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30.01.2003

07:51 Uhr

Produzenten leiden noch unter hohen Förder- und Lohnkosten – Analysten sind jedoch optimistisch

Starker Rand schwächt Südafrikas Goldaktien

VonWolfgang Drechsler

Trotz ihrer phänomenalen Zugewinne bleiben die Aktien von Südafrikas Goldkonzernen nach Meinung vieler Analysten immer noch interessant - besonders im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz.

KAPSTADT. Als attraktiv gelten vor allem die hohen Dividenden der Südafrikaner, die meistens deutlich mehr ihres Gewinns ausschütten als die nordamerikanischen Goldförderer. Auch hat keine der Firmen vom Kap zuletzt wie der kanadische Goldprimus Barrick eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Vor allem aber sind Südafrikas Goldförderer gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16 noch immer wesentlich billiger als die nordamerikanische und australische Konkurrenz, die im Schnitt auf ein KGV von 30 oder mehr kommt.

Daniel Sacks , der den GSF Global Gold Fund der Investmentbank Investec managt, hat sein Augenmerk deshalb auch ganz auf die Produzenten vom Kap gerichtet. Er bevorzugt Firmen, die, wie Harmony, Gold Fields oder Durban Roodepoort Deep, quasi kein Gold auf Termin (Hedging) verkaufen und somit direkt an den Goldpreis gekoppelt sind.

Auch Anlageexperten wie Dave Mohr von Citadel sind der Ansicht, dass Gold noch steigen könnte. Im Gegensatz dazu hält Andile Mazwai, Chef des Brokerhauses Mazwai Securities, die Produzenten vom Kap nach der Verdoppelung ihres Aktienpreises im letzten Jahr nun für vergleichsweise teuer.

Die Zeit der märchenhaften Gewinnmargen scheint für die südafrikanischen Goldminenbetreiber ohnehin vorüber zu sein. Nachdem ihre Profite im letzten Jahr dank des stark gestiegenen Goldpreises und der lange Zeit schwächelnden Randwährung immer neue Höhen erklommen hatten, wurde die Rentabilität der Konzerne im Dezemberquartal wegen des stärkeren Rands und wegen der höheren Inflationsrate (12,5%) beeinträchtigt.

Die Goldunternehmen am Kap sind zuletzt gleich von zwei Seiten unter Druck geraten: Ihre Erlöse fallen weitgehend im derzeit geschwächten Dollar an, während die höheren Explorations- und Lohnkosten im erstarkten Rand verbucht werden. Die Folge: Südafrikas Goldförderer bekommen trotz des Anstiegs des Goldpreises auf das Sechs-Jahres-Hoch von 373 $ derzeit weniger Dollar für das von ihnen geförderte Edelmetall als im Dezember 2001. Während der in Dollar berechnete Goldpreis im letzten Jahr um 25% stieg und damit den größten Zuwachs seit 1980 erzielte, konnte der Rand im gleichen Zeitraum fast 40% gegenüber dem Dollar zulegen. Gemessen in Rand fiel der Goldpreis somit im letzten Jahr.

Symptomatisch dafür ist das jüngste Quartalsergebnis des drittgrößten südafrikanischen Goldproduzenten Harmony. Trotz des höheren Goldpreises lag der Betriebsgewinn als Folge der wieder erstarkten Lokalwährung im Dezemberquartal um 187 Mill. Rand niedriger als noch im September. Jedoch konnten die Abbaukosten nach ihrem unerwarteten Anstieg um 14 % im Septemberquartal diesmal stabil gehalten werden. Insgesamt verbesserte sich der Profit von Harmony deshalb um 7% auf 457 Mill. Rand.

Für Anglogold, Südafrikas mit Abstand größten Produzenten, der sein Ergebnis am Freitag vorlegt, erwarten die Experten hingegen einen Profitrückgang um etwa 2 % auf 906 Mill. Rand. Allein bei Gold Fields wird ein Zuwachs erwartet. Während Harmony 15% seines Goldes außerhalb von Südafrika fördert, liegt der Anteil bei Gold Fields fast doppelt so hoch.

Um wieder mehr einzunehmen, sind die Gesellschaften auf einen weiteren Anstieg des Goldpreises oder aber eine erneute Abschwächung des Rands angewiesen. Diese zeichnet sich nun ab. Nachdem sich die südafrikanische Valuta noch Anfang Januar kurzzeitig auf 8,35 Rand gegenüber dem Dollar verbessert hatte, ist sie inzwischen um 5 % auf fast 9 Rand pro Dollar gefallen.

Mittelfristig könnte auch wieder ein Kurs von 10 Rand pro Dollar möglich sein. "Es ist unwahrscheinlich, dass sich der Rand noch viel länger erholt", prophezeit Harmony-Chef Bernard Swanepoel. Negativ dürften sich jedoch die Lohnverhandlungen zur Jahresmitte auf die Margen der Firmen auswirken. Angesichts der grassierenden Inflation sind hohe Forderungen der Gewerkschaften zu erwarten. Auch dürften die Kosten für die Behandlung aidskranker Minenarbeiter die Bilanzen belasten.

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