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19.02.2002

19:51 Uhr

Private Vermittler und das Arbeitsamt

Zusammen arbeiten – nicht gegeneinander

VonClaudia Wöllner

Die SPD will die Jobvermittlung reformieren - und setzt dabei ausdrücklich auf die privaten Vermittler. Geht es nach Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt, sollten diese das Arbeitsamt möglicherweise sogar ganz ersetzen. Tatsächlich sprechen die Zahlen für die privaten Arbeitsvermittler. Die aber wollen die Rolle des Arbeitsamtes gar nicht übernehmen.

Foto: dpa

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DÜSSELDORF. Seit dem 1. Juli 1994 dürfen auch private Firmen Jobs vermitteln. 750 solcher Dienstleister mit rund 2 000 Beschäftigten gibt es inzwischen in Deutschland. Ihre Bilanz kann sich sehen lassen: Im Jahr 2001 verschafften sie 140 000 Personen einen Job. Die 90 000 Mitarbeiter der Bundesanstalt vermitteln nach interner Rechnung jeweils gerade 50 Jobs pro Jahr.

Aussagen, wie die von Arbeitgeberpräsident Hundt scheinen da nur konsequent. "Es gibt Überlegungen, die Vermittlung über die Arbeitsverwaltung überhaupt einzustellen", sagte Hundt Anfang der Woche im Deutschlandfunk. Zunächst sollten private und staatliche Arbeitsvermittlung "in voller Konkurrenz" arbeiten.

Ein Vorschlag, den die Personalvermittler nur begrüßen können - sollte man meinen. Doch weit gefehlt: "Wir keinen Anlass, eine Privatisierung zu fordern ", betont Sieglinde Schneider vom Bundesverband Personalvermittlung (BPV) in Wiesbaden. Eine engere Kooperation mit den Arbeitsämtern, so ist Schneider überzeugt, verspricht viel größere Erfolge.

Die Arbeitsämter suchen im Auftrag der Arbeitslosen - die Privaten suchen auf Rechnung von Unternehmen bestimmte Arbeitskräfte. Mit diesen gegensätzlichen Ansätzen könnten sich beide Vermittler ergänzen. Genau dieses Potenzial ist laut BPV aber längst nicht ausgeschöpft.

Ideal wäre es, wenn die Arbeitslos-Meldung ohne Zeitverzögerung sofort auch bei privaten Vermittlern landen würde. Schließlich wissen die privaten Vermittler von Stellen, die bei den Ämtern niemals auftauchen. Selbst nach dem neuen "Job-Aqtiv"-Gesetz, das private Dienstleister stärker in die staatliche Arbeitssuche einbinden soll, sollen Arbeitslose aber erst nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit privat vermittelt werden.

Jobsprungbrett Zeitarbeit

Auch die Zeitarbeitsfirmen fordern eine engere Kooperation. "Wir könnten viel mehr Arbeitslose vermitteln, wenn wir schneller von den verfügbaren Arbeitskräften wüssten", meint Thomas Läpple vom Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BZA).

Während Dauerarbeitslose und angelernte Kräfte für reine Personalvermittler kaum attraktiv sind, beschäftigen die knapp 5 600 Zeitarbeitsfirmen in Deutschland 360 000 Mitarbeiter aller Qualifizierungsstufen. Jeder von ihnen erhält grundsätzlich einen unbefristeten Arbeitsvertrag und arbeitet dann für nachfragende Kundenunternehmen.

Damit helfen Zeitarbeitsfirmen in erster Linie, kurzfristige Personalengpässe auszugleichen. Für 30 Prozent ist die Zeitarbeit laut einer Studie von McKinsey und Deloitte Touche Bakkenist das Sprungbrett in einen dauerhaften Job. Das könnten weitaus mehr sein - meint der Bundesverband, und die McKinsey-Studie gibt ihm Recht. Danach könnten Zeitarbeitsfirmen bis 2010 europaweit vier Millionen Menschen zusätzlich einstellen - die meisten von ihnen in "stark regulierten Ländern" wie Deutschland.

Die Zusammenarbeit mit den Arbeitsämtern, die laut Zeitarbeits-Verband "zum Teil sehr gut" funktioniere, ist nämlich nur ein Problem. Entscheidend sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen: Vorschriften wie das Limit von 12 Monaten pro Kundeneinsatz oder das Verbot unbefristeter Arbeitsverträge bei Zeitarbeitsfirmen schließen so manchen Zeitarbeits-Einsatz von vornherein aus.

Eine Konkurrenzsituation zwischen privaten und staatlichen Arbeitsvermittlern würde all diese Probleme nicht lösen - ein Überdenken der Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Akteuren schon eher.

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