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21.01.2003

07:05 Uhr

PROFIL: Gottfried Dutiné ist Chef der Konsumelektronik von Philips

Der geradlinige Sanierer

VonAxel Postinett

Gottfried Dutiné pflegt Tugenden wie Ehrlichkeit, Genauigkeit und Bescheidenheit - mit Erfolg. Dutiné hat den Verlust in der Konsumelektronik bei Philips verringert. So empfiehlt er sich für mehr.

LAS VEGAS. Eigentlich wollte er nach seinem Studium Beamter werden, aus vollem Herzen. Doch das Schicksal meinte es gut mit dem jungen Elektrotechniker Gottfried Dutiné - Einstellungsstopp, Absagen auf Bewerbungen, Vertröstungen.

Heute empfängt ein promovierter Gottfried H. Dutiné, Executive Vice President von Royal Philips Electronics und Mitglied des Boards of Management, während der Elektronikmesse CES Geschäftspartner in einer noblen Suite des Bellagio Hotels in Las Vegas - Strategiegespräche statt Aktenpflege, Marmorboden statt Linoleum, Palmen statt Gummibaum. Vorläufiger Höhepunkt einer steilen Karriere.

Als er Anfang vergangenen Jahres die Konsumelektronik bei Philips übernahm, steckte dieser neun Milliarden Dollar schwere Bereich nach Missmanagement und angesichts schrumpfender Märkte in einer tiefen Krise. Jetzt scheint wieder Land in Sicht. Er habe die Verluste in den USA halbiert, verkündete Dutiné in Las Vegas. Dieses Jahr hat er Gleiches vor. Und für Europa ist er "sehr zufrieden", was den Ertrag der Sparte "ausdrücklich" einschließe.

Die entgangene Beamtenkarriere hat der gebürtige Hesse also gut verschmerzt. Seit er nach der Promotion in Kommunikationstechnologie in Darmstadt bei der Rockwell-Collins GmbH startete, ging es für ihn bergauf. Nach Stationen bei Motorola - wo er als erster Nicht-Amerikaner die operative Verantwortung für eine Produktlinie bekam -, Bosch und Alcatel SEL, wo er sich einen Namen als Sanierer machte, kam er zu Philips. Heute verantwortet er weltweit die Bereiche Licht, Elektro-Hausgeräte, Unterhaltungselektronik sowie Auftragsfertigung und Digitale Netzwerke.

Auf der Straße würde sich kaum jemand nach dem 50-Jährigen umdrehen. Stets korrekt und dezent gekleidet, ist sein Auftreten unauffällig und unaufdringlich. Im Berufsleben ist Ehrlichkeit eine seiner herausragenden Eigenschaften, sagt er selbst, was sein Doktorvater, Prof. Alfons Kessler von der TU Darmstadt, gerne bestätigt. Dem Assistenten Dutiné, der in "Rekordzeit" promoviert habe, bescheinigt er zudem ein vorausschauendes Denken und Arbeiten. Wenn er mit akribisch ausgearbeiteten Plänen in die Werkstatt des Instituts kam, war noch genug Zeit für eine ordentliche Umsetzung. Das machte ihn beim Werkstattpersonal äußerst beliebt.

Sein Hang zum akribischen Arbeiten zahlte sich aus, als er für einen früheren Arbeitgeber eine bis dahin staatliche kanadische Firma übernehmen sollte. Die Verträge waren paraphiert, die Familie umgezogen, als bei Prüfungen Zollrückvergütungen in beträchtlicher Höhe auftauchten, die letztlich zu einem nicht existierenden Großauftrag führten. Dutiné bohrte weiter und förderte Kredite über mehr als 500 Millionen kanadische Dollar ans Licht. Sie sollten an künftige Mobilfunk-Netzbetreiber für das Versprechen gegeben werden, im Gegenzug Aufträge zu platzieren. Nur: Geld und Kreditnehmer waren verschwunden. Er reiste nach Deutschland, und es gelang, sich von dem Engagement ohne Schaden für seinen Arbeitgeber zu verabschieden.

Trotz seines rasanten Aufstiegs sei Dutiné immer auf dem Boden geblieben, bescheinigt ihm Kessler. Als auf einer Funkausstellung ein Vorführgerät nicht funktionierte, sei der damalige Blaupunkt-Chef persönlich mit Gerät und Lötkolben im Hinterzimmer verschwunden. Seine menschliche Art half ihm auch bei Alcatel SEL. "Das war hart", erinnert sich Dutiné, "als viele Menschen ihre Arbeit verloren." Es gab Proteste und Hungerstreiks. Er musste unbequeme Entscheidungen durchsetzen. Letztlich gelang es ihm, konstruktiv mit Betriebsrat und Gewerkschaften zu kooperieren. Der Dutiné kann zuhören, hieß es später.

Was er nicht kann, ist Falschheit ertragen. Da wird er ungehalten. Und er mag es nicht, wenn Seilschaften oder "Vitamin B" die fehlenden Qualifikationen ersetzen sollen. "Ich hätte nie gedacht, dass man mit dieser Einstellung im Management so weit kommen kann", merkt Kessler an.

Wichtig ist es dem Vater einer zwölfjährigen Tochter mitzugestalten. Trotz eines vollen Terminkalenders engagiert sich das Gründungsmitglied der deutschen IT-Initiative D21 in Organisationen, so als Vorstandsmitglied beim Branchenverband Bitkom - nicht ohne Hintergedanken: "Die Industrie muss die Rahmenbedingungen mitgestalten", ist seine feste Überzeugung.

Ein Laster hat er sich zum Leidwesen seiner Familie nicht abgewöhnen können. Gottfried Dutiné sieht gerne fern, beim Frühstück. "Das ist schon ein kleines Übel", räumt er ein. Aber er nutzt ein Philips-Gerät - eine Methode, um die Konzernverluste zu verringern.

Quelle: Handelsblatt

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