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11.01.2002

09:57 Uhr

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Primacom fordert Konzentration der Kabelnetz-Eigentümerverhältnisse

Der Mainzer Kabelnetzbetreiber Primacom hat die Eigentümerverhältnisse des deutschen Kabelnetzes kritisiert.

rtr FRANKFURT. Primacom-Vorstandschef Paul Thomason sagte der "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe), eine Konzentration der Eigentümer sei notwendig. "Ohne einen solchen Schritt kann ich mir nicht vorstellen, wie wir am deutschen Markt die nächste Stufe erreichen", fügte er hinzu. Die im Nemax 50 gelistete Primacom ist nach eigenen Angaben der viertgrößte private Kabelnetzbetreiber in Deutschland und den Niederlanden mit rund 1,3 Mill. Kunden. "Die Branche ist großartig für alle, die sich bis heute Eintritt verschaffen konnten - aber das war's dann auch schon", sagte Thomason der Zeitung.

Mit seiner Kritik bezieht sich Thomason den Angaben zufolge auf die zerklüffteten Eigentümerverhältnisse des deutschen Kabels. Während in anderen Ländern der Betreiber einer Region jeweils Herr des gesamten Kabels von der Einleitungsstelle der Programme bis hin zum Kunden sei, gebe es in Deutschland hunderte kleine Anbieter, deren eigenes Kabel nur wenige Meter von der Haustür der Kunden weiterführe. Bereits an der Straße würden dann die großen Kabelleitungen angezapft, die in den 80er Jahren von der Telekom gelegt worden waren. Thomason zufolge ist das Resultat daraus eine "subventionierte Branche" voller Kleinanbieter. Diese Endkabelbetreiber könnten so zu ausgesprochenen geringen Gebühren die Telekom-Netze anzapfen und damit den Großteil der Kabelgebühren einstreichen.

Der US-Medienkonzern Liberty Media, der indirekt an Primacom beteiligt ist, will einen Großteil des Kabelnetzes der Deutschen Telekom für 5,5 Mrd. ? übernehmen und für weitere Milliarden-Summen ausbauen. Die geplante Übernahme muss aber noch vom Kartellamt genehmigt werden, das Bedenken zu dem Kauf angemeldet hat. "Es ist seltsam, dass das Kartellamt hier einen Markt schützen will, der nur durch Subventionen entstanden ist und in unseren Augen gar kein richtiger Markt ist - zumindest im wirtschaftlichen, wettbewerbsrechtlichen Sinn", sagte Primacom-Finanzvorstand Hans Wolfert. "Wenn das Kartellamt eine Integration des Kabels verbietet, wird auch niemand investieren", ergänzte er. Das Kartellamt muss bis zum 28. Februar über die geplante Übernahme entscheiden.

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