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31.01.2001

16:42 Uhr

Produktion von Rindfleisch soll gedrosselt werden

EU erwägt auch Schlachtprogramm für Kälber

Die Europäische Kommission erwägt ein Schlachtprogramm für Kälber, um dem durch die BSE-Krise entstandenen Preisverfall für Rindfleisch und der daraus resultierenden Überproduktion Herr zu werden.

Reuters BRÜSSEL/ROM. EU-Haushaltskommissarin Michaele Schreyer sagte bei der Vorstellung eines 971 Mill. Euro umfassenden Nachtragshaushalts am Mittwoch in Brüssel, mittelfristig müsse die Produktion von Rindfleisch gedrosselt werden. EU-Agrarkommissar Franz Fischler arbeite bereits an Plänen, Rinder möglichst früh vom Markt zu nehmen. Kommissionspräsident Romano Prodi sagte einer italienischen Zeitung, die Europäische Union (EU) werde fünf Jahre brauchen, um das BSE-Problem zu lösen.

Es sei wenig sinnvoll, die Tiere groß zu ziehen, wenn sie unverkäuflich seien, sagte Schreyer. Fischler hatte gefordert, über eine "Herodesprämie" nachzudenken, bei der für den Ankauf und die Tötung von neugeborenen Kälber gezahlt werde. Es sei dringend notwendig, nicht erst Prämien an die Bauern zu zahlen, wenn diese die Rinder "großgefüttert" hätten. Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hatte sich in der Nacht zum Dienstag in Brüssel vehement gegen diese Prämie ausgesprochen.

Schreyer sagte, rund 700 Mill. Euro aus dem Nachtragshaushalt sollten für das EU-Schlachtprogramm aufgewendet werden. Dabei sollen für die Bauern unverkäufliche Tiere in einem Alter von mehr als 30 Monaten vom Markt genommen und vernichtet werden. 238 Mill. Euro sind für Preisstützungen am Rindfleischmarkt vorgesehen. 33 Mill. Euro sollen für die Beteiligung an BSE-Tests aufgewendet werden. Mit dem Nachtragshaushalt wachse das EU-Agrarbudget im laufenden Jahr um 7,4 % gegenüber dem Jahr 2000. Die Mittel stammten aus einem im Jahr 2000 erzielten Haushaltsüberschuss, der eigentlich an die EU-Länder zurückfließen sollte. Über den Nachtragshaushalten müssen die EU-Finanzminister und das Europäische Parlament beraten.

"Um sicher zu gehen, brauchen wir fünf Jahre", sagte Prodi der italienischen Zeitungsgruppe "Finegil". Wer wie viel Geld zahlen müsse, werde erst entschieden, wenn ein umfassendes Bekämpfungsprogramm gegen BSE vorliege. Fischler hatte erklärt, die Folgen der BSE-Krise seien dramatischer als zunächst angenommen. Die EU sei für den Nachtragshaushalt von einem Rückgang des Rindfleischverbrauchs um zehn Prozent im Jahresdurchschnitt ausgegangen. Derzeit betrage der Rückgang aber 27 %.

BSE-infiziertes Fleisch steht im Verdacht, beim Menschen eine Variante der tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslösen zu können. In Großbritannien sind an ihr mehr als 80 und in Frankreich drei Menschen gestorben.

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