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03.02.2002

19:02 Uhr

Preisanstieg zur Jahresmitte absehbar

Gebrauchtwagen-Markt steht vor der Wiederbelebung

Ein Teil der Automobilbranche macht sich wieder Hoffnung für das begonnene Jahr: die Gebrauchtwagen-Händler. Nach zwei schweren Jahren ist das verknappte Angebot der beste Indikator dafür, dass es mit dem Gebraucht-Geschäft wieder aufwärts geht. Auch die großen Hersteller wittern neue Chancen.

zel DÜSSELDORF. Die deutschen Gebrauchtwagen-Händler haben auf die Fahrzeugschwemme des Jahres 2000 reagiert: Standen vor zwei Jahren im Durchschnitt noch 117 gebrauchte Autos bei einem Händler, ist diese Zahl inzwischen deutlich unter 60 gerutscht. "Die Bestände sind systematisch abgebaut worden", bestätigt Peter Börner vom Bewertungsunternehmen Eurotax-Schwacke aus Maintal bei Frankfurt.

Noch ein anderes Indiz weist auf bessere Zeiten hin: Die Gebrauchtwagen-Preise haben sich Ende des vergangenen Jahres stabilisiert und dem saisonüblichen Herbstabschwung widerstanden. Nach Eurotax-Berechnungen liegt der durchschnittliche Restwert eines zwei Jahre alten Gebrauchtwagens inzwischen bei 66 % des Neupreises. Ihren Tiefpunkt hatte die Branche im November 2000 mit einer Restwert-Quote von weniger als 65 % erreicht. Seit Mai 1999 waren die Preise kontinuierlich gesunken. Peter Börner macht den Gebrauchtwagen-Händlern Mut: "Zur Jahresmitte ziehen die Preise wieder an."

Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg meldet für 2001 bei Pkw 7,2 Millionen Besitzumschreibungen (in etwa die Zahl der Gebrauchtwagen-Zulassungen), was gegenüber den vorangegangenen zwölf Monaten einem Rückgang von 2,5 % entspricht. Wegen des verringerten Bestandes und der Stabilisierung der Preise rechnet Eurotax-Schwacke für 2002 mit 7,4 Millionen Besitzumschreibungen - das wäre ein Anstieg von gut 2 %.

Wegen des Neuwagen-Booms von 1999 (3,8 Millionen Neuzulassungen) stand der Handel ein Jahr später vor einer großen Halde junger gebrauchter Fahrzeuge. Zwei Jahre dauerte es, bis dieser Berg abgetragen wurde. Die erreichte Normalisierung lässt die Gebrauchtwagen-Sparte jetzt wieder hoffen.

Einzelne Händlergruppen konnten bereits im vergangenen Jahr ihre Absatzzahlen bei Gebrauchten steigern. Nach Angaben von BMW-Sprecher Uwe Mahla haben die deutschen Händler des Münchener Konzerns im vergangenen Jahr 209 000 Gebrauchte absetzen können, für BMW eine Steigerung von 5,9 %. In diesem Jahr erwartet das Unternehmen einen erneuten Zuwachs.

Johann Gesthuysen, Geschäftsführer der Ford-Händlervereinigung, beobachtet eine Neuerung bei den Vertragshändlern. "Das Gebraucht-Geschäft ist eine nicht mehr weg zu denkende Ertragssäule geworden", sagt er. Der Gebrauchtwagen-Verkauf werde von den Ford-Händlern nicht mehr als Last, sondern als zusätzliche Gewinnchance gesehen.

Auch Eurotax-Schwacke sieht langfristig gute Aussichten für das Geschäft mit gebrauchten Fahrzeugen. "Die Gruppe der überzeugten Gebrauchtwagen-Fahrer wächst", glaubt Eurotax-Geschäftsführer Clemens Knoll. Tendenziell würden mehr Neuwagen von industriellen Großkunden als Flottenfahrzeuge abgenommen, private Kunden interessierten sich allein aus finanziellen Gründen verstärkt für gebrauchte Modelle.

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