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17.01.2001

17:47 Uhr

Produktion wird um fünf Prozent reduziert

Opec einigt sich auf Kürzung der Ölförderung

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) wird trotz der Appelle westlicher Industrieländer ihre Ölfördermenge deutlich drosseln. Die Opec hat ihrem Präsidenten Chakib Khelil zufolge eine Reduzierung um 1,5 Mill. Barrel (159 Liter) pro Tag beschlossen.

Reuters WIEN. Damit haben sich Opec-Staaten, die eine größere Kürzung forderten, nicht durchgesetzt. Opec-Generalsekretär Ali Rodriguez stellte jedoch weitere Kürzungen für März in Aussicht. Das Kartell will durch die Drosselung einen weiteren Rückgang der Ölpreise verhindern. Sowohl die USA als auch Europa hatten als große Ölimportländer gewarnt, eine Kürzung der Fördermenge führe zu einem Ölpreisanstieg, der das Wachstum der Weltwirtschaft belaste. Die Ölpreise gaben nach der Einigung jedoch nach.

Die Entscheidung tritt nach den Angaben von Kuwaits Ölminister Scheich Saud Nasser al-Sabah am 1. Februar in Kraft. Die Opec könnte die Fördermenge nach Angaben ihres Generalsekretärs Ali Rodriguez bereits im März erneut kürzen. "Am 16. März haben wir eine neues Treffen und dort können wir eine weitere Reduzierung um 1,0 Mill. Barrel beschließen", sagte Rodriguez nach den Opec-Beratungen einem venezolanischen Radiosender.

Die elf Opec-Staaten steuern etwa 40 % zum weltweiten Rohölangebot bei und haben daher einen großen Einfluss auf die Ölpreise. Durch die Drosselung sinkt die von Opec-Mitgliedern produzierte Ölmenge um mehr als fünf Prozent auf 25,2 Mill. Barrel täglich. Analysten hatten mit einer Reduzierung in dieser Höhe gerechnet, weil sich das einflussreiche Opec-Mitglied Saudi-Arabien dafür eingesetzt hatte. Ihrer Ansicht nach ist die Drosselung bereits an den Ölmärkten eingeplant und werde deshalb vermutlich nicht zu starken Preissteigerungen führen. Auch mit steigenden Benzinpreisen an deutschen Tankstellen sei in Folge der Opec-Entscheidung nicht zu rechnen.

Die USA und die Europäische Union hatten sich mehrfach gegen eine Kürzung ausgesprochen, weil daraufhin steigende Energiepreise die sich ohnehin schon abkühlende Weltwirtschaft belasten könnte. Die EU-Kommission betrachtet die Kürzung nach den Worten eines Sprechers als voreilig und zu groß. Die Opec dagegen befürchtete bei ungebremster Förderung einen Preisverfall. "Die Lagerbestände steigen und im zweiten Quartal erwarteten wir einen Einbruch der Preise", sagte Opec-Generalsekretär Ali Rodriguez vor dem Treffen. "Wir wollen die Stabilität des Marktes und der Preise erhalten."

Die Ölpreise gaben in Folge der Entscheidung deutlich nach. Ein Barrel der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Februar verbilligte sich am Nachmittag um bis zu einen Dreiviertel $ auf 24,71 $. Die Begrenzung der Fördermengen im Jahr 1999 durch die Opec hatten den Ölpreis im vergangenen Herbst bis auf 35 $ getrieben. Weil der Preis bis zum Jahresende jedoch nach einer zwischenzeitlichen Erhöhung der Mengen bis auf 23 $ abrutschte, forderten viele Opec-Mitglieder eine neuerliche Drosselung, um einen weiteren Preisverfall zu verhindern.

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