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03.08.2000

19:07 Uhr

Privatkundengeschäft wird unter dem Dach der Deutschen Bank 24 gebündelt

Deutsche Bank will Europas führende Filialbank werden

Die Deutsche Bank erwirtschaftete im ersten Halbjahr ein Rekordergebnis. Es übertraf die Erwartungen vieler Analysten deutlich. Dennoch geriet die Aktie unter Druck.

kr FRANKFURT/M. "Wir wollen auch in Europa zur führenden Bank für Privatkunden werden", sagte Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer gestern bei der Halbjahrespressekonferenz der Deutschen Bank. Die über Erwarten gute Entwicklung der Deutschen Bank 24 ermutige, das "erfolgreiche Konzept" zu europäisieren. Die Stärke der Deutschen-Bank-Gruppe sieht Breuer in der Fähigkeit, weltweit Kapital- und Investorenmärkte miteinander zu vernetzen. Der Bankchef ist überzeugt, dass auch das Investment-Banking mit seinen Produkten von der Neuausrichtung profitieren wird.

Breuer berichtete von einem neuen Ergebnisrekord im Konzern. Nach seinen Angaben wurden vor Steuern 4,9 Mrd. Euro und nach Steuern 3,8 Mrd. Euro erwirtschaftet. Gegenüber der gleichen Vorjahreszeit weisen beide Werte Steigerungsraten von mehr als 110 % aus. Auch ohne den auf etwa 2 Mrd. Euro bezifferten steuerfreien Erlös aus dem Verkauf weiterer Allianz-Aktien hat sich die Eigenkapitalrendite nachhaltig auf 25,4 % verbessert; sie erreicht damit bereits jetzt die im Konzern für 2003 angestrebte Zielgröße. Der Kurs der Aktie, der am Mittwoch kräftig gestiegen war, fiel trotz der leicht über den Erwartungen liegenden Zahlen zurück. Die Deutsche Bank wird, wie Breuer erläuterte, das standardisierte Privatkundengeschäft in Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, Portugal, Belgien und Polen unter dem Dach der Deutschen Bank 24 AG (DB 24) zusammenfassen. Die Bereiche Vermögensverwaltung, Investment-Banking, Private Banking und Firmenkundengeschäft sollen auf die jeweiligen Filialen der Deutschen Bank übertragen werden.

Rechtliche Hürden sieht Konzernvorstand Tessen von Heydebreck, der den Unternehmensbereich Privat- und Geschäftskunden verantwortet, nicht. Das Projekt läuft unter dem Arbeitstitel Deutsche Bank 24 Europe. Die Bank geht mit 21 000 Mitarbeitern, mehr als 2 000 Filialen und zunächst 10,5 Millionen Kunden an den Start. Aus Deutschland wird die Deutsche Bank 24 über 7,2 Millionen Kunden - 400 000 mehr als bei ihrer Ausgründung im September vergangenen Jahres - mitbringen. Der Kunde, der über die Zugangsmöglichkeiten frei entscheiden kann, soll in allen Ländern auf sein Konto zurückgreifen oder Geldautomaten kostenlos nutzen können.

In der geplanten Struktur hätte die Deutsche Bank 24 laut Heydebreck im ersten Semester 2000 eine Eigenkapitalrendite von 33 % erwirtschaftet; in der jetzigen Ausformung liege sie über dem Konzernziel von 25 %, bleibe aber unter 30 %. Ein Abbau von Arbeitsplätzen oder Filialschließungen seien im Zuge der Neupositionierung als europäische Retailbank in Italien und Spanien nicht geplant. Nach Angaben von Breuer ist die neue Retailbank offen für den Einstieg von Partnern, die einen Mehrwert versprechen. Zu denken sei dabei an zusätzliche Kundendateien aus anderen Teilen der Finanzbranche, an Kostensynergien oder "die Zuführung von geographischem Mehrwert". Breuer: "Wir suchen in der Tat nach jemandem, der uns in der einen oder anderen Facette weiter nach vorne bringt", als dies im Alleingang möglich sei. Die Gespräche mit der Allianz würden fortgeführt, aber unter Ausschluss der Fondstochter DWS. "Wir befinden uns nicht auf Partnersuche, wir hören zu."

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