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16.07.2000

18:41 Uhr

Problembeladenes Geschenk für China Unicom

Chinas Armee muss Mobilfunk-Netz abgeben

China hat seine Armee angewiesen, die Kontrolle über ein Mobilfunknetz an den Telekom-Konzern China United Telecommunications Corp. abzugeben. Künftiger Nutzen und Rentabilitätschancen bleiben dabei völlig unklar.

PEKING. Die Nachricht trieb den China Unicom-Kurs am Freitag stark in die Höhe; doch die Eigentumsfrage bleibt vorerst genauso unklar wie die Frage, ob das neue Netz für Unicom überhaupt von Nutzen ist.

Ein Regierungssprecher bestätigte, dass das Armee-Unternehmen Great Wall sein Mobilfunknetz an Unicom übertragen muss. "Der Transfer läuft", bekräftigte Jiang Shaobing, ein Beamter der Telekom-Regulierungsbehörde. Great Wall benutzt die US-amerikanische CDMA-Technologie (code-division multiple access). Wenn Unicom das Armee-Netz schnell weiterentwickelt, könnten davon Unternehmen wie Lucent Technologies oder Motorola profitieren, die Ausrüstung für CDMA-Netze verkaufen. Das US-Unternehmen Qualcomm, das an der Technologie viele Patente hält, könnte von weiteren Lizenzgebühren profitieren.

Derzeit scheint dies jedoch wenig wahrscheinlich. "Wir haben nach wie vor keine konkreten Pläne, was wir mit dem Netz anfangen werden", erklärte Li Zhengmao, Vizepräsident der börsennotierten Unicom-Tochter China Unicom (Hongkong) Ltd. Ihm zufolge wurde Unicom bislang nicht einmal davon unterrichtet, dass es das Militär-Netz bekommen soll und zu welchen Bedingungen.



Armee verweigerte bisher die Übergabe

Das Netz von Great Wall deckt weniger als 1 % von Chinas Mobilfunkmarkt ab. Es existiert auf experimenteller Basis in vier Städten. Ohne Erlaubnis der Regierung hat Great Wall jedoch in drei weitere Provinzen expandiert. Das Mobilfunkunternehmen wurde 1995 als 50/50-Joint Venture zwischen der Volksbefreiungsarmee und China Telecommunications Corp. begonnen, dem ehemaligen Monopol-Konzern. 1998 befahl die Partei der Armee, sich von ihrem weit verzweigten Unternehmens-Imperium zu trennen. Der Joint-Venture-Partner hat sich inzwischen aus Great Wall zurückgezogen, doch die Armee hat sich bislang hartnäckig geweigert, ihr Netz abzugeben.



Mit Schulden belastestes Geschenk

Unicom-Vize Li zeigt sich von dem Geschenk der Regierung nicht sehr erfreut. Ihm zufolge lasten auf dem Netz hohe Schulden, und mit seinen wenigen Nutzern werfe es wahrscheinlich keinen Profit ab. Es gibt keine offiziellen Zahlen über die Anzahl von Great Walls Mobilfunkkunden. Li schätzt sie auf 100 000. Analysten gehen von 400 000 bis maximal 1 Mill. aus.

Auf Great Wall lastet eine weitere Hypothek: "Das meiste Geld für den Aufbau des Netzes kam aus dem Ausland", meint Li. Und das wäre illegal. Unicom hat die Folgen verbotener Auslandsinvestitionen selbst zu spüren bekommen: Im vergangenen Jahr zwang die Regierung die Nummer zwei auf dem Mobilfunkmarkt des Landes dazu, mehr als 1 Mrd. $ an Firmen zurückzuzahlen, die Unicoms Netz mitfinanziert hatten. "Deren Netz dürfte sehr viel ähnlich gelagerte Probleme haben", urteilt Li über Great Wall.



Unicom-Kurs stieg kräftig an

Analysten zeigen sich ebenfalls abwartend: Ohne Klarheit darüber, ob CDMA in China eine Zukunft als Mobilfunkstandard habe, erwarten Branchenexperten von der Übernahme des Armee-Netzes keine großen Auswirkungen auf Unicom. An der Hongkonger Börse trieb die Nachricht den Unicom-Kurs jedoch kräftig in die Höhe: Der Titel zog am Freitag bei starken Umsätzen um 6,2 % auf 21,30 HK$ an. China Unicom ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 264 Mrd. HK$ (69,5 Mrd. DM) der viertgrößte Wert an der Hongkonger Börse.

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