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14.06.2000

11:17 Uhr

Preis für die Megawattstunde wird via Internetabgleich von Angebot und Nachfrage ermittelt

Erste Strombörse in Leipzig mit Panne gestartet

Stromproduzenten, Großverbraucher und Energiehändler können seit heute an der ersten Strombörse in Deutschland handeln. Auch wenn Privatkunden noch nicht zugelassen sind, könnten auch sie von stärkerer Transparenz profitieren.



jgo LEIPZIG. Die LPX Leipzig Power Exchange GmbH hat am Mittwoch, dem 14.6. 2000, als erste Strombörse in Deutschland offiziell mit einer Panne den Handel aufgenommen. Eine Störung im Betriebssystem legte nach erfolgreichem Start am ersten Handelstag den Betrieb lahm. Geschäftsführer Kjetil Knutsson sagte Handeslblatt.com, der Fehler sei bereits identifiziert worden. "Sehr wahrscheinlich werden wir morgen wieder den Betrieb aufnehmen können", stellte Knutsson in Aussicht. Geschäftsführer Carlhans Uhle fügte hinzu, derzeit sei er dabei, die Chefs der Energie-Unternehmen über den Vorfall zu unterrichten. Bislang hätten sie Verständnis für die Anlaufprobleme gezeigt. Morgen werde die Börse nochmals starten.
LPX Power Exchange will mittelfristig rund ein Fünftel des gesamten deutschen Strombedarfes handeln und die Strombörse langfristig in eine Energiebörse überführen. Die ostdeutsche Stromwirtschaft kann zunächst nicht teilnehmen.

Getragen wird die LPX zu je 35 Prozent von der Landesbank Sachsen und der skandinavischen Strombörse Nord Pool. Darüber hinaus sind der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig mit je 15 Prozent beteiligt. Im Konzept ist vorgesehen, weitere Partner mit insgesamt 50 Prozent an der Börse zu beteiligen.

Die Börse will über die Kopplung von Spot- und Terminmarkt nach dem Vorbild des norwegischen Anbieters Nord Pol, der 1993 in Oslo gegründet wurde, die neue Börse nach drei Jahren in die Gewinnzone führen.

Der zunächst gestartete Spotmarkt ermöglicht den Kauf und Verkauf von Kapazität für 24 Stunden des Folgetages. Der Handel wird nach Unternehmensangaben in erster Linie über das Internet abgewickelt. Aus den eingehenden Geboten und Angeboten wird wird der jeweils gültige Megawattstundenpreis ermittelt. LPX peilt an, 20 Prozent des in Deutschland produzierten und gehandelten Stroms in diesem Segment zu handeln. Die Gebühr für eine Megawattstunde liegt nach Unternehmensangaben bei 4 Cent; die Jahresgebühr beträgt 12 500 Euro. Über den später hinzu kommenden Terminhandel will die Börse ein deutlich höheres Volumen abwickeln. Anfang Juni hatte LPX das System bereits mit 30 Unternehmen drei Tage unter Live-Bedingungen getestet.

Strombörsen werden die Preise für alle Verbraucher transparenter machen

Der Handel mit Strom über Börsen ist ein neuer Geschäftszweig, dem Experten starkes Wachstum bescheinigen. Neben der Nord Pol ist die APX Amsterdam Power Exchange , die seit Anfang 1999 aktiv ist und bereits zahlreiche deutsche Unternehmen zu den Kunden zählen kann, ein Vorreiter der Entwicklung. Am 3. Mai 2000 hat die APX als erste internationale Börse einen deutschen Spotmarkt für Elektrizität gestartet. Allerdings befindet sich der Handel derzeit noch im Projektstatus.

Koopoerationsbemühungen der Leipziger LPX mit einem weiteren Anbieter des Strombörsenkonzeptes, des European Energy Exchange Project (EEX) aus Frankfurt, waren zuvor gescheitert, da die Frankfurter Börse darauf bestand, den Handel über das Xetra-System laufen zu lassen. LPX setzt dagegen auf ein spezifisches Stromhandelssystem.

Sachsens Wirtschaftsminister Kajo Schommer bedauerte, dass die ostdeutsche Stromwirtschaft zunächst wegen der Braunkohleschutzklausel noch nicht von der Börse profitieren kann. «Doch das wird in wenigen Wochen der Vergangenheit angehören», sagte Schommer. Er rechnet auch im Osten mit sinkenden Strompreisen. Das Durchleitungsproblem mit der VEAG werde in Kürze geklärt werden. Die Vereinigte Energiewerke AG verweigert bislang unter Berufung auf die Braunkohleschutzklausel die Durchleitung von fremden Strom in Ostdeutschland.

Experten rechnen mit sinkenden Strompreisen durh die mit dem Börsenhandel verbundene höhere Transparenz. LPX selbst warnt indes vor zu großen Erwartungen. Es sei mit langsam steigenden Umsätzen zu rechnen, heißt es in einer Pressemitteilung. "Erfahrungen an bereits bestehenden Strombörsen haben gezeigt, dass die Märkte Zeit brauchen, um die Liberalisierung voll nutzen zu können."

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