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09.01.2008

10:49 Uhr

Presseschau zum Clinton-Sieg in New Hampshire

Mensch statt Machiavelli

VonDaniel Lenz und David Wengenroth

Die internationale Wirtschaftspresse sucht nach Gründen für den überraschenden Sieg von Hillary Clinton bei den Vorwahlen in New Hampshire. Die Präsidentschaftskandidatin habe Mitleid von Wählerinnen geerntet, die Youtube-Generation geködert und ihren Hochmut abgelegt. Der eigentliche Sieger der Wahl sei jedoch ein anderer.

Die » Süddeutsche Zeitung erkennt im Vorwahl-Sieg von Hillary Rodham Clinton die Bestätigung dafür, dass die Wähler einen „Wandel“ erwarten. Die „kühle Machiavellistin“ sei die erste gewesen, die dies begriffen und sich selbst in weniger als einer Wahlkampf-Woche gewandelt habe: „Plötzlich zeigt sie, die bisher nur die gleichsam maskuline Macherin mimte, Gefühle. Der Lohn für diesen Ausbruch aus dem eigenen Schneckenhaus ist Sympathie. Und eine gehörige Prise Mitleid – vor allem von Frauen, die mehrheitlich diesmal für sie votierten.“

Die » Los Angeles Times analysiert, dass vor allem weibliche Wähler Clinton zum Sieg verholfen haben. Die unabhängigen Wähler, die sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten ihre Stimme abgeben konnten, hätten in New Hampshire dem Republikaner John McCaine zum Sieg verholfen, statt Obama Rückenwind zu geben wie noch in Iowa. „Hillary Clinton hat jetzt ihr eigenes Kapitel in der Geschichte der New Hampshire-Vorwahlen geschrieben“, schreibt die L.A. Times zum „ersten Sieg eines weiblichen Kandidaten bei der Vorwahl einer der großen Parteien“.

Die » Zeit glaubt nicht, dass sich die Wähler vorwiegend von Emotionen leiten ließen – wohl aber die professionellen Beobachter. „Clinton bietet ihnen wenig Projektionsfläche, sie ist ein kantiger Brocken, wohingegen Barack Obama das wandelnde Hoffnungssymbol gibt. Sein Charisma ist ein anderes als das ihre.“ Während Clinton Willen und Kompetenz ausstrahle, sei Obamas Auftreten stets „aufwühlend, hinreißend, begeisternd. Aber am Ende zählt in der politischen Rhetorik nicht die Wirkung im Saal, sondern außerhalb des Gebäudes.“ Bald beginne der reine Fernsehwahlkampf, der eigenen Gesetzen folge. „Hier ein Lapsus, dort eine Affäre, oder Reaktionen der Kandidaten auf außenpolitische Ereignisse, da ist noch viel Musik drin. So ist Demokratie.“

„Jetzt ist Hillary, ganz wie ihr Mann, ein ,Comeback Kid' geworden“, schreibt » de Volkskrant aus den Niederlanden. Kurz vor Bekanntgebe des New Hampshire-Ergebnisses habe eine große Depression im Clinton-Lager geherrscht: Hinter vorgehaltener Hand sei über Entlassungen im Mitarbeiterstab nach einer weiteren Niederlage spekuliert worden; Geldgeber hätten sich aufgemacht, das „sinkende Schiff“ zu verlassen. Dann die Wende: Clinton habe sich mit Nachdruck der Öffentlichkeit gestellt und an jüngere Menschen gerichtet; „anders als in Iowa wurde sie nicht mehr von 90er-Jahre-Kanonen umringt – ihrem Mann Bill oder Madeleine Albright –, sondern von Menschen aus der YouTube-Generation“, forscht das Blatt nach Clintons Erfolgsrezept. Nicht zu vergessen sei außerdem ihr Kampf gegen die Tränen „voll im Blickfeld der TV-Kameras“. Für Barack Omaba sei das Ergebnis ein harter Schlag, so das Blatt: „Sein Status als charismatischer Erlöser ist bis auf weiteres entkräftet“.

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