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30.01.2005

13:46 Uhr

Post-Chef Klaus Zumwinkel wies die Kritik zurück

US-Postkonzerne drängen auf mehr Wettbewerb in Deutschland

Amerikanische Unternehmen fordern eine weitere Öffnung des deutschen Postmarktes. Der Markt habe ein großes ungenutztes Potenzial, sagte Michael Critelli, Vorstandschef des Postdienstleisters Pitney Bowes Inc., dem Handelsblatt am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Dih DAVOS. Die Deutsche Post verhindere die Ausbreitung "intelligenter Briefdienste", indem sie sich weigere, mit Anbietern wie Pitney Bowes zu kooperieren. "In Deutschland herrscht noch immer kein fairer Wettbewerb"; klagt auch David Abney, Chef des internationalen Paketgeschäfts bei UPS. Post-Chef Klaus Zumwinkel wies die Kritik in Davos zurück und lehnte einen Kurswechsel ab.

Critellis Kritik richtet sich darauf, dass die Deutsche Post sich weigert, anderen Dienstleistern die so genannten postvorbereitenden Dienste zu überlassen. In den USA hat Pitney Bowes, ursprünglich ein Hersteller von Frankiermaschinen, bereits für viele Kunden das Sortieren, Adressieren und Frankieren aller Briefe übernommen. Von der US-Post erhält das Unternehmen einen Rabatt auf das Porto, wenn es die bei mehreren Kunden gesammelte Post einliefert. Auch die Deutsche Post gewährt ihren Großkunden Rabatte von bis zu 22 Prozent, wenn diese ihre Post selber zu den Verteilzentren bringen. Sie lehnt es aber ab, die gleichen Rabatte Dienstleistern wie Pitney Bowes einzuräumen. Diese Praxis kritisiert auch die EU-Kommission.

"Die Postunternehmen sollten sich darauf beschränken, wie Telekomfirmen die letzte Meile zum Kunden bereitzustellen findet Critelli. Der Briefmarkt müsse keineswegs durch den verstärkten Einsatz von E-Mails schrumpfen. Neue Dienstleistungen könnten den Einsatz von Briefen effizienter und billiger und damit für die Firmen interessanter machen. Dazu müsse allerdings in Deutschland auch das Porto sinken.

Abney kritisierte, dass die Deutsche Post 15 Jahre nach dem Beginn des Wandels von einer Behörde zum Unternehmen keine Monopole mehr zu ihrem Schutz brauche. Das Monopol für Standardbriefe läuft per Gesetz erst Ende 2007 aus. "Wir warten auf eine Bestätigung der Bundesregierung, dass dann wirklich Schluss ist", sagte er. UPS wolle zwar nicht ins Briefgeschäft einsteigen, doch die Post habe durch ihre Monopolgewinne unfaire Vorteile im Wettbewerb in anderen Geschäften.

"Wir hoffen ja auf mehr Wettbewerb und Deregulierung", sagte Zumwinkell dem Handelsblatt. Doch für eine völlige Freigabe des Briefgeschäfts fehle noch die nötige Direktive der EU und das könne die Marktöffnung durchaus noch um ein oder zwei Jahre verzögern. "Wenn wichtige Länder wie Frankreich oder Großbritannien ihren Markt nicht vollständig öffnen, wird es schwierig werden, das in Deutschland zu tun", sagte er. Es brauche aber ein neues Gesetz, um das Briefmonopol über 2007 hinaus zu verlängern. Aber egal wann er komme, er sehe dem europaweiten Wettbewerb gelassen entgegen: "Was wir im Inland an Marktanteil verlieren, werden wir im Ausland gewinnen." Die von Critelli geforderte Öffnung der postvorbereitenden Dienste lehnte Zumwinkel ab. Schließlich sei Pitney Bowes ein Konkurrent der Deutschen Post, die ebenfalls für große Unternehmen den Briefverkehr komplett manage.

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