsgütern gefordert. Dies wurde bislang von Australien und Neuseeland als zu riskant abgelehnt.

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