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10.04.2003

07:08 Uhr

Profil: Eberhard Braun ist der Sanierer von Grundig

Aufräumer mit besten Kontakten

VonMartin-W. Buchenau

Flowtex, Fairchild-Dornier und jetzt Grundig, Eberhard Brauns Kunden werden immer namhafter. Der Jurist steigt in die erste Liga der Insolvenzverwalter und Sanierer auf.

Er sieht nicht gerade wie ein Notarzt aus. Wo Eberhard Braun hinkommt, muss er dennoch schnell operieren. Die größten Unfälle sind im Unternehmen längst passiert, bevor der 55-jährige Insolvenzverwalter gerufen wird. Er muss retten, was noch zu retten ist - für die Gläubiger und Mitarbeiter.

Der gebürtige Schwabe mit dem lichten Haar und dem großen Schnauzer hat dazu eine nüchterne Einstellung. Der Jurist schaut kühl auf die Zahlen und lässt sich nicht so schnell blenden. Windige Glücksritter, die sich Teile eines insolventen Unternehmens unter den Nagel reißen wollen, entlarvt er spätestens, wenn er penibel eine seriöse Finanzierung nachgewiesen haben will.

Braun macht seine Arbeit ruhig und diskret. Er versucht für die Beschäftigten rauszuholen, was rauszuholen ist. Aber nicht um jeden Preis. Denn Rechenschaft ist er in erster Linie den Gläubigern schuldig. Die scheinen Braun immer häufiger zu vertrauen. Mit Flowtex, Fairchild Dornier und spätestens jetzt mit Grundig hat er sich in die Champions-League der deutschen Insolvenzverwalter und Sanierer katapultiert. Er wird bereits in einem Atemzug mit Stars der Branche wie Jobst Wellensiek oder Volker Grub genannt.

Die Erwartungen an Braun sind im aktuellen Fall Grundig besonders hoch. Jetzt steigt er bereits vor dem Insolvenzantrag bei einem großen Unternehmen als Sanierer ein. Einerseits muss er für die Geldgeber möglichst viel herausholen. Größter Gläubiger ist der Pensionssicherungsverein. Die Banken haben mehr als 200 Millionen Euro an Krediten ausgegeben. Andererseits erwartet die Region Nürnberg, dass möglichst viele Arbeitsplätze in dem Traditionsunternehmen erhalten bleiben. Sicher, Grundig ist nicht mehr als ein Schatten früherer, erfolgreicher Zeiten. Von den ehemals knapp 39 000 Arbeitsplätzen sind weniger als 4 000 übrig geblieben, am Firmensitz in Nürnberg nur noch magere 1 300. Doch es geht um mehr als die letzten verbliebenen Jobs: Für Franken ist Grundig das Symbol des erfolgreichen Wiederaufbaus nach dem Krieg.

Für den Pragmatiker Braun, der es gewohnt ist, die Scherben zusammenzukehren, zählt der Glanz vergangener Tage aber nicht viel - und ein Markenname allenfalls, wenn jemand bereit ist, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen. Dennoch gibt es viele Vorschusslorbeeren in Nürnberg: "Einen Besseren hätte man nicht finden können", meint zumindest Wirtschaftsprüfer Bernd Rödl. Er arbeitet mit Braun seit Jahren zusammen.

Bei Flowtex bewies der Jurist, dass er ausdauernd ist und Kämpferqualitäten besitzt. Gerade erst hat Braun das Land Baden-Württemberg auf Schadensersatz von 52 Millionen Euro verklagt. Braun wirft der Finanzverwaltung des Landes vor, dass sie den Milliarden-Betrug schon lange entdeckt gehabt hätte, bevor offiziell ermittelt wurde. Dadurch sei den Gläubigern ein Schaden von einer Milliarde Euro entstanden. Der Ausgang des Verfahrens ist offen.

Bei Fairchild Dornier erzielte Braun aber nur einen Teilerfolg. Als Ganzes konnte er das Unternehmen nicht erhalten. Große Flugzeughersteller wie Airbus, Boeing und Bombardier winkten der Reihe nach ab. Die große Lösung gelang ihm nicht. Da musste Braun blitzschnell seine Strategie ändern und den Konzern zerschlagen.

Der Sanierer hat stets ein enges Zeitmanagement. Wenn er sich über einen Sachverhalt den Überblick verschafft hat, redet er zum Thema schnell und schnörkellos. Sein Pressebriefing wickelt er gerne über seine Internetseite ab. Dabei hilft ihm seine eigene journalistische Erfahrung, die er während seines Studiums als Korrespondent der "Südwestpresse" sammelte. Braun ist ständig unterwegs. In der Stammkanzlei Schultze & Braun in Achern ist er meist nur einmal in der Woche. Inzwischen gehören dreihundert Beschäftigte an über 20 Standorten in Deutschland zur Kanzlei. Sie ist sich auch für kleinere Fälle wie den Beschlägehersteller Anuba nicht zu schade.

Braun selbst hat inzwischen gute Kontakte in die Wirtschaft. Neben Roland Berger und Kajo Neukirchen gehört er zu den Gesellschaftern des 2002 von Berger aufgelegten Beteiligungsfonds CMP Capital Management Partners. Das Unternehmen ist zwar noch nicht groß in Erscheinung getreten. Laut Investorenprospekt beschäftigt es sich als "Turnaround Equity" mit der Beteiligung an angeschlagenen Unternehmen, dreht die Geschäfte und steigt später mit Gewinn wieder aus. Bei Babcock Borsig und Herlitz hat der Fonds ohne Erfolg mitgeboten.

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