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03.02.2003

07:45 Uhr

Pro Sieben Sat 1 profitiert vom rasanten Wachstum des Mitmachsenders

173 Millionen Anrufe füllen Neun Live die Kassen

Keine Spur von Medienkrise: Der Münchener Fernsehsender Neun Live ist gut in Fahrt. Der erst im Sommer 2001 gestartete Mitmach-Kanal hat im vergangenen Jahr einen Vorsteuergewinn von 10,7 Mill. Euro erwirtschaftet. "Damit haben wir unsere Ziele weit übertroffen", sagt Sender-Chefin Christiane zu Salm. Im Vorjahr war Neun Live noch tief in den roten Zahlen.

jojo MÜNCHEN. Das rasante Wachstum von Neun Live ist derzeit eher die Ausnahme im desolaten deutschen Fernsehmarkt. Die großen, durch Werbung finanzierten Sendergruppen wie RTL und Pro Sieben Sat 1 leiden seit Monaten unter der starken Zurückhaltung ihrer Werbekunden.

Mit Neun Live scheint Christiane zu Salm dagegen eine Marktlücke gefunden zu haben: Der Sender finanziert sich nicht durch Reklame, sondern hauptsächlich durch Anrufer. 173 Millionen Mal haben die Zuschauer im vergangenen Jahr den Hörer in die Hand genommen, und versucht, die Fragen des Senders zu beantworten. Von morgens bis abends laufen Quizshows, in denen es Geld zu gewinnen gibt. Ob die Mitspieler erfolgreich sind oder nicht: Neun Live ist in jedem Fall der Sieger, weil der Kanal an jedem Anruf verdient.

Die schnell steigende Zahl der Teilnehmer - im vierten Quartal riefen fast sechs Millionen Leute mehr an als im dritten Quartal - schlägt sich in den Zahlen nieder: Der Umsatz kletterte im Quartalsvergleich um rund 7 Mill. Euro auf 22,55 Mill. Euro. Im gesamten Jahr erwirtschaftete das Unternehmen etwa 60 Mill. Euro. Zu Salm sieht ihren Sender damit als wachstumsstärksten Spartenkanal in Deutschland.

Ganz ohne Werbung kommt allerdings auch Neun Live nicht aus: Von Mitternacht bis sechs Uhr morgens läuft Sex-Reklame - die jeden fünften Euro zum Umsatz beiträgt. Damit stößt Neun Live zwar auf zunehmende Kritik der Landesmedienanstalten. Aber auch andere Sender wie das Deutsche Sportfernsehen (DSF) oder der zum Medienkonzern Bertelsmann gehörende Sender Vox strahlen Sex-Spots zu später Stunde aus.

Für die kommenden Monate hat sich zu Salm viel vorgenommen. Mitte des Monats wird die frühere Chefin des Musikkanals MTV die neue Programmstruktur von Neun Live vorstellen. Zu Salm hat bereits angekündigt, eine Arbeitslosen-Show zu starten. Der Umsatz soll in diesem Jahr deutlich zweistellig zulegen, verspricht die Managerin. Außerdem startet am 1. März ihr neuer Sender "Sonnenklar", auf dem Reisen verkauft werden.

Durch den Erfolg von Neun Live haben auch viele andere Sender das Telefon wiederentdeckt. Auf fast allen Kanälen - von RTL bis ZDF - gibt es derzeit Mitmach-Aktionen.

Die Pro-Sieben-Sat1-Gruppe profitiert direkt von den guten Zahlen von Neun Live: Den Münchnern gehören knapp 49 % an der Muttergesellschaft Euvía. Den Rest teilen sich die Einkaufssender-Kette Hot Networks, Premiere-Chef Georg Kofler und Christiane zu Salm.

Quelle: Handelsblatt

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