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22.01.2003

07:57 Uhr

PROFIL Patricia Riekel, Chefredakteurin „Bunte“, und Philipp Welte, Chef der Burda-People-Group

Das erfolgreiche Klatsch-Duo

VonPeter Heinlein

Patricia Riekel hat aus einer fast abgestürzten Illustrierten ein erfolgreiches Blatt gemacht. "Bunte"-Chefin Riekel gilt als First Lady des Klatschs. Zur Freude von Verlagschef Philipp Welte.

Herzklopfen hat sie seit Tagen, und die dürften am morgigen Donnerstagabend auf der Bühne des Frankfurter Schauspiels noch schlimmer werden. Den Umgang mit Leuten, die selbst im Rampenlicht stehen, ist Patricia Riekel gewohnt, aber als Journalistin selbst dort oben sein?

Sie muss da stehen, denn die Frau mit dem blonden Pagenkopf wurde als "Bunte"-Chefin von einer Fachjury des Branchenblatts Horizont zur Medienfrau des Jahres 2002 gewählt. Dass sie auch Chefredakteurin des Monatsblatts "In-Style" ist, galt der Jury als weiteres Argument.

Geehrt wird sie als Journalistin, der es gelang, aus dem bunten Blättchen für Frisiersalons ein Blatt zu machen, zu dem in der Business-Class der Lufthansa auch erstaunlich viele Männer greifen. Heute verkörpert "die Riekel" dieses Blatt, so wie ihr Lebensgefährte Helmut Markwort seinen "Focus".

Als First Lady of Gossip ist Riekel in Deutschland erste Adresse für Klatsch. Prominente Ex-Gattinnen legen vor ihr die Lebensbeichte ab. In ihrem Magazin zahlen es die Verlassenen und Betrogenen ihren Ex-Männern heim - nicht immer mit schmutziger Wäsche, aber immer öfter, indem sie ihre jeweils neuen Liebhaber präsentieren. Die 53-Jährige gilt diesen Frauen als ältere Schwester, als lebenskluge Vertraute.

Dabei führt sie selbst ein ganz anderes Leben. Sie hat keine eigenen Kinder und es längst aufgegeben, Mops Churchill und drei Katzen zu erziehen. Sie arbeitet bis spät in die Nacht, sitzt danach meist noch im Münchener In-Lokal Schumanns und sinniert - oft mit Promi-Friseur Udo Waltz - über die Welt. Sie hat Charme und dürfte mancher Frau fast altmodisch weiblich vorkommen. Keinem Mann würde sie in einer Gesellschaft seinen Platz streitig machen. Im Gegenteil vermittelt sie dem Gegenüber das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Rechnet sie aber damit, zum Dank den Vortritt zu bekommen - bekommt sie ihn.

Sie führt ihre Redaktion mit eiserner Hand im Samthandschuh. So entscheidet sie auch über Geschichten, die ins Blatt kommen. Sie lässt zwar lange diskutieren, gemacht wird aber das, was ihr das erste Bauchgefühl riet.

"Eine bessere Chefredakteurin gibt es nicht für Bunte." Das meint zumindest ihr oberster Chef, Philipp Welte. Er leitet die Burda-People-Group, zu der neben dem Bunte Entertainment Verlag auch die Berliner Event- und Internetfirma Starnet-One gehören. Der stets schwarz gekleidete Mann wird sich am Donnerstag im Frankfurter Schauspiel mehr im Hintergrund halten: die Bühne seinem Star, Regie und Produktion in der Kulisse. Welte zieht es vor, die Geschäfte zu führen und vor allem sie selbst zu machen. Wer mit dem 40-Jährigen arbeitet, darf nicht auf Uhr oder Kalender gucken, es sei denn, um Termine einzuhalten. Dafür gibt es die uneingeschränkte Sympathie des Paten - ganz wie bei Mario Puzo.

Mit dieser Methode erzielt Welte mittlerweile zweistellige Renditen. Er vermarktet die Inhalte, die Riekel heranschafft. Eine Marke, viele Kanäle. So gibt es neben dem Printprodukt die Bunte auch in Kooperation mit T-Online im Internet, und zur Cebit plant Welte, mit T-Mobil die Bunte-Klatschnews aufs Handy zu geben. Dazu könnte dann bald auch Bunte-TV für die ARD kommen. Darüber spricht er mit dem Hessischen Rundfunk.

Welte leistet sich die für Burda unerhörte Extravaganz, nicht in München oder Offenburg zu leben. Er wohnt mit Frau und kleiner Tochter in Potsdam, fliegt zur Arbeit. Den Schreibtisch hat der ehemalige Politik-Student in Gestalt eines schwarzen Büchleins mit silbergefasstem Bleistift immer bei sich. Damit reist er durch die Republik und bringt potenziellen Anzeigenkunden das Entertainment-Konzept "Leidenschaft für Menschen" nahe.

Er bietet Kooperationen mit allem an, was Bunte kann - bislang mit Erfolg. In einem Werbemarkt, in dem im vergangenen Jahr die Publikumszeitschriften 7,2 Prozent minus machten, wuchs die Bunte um 15,3 Prozent auf 2212 Anzeigenseiten und meldete 25 Prozent plus beim Netto-Umsatz.

Mit Patricia Riekel, die Bunte 1997 übernahm, als diese sich "im Sturzflug" (Riekel) befand, positionierte der 1999 dazugestoßene Welte das Bambi-Blatt zum People-Magazin um, gründete den Nachwuchswettbewerb New Faces in den Segmenten Mode, Musik und Film und verkündete großspurig: Bunte spiele in der ersten Liga der Zeitschriften und er messe sich mit Spiegel, Stern und Focus.

Immerhin: Unter Bunte-Lesern sind heute zu 40 Prozent Männer, und auch Auto-Anzeigen finden in das Heft. Und beim Stern ist man regelmäßig sauer, wenn die Bunte mit ihrem Trallala-Journalismus am Kiosk wieder mehr Exemplare abgesetzt hat als man selbst.

Am Donnerstag sind dennoch Stern-Leute dabei in Frankfurt. Ist ja schließlich ein Branchen-Event ...

Vita Patricia Riekel

Sie wird am 19. Juni 1949 in Haarlem/Niederlande geboren. Nach dem Volontariat beim Münchner Merkur und einigen Jahren freier Autorenschaft, in denen sie sich viel mit Lebensberatung beschäftigt, stößt sie als Schreiberin zum Gong, wo sie Helmut Markwort kennen und lieben lernt. 1995 wird sie Chefredakteurin von "Die Aktuelle", 1997 von "Bunte" und seit 1999 auch von "InStyle".

Vita Philipp Welte

Er wird am 22. Mai 1962 in Hechingen/Hohenzollern geboren. Nach Volontariat und Studium der Politik- und Kulturwissenschaften in Tübingen wird er Öffentlichkeitsarbeiter. Zuerst beim Mitteldeutschen Rundfunk (1992) dann bei Burda (1994). 1998 übernimmt er die Geschäftsführung des Bunte Entertainment Verlags. Das Jahr 2000 sieht ihn in Berlin als Geschäftsführer der Burda Internetbeteiligungen und von Starnet-One. Seit Januar 2002 leitet er die Burda-People-Group, von der die Berliner Aktivitäten, Bunte und InStyle, gemeinsam geführt werden.

Quelle: Handelsblatt

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