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05.02.2001

17:01 Uhr

Reuters HANNOVER. Der nach mehreren Übernahmen im vorigen Jahr weltgrößte Touristikkonzern Preussag will seine Expansion in Südeuropa fortsetzen. Preussag bestätigte am Montag Gespräche über einen Einstieg beim spanischen Marktführer Viajes Marsans. Die Gespräche stünden allerdings noch am Anfang. Auch eine in Medienberichten bereits genannte Vorentscheidung zu Gunsten der Marsans-Gruppe wurde von Preussag nicht bestätigt. "Wir sprechen mit Viajes Marsans, wie wir auch mit anderen Unternehmen aus der Touristikbranche in Südeuropa sprechen", sagte Konzern-Sprecher Frank Laurich der Nachrichtenagentur Reuters. Die "Welt am Sonntag" hatte berichtet, Preussag wolle Marsans kaufen, strittig sei noch der Preis.

Preussag-Vorstandschef Michael Frenzel hatte bereits im vorigen Jahr nach den Übernahmen von Thomson Travel in Großbritannien und Nouvelles Frontieres in Frankreich Interesse an weiteren Zukäufen in Südeuropa bekundet. Man spreche mit den Marktführern, hieß es seither aus der Preussag-Zentrale in Hannover. Auch zu Viajes Marsans gibt es seit längerem Kontakte. In der spanischen Finanzzeitung "Expansion" war vorige Woche ein denkbarer Kaufpreis von 300 bis 360 Millionen DM genannt worden. In Branchenkreisen in Deutschland hieß es dazu, dieser Betrag sei die Verhandlungsposition von Marsans-Präsident und Mehrheitseigner Gonzalo Pascual, aber für Preussag vermutlich zu hoch. Es sei auch noch offen, ob es bereits um eine komplette Übernahme gehe.

Die spanische Gruppe Viajes Marsans gilt allerdings aus mehreren Gründen als denkbarer Partner von Preussag. Mit Marsans würde Preussag in Spanien auf einen Schlag zum Marktführer, ähnlich wie durch den schrittweisen Einstieg bei Nouvelles Frontieres in Frankreich. Zudem ist die Marsans-Gruppe bereits ein integrierter Touristikkonzern: Zu ihr gehören die drei Reiseveranstalter Club Vacaciones, Pullmantur und Trapsetur sowie Minderheitsbeteiligungen an drei weiteren Veranstaltern. Marsans verfügt über eine Mehrheit an der Hotelgruppe Hotetur und ein großes Vertriebsnetz mit 354 eigenen Reisebüros. Zudem ist Marsans mehrheitlich an der Fluggesellschaft Spanair beteiligt. Ob Preussag auch an der Fluglinie Interesse hat, gilt in der Branche als offen.

Viajes Marsans steht trotz seiner Größe in der Tradition der als Familienunternehmen entstandenen Reiseanbieter in Südeuropa. Es gehört mehrheitlich (knapp 60 Prozent) seinem Präsidenten Pascual. Zur Einschätzung der wirtschaftlichen Situation liegen keine konsolidierten Umsatzzahlen vor. Der Gruppenumsatz der betrug nach früheren Angaben 1999 knapp 3,5 Milliarden DM. Wie es am Montag aus Preussag-Kreisen hieß, lassen die Hannoveraner derzeit im Wege einer so genannten "Due Diligence" die Bilanz des möglichen Partners prüfen. Marsans-Chef Pascual hatte vorige Woche laut "Expansion" gesagt, die Preussag-Touristiktochter TUI Group habe für einen Monat ein exklusives Verhandlungsrecht. Dies wollte Preussag-Sprecher Laurich nicht bestätigen.

Wie es aus Branchenkreisen hieß, gibt es unter den großen europäischen Reisekonzernen noch weitere Interessenten an Viajes Marsans. Genannt werden unter anderem die britische Airtours und die deutsche Nummer zwei, C&N. Eine C&N-Sprecherin sagte allerdings, es gebe keine Gespräche mit Viajes Marsans. Nach den Übernahmen der britischen Thomas-Cook-Gruppe und der französischen Havas stehe die Integration dieser beiden neuen Töchter ohnehin im Vordergrund. Grundsätzlich gebe es in Südeuropa auch für C&N noch interessante Märkte.

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