Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.08.2000

15:46 Uhr

dpa FRANKFURT/MAIN. Das deutsche Textil- und Bekleidungsgewerbe steckt weiter in einer tiefen Krise. Absatzprobleme im Inland sowie ein schier aussichtsloser Preiskampf mit der Billigkonkurrenz aus Übersee setzen der Branche seit Jahren zu. Stagnierende oder sinkende Umsätze bei steigenden Produktionskosten bleiben nicht ohne Folgen. Von Jahr zu Jahr verschwinden Textil-Firmen von der Bildfläche oder verlagern ihre Produktion ins Ausland. Die Beschäftigten-Zahl reduziert sich in einem Ausmaß wie in kaum einer anderen Branche.

Die Tarifrunde für die rund 190 000 Beschäftigten (122 000 Textil/68 000 Bekleidung) ist am Dienstag im hessischen Bad Nauheim daher unter schwierigen Bedingungen gestartet. "Die Situation in unserer Branche bleibt angespannt. Seit Jahren ist die Zahl der Beschäftigten rückläufig und dies wird sicher auch so bleiben", sagte der Sprecher des Gesamtverbandes der Textilindustrie Gesamttextil, Michael Fischbach, am Dienstag der dpa in Frankfurt. 1995 waren noch mehr als 250 000 Männer und Frauen bei deutschen Textil- und Bekleidungsfirmen tätig. Vor zehn Jahren waren es sogar gut 370 000.

Die jüngsten Konjunkturdaten ließen bei vielen Unternehmen aber erste Hoffnung auf eine leichte Besserung der Lage keimen, betonte Fischbach. Nach einem Umsatzminus von sechs Prozent auf 30 Mrd. DM im vergangenen Jahr sei zumindest in der Sparte Textil 2000 "wenn alles gut läuft vielleicht eine schwarze Null drin", prognostizierte er. Das leichte Umsatzplus von 2,6 % auf fast 13 Mrd. DM von Januar bis Ende Mai mache Mut. Wichtig ist zudem, dass auch der Auftragseingang 4,5 % über dem gleichen Zeitraum des Vorjahres lag. Da der Mai jedoch drei Arbeitstage mehr hatte, könne noch nicht von einem positiven Trend gesprochen werden, betont Gesamttextil.

In der Weltliga spielen deutsche Textilfabrikanten längst keine Rolle mehr. Unter den weltweit zehn größten Textilunternehmen finden sich ausschließlich amerikanische und japanische Anbieter. Deutsche Firmen haben bei Massenwaren wie Heimtextilien zunehmend den Rückzug angetreten und suchen erfolgreich ihr Heil in hochwertigen Produkten etwa für die Autoindustrie, wie zum Beispiel Bezüge, Airbags oder Gurte. Dennoch ist die Konkurrenz aus Niedriglohnländern in nahezu allen Bereichen erdrückend. Die Zukunft der Branche und ihrer Beschäftigten sieht nach Einschätzung der Dresdner Bank daher nicht rosig aus. "Der Trend zur Produktionsverlagerung ins kostengünstige Ausland wird sich fortsetzen. Für kapitalschwache Unternehmen besteht nach wie vor akute Insolvenzgefahr."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×