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04.06.2000

19:00 Uhr

koe/wsje/hsn FRANKFURT/DÜSSELDORF. Das Bild rundet sich ab. Stück für Stück arbeitet der Walldorfer Software-Riese SAP die mittlerweile recht lange Mängelliste ab, um sich für die Internetzukunft fitzumachen. Die jüngste Baustelle: Die Entwicklung. Sie soll mit einer neuen Struktur näher an den Kunden und seine Bedürfnisse rücken.

Die Reaktion der Börse auf diese Ankündigung ließ nicht lange auf sich warten. Die SAP-Vorzüge legten zum Wochenschluss um fast 9 % auf 631,50 " zu. Doch gleichzeitig warnten einige Analysten vor all zu viel Euphorie. So bezeichnete Achim Fehrenbacher von M.M. Warburg die Pläne als einen ganz normalen Vorgang ohne große Auswirkungen auf die Attraktivität der SAP-Aktie. Die Umstrukturierung sei so aufwendig, dass sie sich frühestens nach dem 3. Quartal im Geschäftsergebnis bemerkbar mache.

Letzteres bestätigt SAP-Sprecher Stephan Gruber. Den Plan für die Umstrukturierung würden Arbeitsgruppen bis August ausarbeiten. "Es ist nicht der große Wurf, auf den alle warten", zeigt sich Fehrenbacher enttäuscht. Er rechnet daher im Laufe dieser Woche mit einem Bröckeln des Aktienwertes "unter 600 "". Es gibt aber auch Stimmen, die den SAP-Schritt begrüßen. So sehen Analysten von Merck Finck den Umbau durchaus positiv.

Auch SAP-intern ist die Reform umstritten. Einige Mitarbeiter - so ist zu hören - befürchten eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Entwicklern. Dies könne zu einer neuen Frustations- und Kündigungswelle führen. Daran glaubt das Management freilich nicht. Schließlich solle die Reform auch die Attraktivität des Entwicklers steigern, sagte ein SAP-Sprecher.

Kern der Umstrukturierung ist der Bereich Anwendungsentwicklung (Core Applications). Künftig soll es drei Arbeitsbereiche in der Entwicklung geben, die Neuentwicklung, die Wartung und Verbesserung von SAP-Installationen sowie die Notfall-Hilfe (Support).

Näher betrachtet fügt sich der interne Umbau aber nahtlos in eine Reihe anderer Maßnahmen, mit denen der Software-Riese auf die wachsende Kritik an seiner Internet-Strategie reagiert. So sollen die Entwickler künftig mehr Zeit direkt beim Kunden verbringen, um so besser, schneller und effektiver auf spezielle Wünsche reagieren zu können. Damit ergänzt SAP eine andere, erst vor kurzem bekanntgegebene Strategie: Mit Zukäufen sollen die eigenen Produkte ergänzt werden.

Beide Schritte - die Zukäufe und die enge Anbindung der Entwickler an den Kunden - zielen auf die Kritik, SAP habe in Zukunftsbereichen keine entsprechenden Produkte. Ein weiterer wichtiger Baustein der Reform ist die Trennung der gesamten Entwicklung in vier wirtschaftlich selbst verantwortliche Einheiten (General Business Units). Dies war vor allem bei der amerikanischen Tochter auf Unverständnis gestoßen, und hatte zahlreiche Mitarbeiter zum Weggang veranlasst.

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