Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.03.2003

13:50 Uhr

Private Pipelines gefordert

BPs Russland-Engagement nimmt Formen an

VonMathias Brüggmann

Das vor rund einem Monat gegründete Joint venture zwischen dem britischen Ölmulti BP und dem russischen Ölförderer TNK nimmt Gestalt an: Die neue Firma - künftig der drittgrößte Erdölkonzern Russlands - werde TNK-BP heißen, sagte Michail Fridman dem Handelsblatt.

Der Chef der Alfa-Gruppe, Michail Fridman. Foto: Werk

Der Chef der Alfa-Gruppe, Michail Fridman. Foto: Werk

MOSKAU. Fridman, Chef der Alfa-Gruppe, die zuvor 50 % an TNK hielt, wurde zugleich zum Aufsichtsratsvorsitzenden des neuen Konzerns ernannt. BP besetzt den ihr in der neuen Firma zustehenden Chef-Posten ranghoch mit dem Amerikaner Robert Dudley, bislang Vize der BP-Gruppe. Das sagte Fridman im Handelsblatt-Gespräch am Mittwoch in Moskau. TNK stellt mit seinem bisherigen Chief Operating Officer (COO) German Chan den Stellvertreter Dudleys. Daneben wird der von BP stammende bisherige Präsident des russischen Ölförderers Sidanco, Lawrence Smyth, COO bei TNK-BP.

Das Joint venture zwischen Briten und Russen, an dem beide Seiten künftig je 50 % halten, werde juristisch zum 1.Juli vollzogen. Die erste Aufsichtsratssitzung des neuen Gemeinschaftskonzerns hat am Dienstag stattgefunden. BP zahlt für seinen Anteil 6,75 Mrd. $ in Form von Geld und BP-Aktien. Der Multi bringt zudem seine bestehenden Russland-Engagements in Form von Anteilen an Förderfirmen in Sibirien in die neue Holding ein. Alfa und die ebenfalls bislang zu 50 % an TNK International beteiligte russische Access-Renova-Gruppe fusionieren ihre Beteiligungen an TNK, sowie den russischen Ölförderern Sidanco, Rusia Petroleum, Rospan sowie große Offshore-Ölfelder vor der Pazifikinsel Sachalin in dem Joint venture. Zunächst hatten beide Partner das Gemeinschaftsunternehmen NewCo genannt.

Der zehnköpfige Aufsichtsrat wird paritätisch besetzt zwischen den Engländern und der russischen Seite, bei der sich Alfa und Access-Renova aber noch über den fünften Aufsichtsratsposten einigen müssen. BP schickt dabei den Berater von BP-President Lord John Brown, Rodney Chase, in das Gremium.

Das BP-Engagement ist bislang die mit Abstand größte Auslandsinvestition in Russland. Alfa sei aber bereit, weitere Beteiligungen an ausländische Investoren zu veräußern, sagte Fridman. Die Gruppe ist an Unternehmen der Banken-, Versicherungs-, Telekommunikations- und Einzelhandels-Sektoren in Russland und anderen GUS-Staaten beteiligt.

Der Reingewinn von TNK allein ist im dritten Quartal 2002 um 26 % eingebrochen. Das neue Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP wird künftig 1,2 Mill. Barrel am Tag Erdöl fördern. Es verfügt über gesicherte Reserven von 6,2 Mrd. und über geschätzte Reserven an Öl und Gas von 27,9 Mrd. Barrel.

Fridman forderte zudem den Bau privater Pipelines in Russland. Dagegen haben sich Regierung und Präsident aber bislang gewehrt. Bislang kann Erdöl nur durch den staatlichen Rohrleitungs-Monopolisten Transneft und mit der staatlichen Eisenbahn exportiert werden. Allerdings kommt Transneft nicht mit dem Bau ausreichender Export-Kapazitäten hinterher: Wegen stark gestiegener Ölförderung sind die Kapazitäten derzeit fast voll ausgelastet. Im Jahr 2005 rechnet sogar das Energieministerium damit, dass 30 Mill. Tonnen Erdöl mehr gefördert werden als ausgeführt werden können.

Die - weitgehend privatisierten - russischen Ölkonzerne wollen deshalb in Eigenregie eine Pipeline zum eisfreien Hafen Murmansk im Norden Russlands bauen und von dort aus mit Tankern Rohöl in die USA liefern. "Irgendwann wird alles gebraten und gegessen - auch das staatliche Pipeline-System", sagte Fridman. Allerdings schwimme die Regierung derzeit wegen der hohen Steuereinnahmen aus dem hohen Ölpreis in Geld und bremse. Falle der Ölpreis aber, "und er kann sehr leicht unter 18 $ pro Barrel rutschen", meint Fridman, dann werde vielleicht der Weg zum privaten Pipelinebau frei.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×