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03.01.2002

00:10 Uhr

Preiswerte Alternative zur UMTS-Technologie

„Local Mobility“ mit UMTS-Niveau

VonHans-Peter Neeb

Mobiler Internetanschluss über ein elektronisches Endgerät? Übertragungsraten von 7 Mbit/s netto? Zugang jederzeit und kontinuierlich? Ist UMTS bereits verfügbar? Im Jahr 2001?

Nein. Die Technologie heißt WLAN (Wireless Local Area Network, 802.11b bzw. Wi-Fi) und könnte UMTS durch seine Möglichkeit der "local mobility" vorerst den Rang ablaufen. Die Neuerung aus dem Jahre 1997 ist bereits heute serienmäßig als Industriestandard verfügbar. Provider können Internetzugänge darüber lizenzfrei anbieten. Die Infrastruktur- und Installationskosten sind vergleichsweise gering. Innerhalb von Einrichtungen und in abgegrenztem Gelände kann durch diverse Funksender (Access Points) ein mobiler Internetzugang mit einer hohen Übertragungsrate bereitgestellt werden. Roamingfunktionalitäten gewähren das freie Bewegen zwischen den einzelnen Funkzellen. Sogenannte ´"Public Hot Spots" sind Hotels, Bahnhöfe, Flughäfen, Autobahn-raststätten, Parkplätze, Einkaufspassagen und Innenstadtzonen. Es handelt sich um Orte, an denen man sich für eine gewisse Zeit aufhält und Interesse hätte, Wirless Internet zu nutzen. Auch UMTS wird sich anfangs nur auf einige Ballungszentren beschränken können.

Den Hot Spots kommt große Bedeutung zu

Typischerweise findet man in der Regel meist nur innerhalb von Warteperioden Zeit, Gelegenheit und Anlass eine Web-Verbindung aufzubauen und Informationen abzurufen, zu kommunizieren oder Aufträge abzusetzen. Aus diesem Grund kommt den "Hot Spots" eine so hohe Bedeutung zu. Geschäftsleute sind beispielsweise 40 % ihrer Arbeitszeit nicht im Büro. Davon halten sie sich zu 80 % in "Hot Spots" auf. Hätten sie eine Online-Verbindung zur Verfügung, so könnten die Arbeitseffizienz deutlich gesteigert werden. Dasselbe gilt für Privatpersonen, die Wartezeiten gerne abwechslungsreich überbrücken möchten. Der Zugriff erfolgt über Notebooks, Webpads, PocketPCs oder PDAs durch erweiterbare WLAN-Karten (PCMCIA, Compact Flash, Cradle).

Neue Geschäftsmodelle - Kostenreduzierung - Home Mobility

Drei Anwendungsbereiche, die auf lokaler Mobilität aufsetzen, sind zu unterscheiden. Die oben beschriebenen "Hot Spots" bieten neben dem zusätzlichen Zugang zu vorhandenen Diensten sogar Chancen für neue Geschäftsmodelle. In jedem Fall lassen sich neue Einahmeströme generieren. Der zweite Ansatz stellen sogenannte "Enterprise"-Lösungen dar, wodurch Mitarbeiter auf Anwendungen ihres Unternehmens zugreifen können. Daraus resultieren in Kosten- und Aufwandsreduzierungen. Neben der geschäftlichen Ausrichtung wird auch der private Sektor adressiert. Bei der "Home Mobility" handelt sich dabei um Bewegungsfreiheit beim Internetzugang im eigenen Haus. Dadurch kann man mit dem Notebook auch auf der Terrasse sitzend surfen, obwohl ein ISDN-Kabel nicht reichen würde. Der Access Point ist in diesem Fall direkt mit dem ISDN-Anschluss verbunden.

Surfen im Café oder einen Stadtplan abrufen

Interessante B2C-Anwendungen sind beispielhaft das Surfen in einem Café, das Buchen einer Reise sowie der Abruf des Stadtplans in der Hotellobby, die Informationsrecherce während einer Konferenz oder die weitere Routenplanung auf dem Parkplatz. Der Online-Kontakt bleibt erhalten, solange man sich in Reichweite eines der zahlreichen Access Points aufhält. Neueste Entwicklungen werden WLAN sogar in Flugzeugen ermöglichen.

Mobiles Büro für den Mitarbeiter unterwegs

Der klassischste B2E-Einsatz ist sicherlich das Mobile Office oder mCRM für den Mitarbeiter unterwegs. Die elektronischen Prozessabwicklung als "In House" Lösung ist hingegen in Produktionsstätten, Lägern, Logistikzentren, Krankenhäusern und Arztpraxen zu finden. Verfügbarkeiten, Inventurangaben, Kundendaten, Terminplanungen, Statistiken, Bestelllisten und Materialflüsse werden direkt vor Ort abgerufen und gesteuert. Besonders im Gesundheitsektor ist der technische Vorzug hilfreich, dass die 2,4 GHz-Funkfrequenz keine Störungen an den medizinischen Geräten hervorruft. Mit Blick auf heutige Projektarbeitsweisen und-organisationen ist der drahtlose Netzwerkzugriff von jedem Raum aus auch im Bürogebäude interessant. Außerdem können die Projektmitglieder im Ad Hoc Modus über Peer2-Peer-Verbindungen direkt auf die PC-Ressourcen der anderen zugreifen, auch wenn kein Access Point in Reichweite oder die Netz-werk-server nicht verfügbar sind.

Zugangspunkte in der Praxis und Pilot-Versuche

Vorhandene Installationen in Deutschland sind zum Beispiel die WLAN-ausgestatteten Lufthansa-Lounches des Frankfurter Flughafens von Siemens Business Services . Ein Pilotversuch läuft in der Aache-ner Innenstadt, wo man demnächst seinen Kaffee oder Snack in Zukunft beim Surfen genießen kann. Weitere TCP/-IP-Funknetze existieren auf dem Uni Campus von Karlsruhe, Göttingen, Bre-men sowie Rostock, um die stationären Anschlussplätze zu ergänzen. Auch sind im Kölner Lindner-Hotel, im Frankfurter Mariott, im Münchener Vier Jahreszeiten WLAN-Lösungen für Gäste im Einsatz. In den Frankfurter Rotkreuz Kliniken findet ebenfalls der Einsatz statt und die Lahn-steiner Papierfabrik Fibermark setzt WLAN bereits zur VoIP-Telefonie (Voice over Internet Protocol) ein.

Eigentümer von Hot Spots können attraktiven Content anbieten

Es brechen interessante Zeiten für unterschiedliche Beteiligte an. Anwender erhalten häufiger Gelegenheit online aktiv zu sein und werden somit zu intensiveren Nutzern bzw. nehmen ganz neue Dienste in Anspruch. Für WISP (Wireless Internet Solution Provider) bieten sich zusätzliche Optionen, ihren Kunden weiteren Zugang zu gewähren und darüber hinaus Neukunden zu erreichen. Eigentümer der "Hot Spots" können an neuen Umsatzmöglichkeiten partizipieren und attraktive Mehrwertdienste anbieten. Ausrüsterfirmen stellen die notwendige Infrastruktur und Kommunikationsendgeräte bzw. lediglich Erweiterungen zur Verfügung.

PS: Als technische Voraussetzungen werden beispielhaft Webpads oder Pocket PCs benötigt, um sich am Access Point anzumelden und direkt surfen zu können. Access Points stellen die drahtlose Funkinfrastruktur zur Verfügung. Access Server fungieren zum Beispiel als Authentisierungs- und Abrechnungsstelle für registrierte Kunden sowie Erstanwender.



Schreiben Sie dem Autor: Hans-Peter.Neeb@ffm2.siemens.de

Hans-Peter Neeb ist Senior Consultant mobile business bei Siemens I & C

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