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04.07.2000

16:05 Uhr

Preiskampf fantasielos

Kleinanleger kritisieren Verfahren bei Umwandlung der Metro-Vorzüge

Die Vorzugs-Aktien von Metro sollen in Stammaktien umgewandelt werden. Vorzugs-Aktionäre sollen 11,60 Euro je Aktie zuzahlen. Doch Privatanleger wehren sich gegen diese Regelung.

dpa DÜSSELDORF. Kleinaktionäre drohen dem Metro-Vorstand mit Schadensersatz- und Anfechtungsklagen. Die am Dienstag in Düsseldorf auf der Hauptversammlung beschlossene Umwandlung von Vorzugsaktien in Stammaktien geriet unter Beschuss. Dabei sollen 11,60 Euro je Aktie zugezahlt werden. Zudem musste der Vorstand des zweitgrößten europäischen Handelskonzerns harsche Kritik wegen der schwachen Kursentwicklung der Metro-Aktien einstecken.

Mit der Umwandlung der Vorzüge erhöhe die Metro AG, Düsseldorf, auf den Kapitalmärkten ihre Attraktivität, verteidigte der Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Körber dieses Vorhaben. "Ich möchte ausdrücklich festhalten, dass keine Zwangsumwandlung von Vorzügen in Stämme geplant ist, sondern lediglich ein Angebot", entgegnete er. Mit den Einnahmen verbessere die Metro ihre finanzielle Schlagkraft zur Beschleunigung der internationalen Expansion. Insgesamt stehen 23 Mill. Vorzugsaktien zum Tausch an.

Die Geschäftsführerin der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, Jella Benner-Heinacher, kritisierte, mit der Zuzahlung würden nicht Werte für die Aktionäre geschaffen, sondern von diesen eingetrieben. Sie forderte stattdessen einen Umtausch von 1:1. "Beherzigen Sie Ihren eigenen Slogan: geht nicht - gibt's nicht", sagte sie. Andere Aktionäre sprachen von "Raubritter-Methoden. "Ersparen Sie mir, darüber abzustimmen, ersparen Sie mir die Anfechtungsklage.

Wie viele Anteilseigner, zeigte sich auch der Aufsichtsratchef Erwin Conradi unzufrieden mit der schwachen Kursentwicklung. "Wir leben aber in einem Umfeld, in dem seit sieben Jahren die Umsätze rückläufig sind". Bedeutende Konkurrenten stehen nach seinen Worten noch schlechter da. "Hier passieren dramatische Dinge im deutschen Markt", sagte Conradi. Trotzdem habe die Metro 1999 ein Ergebnisplus von 19 % erzielt. Der Kurs der Aktie notierte am Nachmittag leicht über 40 Euro.

Preiskampf im Einzelhandel ohne Fantasie

Als "fantasielos" bezeichnete Körber unterdessen den Preiskampf im Lebensmittel-Einzelhandel. Die ausschließliche "Fokussierung des Kundenversprechens auf den Preis" mit einer begrenzten Anzahl von Produkten führe zwangsläufig zu einer weiteren Verschärfung des Wettbewerbs. Letztendlich müsse der Preiskampf einzelwirtschaftlich entschieden werden, wobei sich Unternehmen fragen müsse, ob es sich solche Preisschritte leisten könne oder nicht.

Zur Strategie des Handelsgiganten Wal-Mart, der die neuerliche Preislawine im Einzelhandel losgetreten hatte, sagte Körber: Das US-Unternehmen sei ein ernst zu nehmender Wettbewerber, habe aber in Deutschland mit 60 Standorten gegenüber 250 bei Metro noch nicht die kritische Größe erreicht. Auch Wal-Mart sei angetreten, um Geld zu verdienen.

Die Metro peilt im laufenden Geschäftsjahr ein Umsatzplus von sieben Prozent an. Körber zeigte sich optimistisch, auch das Ergebnis steigern zu können. 1999 hatte der Handelsriese 85,6 Mrd. DM umgesetzt und 1,3 Mrd. DM (plus 19 %) Ergebnis aus dem gewöhnlichen Geschäft erzielt.

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