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17.01.2002

11:09 Uhr

Powell verspricht Karsai großzügige Hilfe

USA planen langfristiges Engagement in Afghanistan

Die US-Regierung plant nach den Worten von Außenminister Colin Powell ein langfristiges Engagement in Afghanistan. Powell versprach am Donnerstag in Kabul großzügige finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau des Landes. Bei einem Treffen mit Ministerpräsident Hamid Karsai stellte er jedoch klar, dass die USA die verbliebenen Strukturen der Taliban und des Terrornetzwerks El Kaida in Afghanistan weiter zerstören wollen.

Hamid Karsai (links) und Colin Powell im Gespräch. Foto: dpa

Hamid Karsai (links) und Colin Powell im Gespräch. Foto: dpa

ap KABUL/WASHINGTON. Als erster US-Außenminister seit Mitte der 70er Jahre traf Powell am Donnerstag überraschend in Afghanistan ein. Unter strenger Geheimhaltung flog Powell zunächst von Islamabad zum Flughafen Bagram nördlich nach Kabul und legte die restliche Strecke zum internationalen Flughafen der Stadt mit einem Militärhubschrauber zurück.

Nach seinem Treffen mit Karsai betonte Powell auf einer Pressekonferenz, die von den USA eingefrorenen Taliban-Konten würden der neuen Regierung in den kommenden Tagen bereitgestellt. Zudem planen die USA laut Powell einen bedeutenden finanziellen Beitrag bei der internationalen Geberkonferenz, die am Montag in Tokio beginnt.

Karsai dankte den USA für die Befreiung des Landes. Der Chef der Interimsregierung versprach, Afghanistan werde der Staatengemeinschaft künftig als stabiles zuverlässiges Mitglied angehören. Seine Regierung werde hart gegen Korruption durchgreifen. Weiter betonte Karsai, die Zeit der mächtigen Kriegsherren sei in Afghanistan vorbei. Powell wollte noch am Donnerstag weiter nach Indien reisen, um im Konflikt mit Pakistan zu vermitteln.

Die Organisation El Kaida ist nach Überzeugung der US-Regierung bislang nicht in der Lage, biologische, chemische oder atomare Waffen herzustellen. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte in Washington, dies habe die Auswertung der Unterlagen ergeben, die in 45 El-Kaida-Lagern gefunden wurden. Aus Geheimdienstkreisen verlautete, El Kaida habe bei der Erlangung von Massenvernichtungswaffen noch im Anfangsstadium gestanden. Rumsfeld sagte weiter, Washington gehe davon aus, dass sich Bin Laden und Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar noch in Afghanistan aufhielten. Washington prüfe aber auch andere Optionen, fügte er hinzu.

Die Verlegung von mutmaßlichen Taliban- und El-Kaida-Kämpfern auf den US-Marinestützpunkt Guantanamo dauerte derweil an. 30 Gefangene trafen am Mittwoch in der Bucht am Ostzipfel von Kuba ein, 30 weitere Häftlinge verließen das US-Lager in Kandahar. Nach deren Ankunft beträgt die Zahl der Gefangenen in Guantanamo 110, 320 weitere waren am Donnerstag in Kandahar interniert.

UN verhängen weitere Sanktionen gegen El Kaida und Taliban

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ersetzte das Embargo gegen Afghanistan unterdessen durch Sanktionen gegen El Kaida und die Taliban. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution werden alle Staaten aufgefordert, ein Waffenembargo und ein Reiseverbot gegen Einzelpersonen oder Gruppen zu verhängen, die Verbindungen zu Osama Bin Laden, El Kaida oder den Taliban haben. Ihre Finanzguthaben sollen eingefroren werden, die Lieferung technischer und militärischer Waren wird verboten. Die Staaten sollen dem Sicherheitsrat innerhalb von 90 Tagen Bericht erstatten, über die Sanktionen soll nach Ablauf von einem Jahr erneut beraten werden.

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